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archiv » Kritiken (19)
Kritiken

Offene Bürgerwunde

von Esther Slevogt

Berlin, 20. Mai 2007. Eigentlich war das Theatertreffen schon fast zu Ende, die Bilanzen längst formuliert. Nur die Schlussdiskussion mit der Jury stand noch aus und die zwei Preisvergaben: der 3sat-Preis für, wie es so schön im Auslobungstext heißt, " zukunftsweisende Impulse für das deutsche Schauspiel", der diesmal an das "Dido und Aeneas"-Team Sebastian Nübling, Lars Wittershagen und Muriel Gerstner ging, sowie der Alfred-Kerr-Preis, mit dem seit 1991 viel versprechender Schauspielernachwuchs ausgezeichnet wird – in diesem Jahr Julischka Eichel aus Tilmann Köhlers Weimarer Ensemble.


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Ausdrücken kann man sich anders

von Robert Schröpfer 

Berlin, 19. Mai 2007. Auf Talent muss man sich überhaupt nichts einbilden. Zumindest, wenn es nach Jonathan Meese geht. "Die Revolution der Kunst", so prophezeite der Anarcho-Künstler am Samstag Mittag per Videobotschaft im Haus der Berliner Festspiele, stehe kurz bevor, und wer dann nicht als versteinerte Skulptur enden wolle, müsse sich "aggressiv und demütig nach vorne stürzen", statt Ideen verwirklichen zu wollen.


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Träumer eines gleichen Traums

von Petra Kohse 

Berlin, 18. Mai 2007. Diese Inszenierung macht in verschiedenen Farben traurig. Es ist eine stilisierte, transponierte, kompensierte, immer wieder ermüdende, am Ende aber zunehmend verzweifelte und schließlich ganz wesentliche Traurigkeit, die hier vorgezeigt wird. Und die einen entsprechend berührt.


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Kotzen auf Kokoschka

von Simone Kaempf

Berlin, 17. Mai 2007. Da stehen sie und können nicht anders. Korrekt gekleidete Menschen in einer gestylten Wohnschachtel, die die Welt retten wollen, teilweise zumindest, und in einer Zimmerschlacht enden.


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Großmutter, Enkelin und die Babyboomer

von Esther Slevogt

Berlin, 17. Mai 2007. Es ist zuerst der zärtliche Ton, der irritiert. Denn die Stimmen der beiden Frauen klingen, als lägen dicke Watteschichten über ihren Worten. "Du hättest nicht kommen müssen!", sagt die Großmutter leise.


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Sinnvakuum oder versöhnte Gegensätze?

16. Mai 2007. Knapp 500 DramatikerInnen haben sich in diesem Jahr für den Stückemarkt beworben. Fünf kamen in die Endauswahl. Um den Sieg – 5.000 Euro und eine Uraufführung am Maxim Gorki Theater, außerdem gibt es einen Werkautrag für eine Uraufführung am Schauspielhaus Wien – konkurrieren Teilnehmer aus Österreich, Finnland, Deutschland, Großbritannien und der Türkei (hier und hier). Das interessiert die ZeitungsschreiberInnen genauso wie uns (hier und hier).


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Und alle machen Mäh

von Petra Kohse

Berlin, 15. Mai 2007. Es drängte einen nicht zum Jubel nach der Premiere des Hamburger "Tartuffe" im Haus der Berliner Festspiele. Manche buhten sogar, als der Regisseur auf der Bühne erschien. Die Aufführung war durchaus virtuos und zuweilen lustig gewesen. Aber sie war leer.


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Fremde unterm Partyvolk

von Wolfgang Behrens

Berlin, 15. Mai 2007. Zehn Jahre ist es her, da wurde dem Theatertreffen-Publikum eine Purcell-Oper vorenthalten: Martin Kušej hatte in Stuttgart "König Arthur" als spartenübergreifendes Barockspektakel inszeniert, nach Berlin konnte die Produktion jedoch nicht reisen, da sie nicht genügend Jury-Mitglieder gesehen hatten. Ein Fehler, den die Jury des Jahres 2007 nicht wiederholt hat: Diesmal ist Henry Purcells "Dido und Aeneas" mit von der Partie.


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Familienfragen und andere Rätsel  

von Simone Kaempf 

Berlin, 14. Mai 2007. Ausgerechnet Mama. Mama erkennt als erstes, dass Toteaus zentrales Problem nicht die Männer sind, so schrullig die Nichtsnutze auch daher kommen. Bo ist ein kleinkrimineller Autodieb. Der Fotograf Ray fotografiert nicht mehr, weil alle Motive unter seinem Niveau liegen würden, und der schwule Joe kennt Kochen und Schlafen als die einzigen Beschäftigungen in seinem Leben.


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Blutgericht

von Esther Slevogt

Berlin, 12. Mai 2007. Die Bühne ist mit Sperrholz vernagelt, auf dem dicke Schichten von Blut auf vorangegangene Schlachtfeste kaum vorstellbaren Ausmaßes schließen lassen. Man erkennt die Abdrücke blutiger Hände und Körper.


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Das fluffige Gefühl, das man die Liebe nennt

von Anne Peter 

Berlin, 12. Mai 2007. Auch das Theatertreffen bleibt nicht vom Knut-Effekt verschont. Was noch nicht abzusehen war, als die Bühnenarbeiter in ihren schwarzen T-Shirts während des Einlasses zu Jan Bosses Burgtheater-Version der Shakespeare-Klamotte "Viel Lärm um nichts" seelenruhig um das quietschweiße Rundgehege herumstaubsaugten.


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Çetindogans "Eine Migrantenhochzeit"

von Esther Slevogt

Berlin, 11. Mai 2007. Eine opulente türkische Hochzeit in Istanbul, die mit ihren Hundertschaften von Gästen inklusive Buffet, Kamerateam, Bluebox und DJ locker ein Jahresgehalt verschlingt. Hier heiratet der Deutschtürke Murat die junge Saadet "Ich liebe Saadet", sagt er. Sie sagt jedoch: "Ich liebe Deutschland." 


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Presseschau: Theater ist eine Olive. Sie schmeckt nach Blut.

10. Mai 2007. Die Zeit des Theatertreffens ist die Zeit großformatiger Umschauen in den Zeitungen. In der Zeit (10.5.2007) holt Peter Kümmel weit aus. In einem überaus lesenswerten Beitrag nimmt er die Verluste des zeitgenössischen Theaters unter die Lupe. Und findet in der Riege der hochbegabten jüngeren SchauspielerInnen lauter "Theater-Houdinis".


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Es ist Pop

von Petra Kohse 

Berlin, 9. Mai 2007. Es ist kraftvoll und konzentriert, es ist aufeinander eingespielt, hat Weltschmerz- und Wesentlichkeitsappeal und nimmt sich und seine Mittel vollkommen ernst. Es ist das Theater des Tilmann Köhler.


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Ironischer Realismus

von Nina Peters

Berlin, 8. Mai 2007. Heiligt der politische Zweck immer auch die Mittel, mit denen sie umgesetzt werden?  In seinem Stück "Die schmutzigen Hände" von 1948 hat Jean Paul Sartre Figuren entworfen, an denen er dieses Dilemma allen politischen Handelns in Extremform durchgespielt hat.


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Echtwelt trifft Multioptionswirklichkeit

von Petra Kohse 

Berlin, 7. Mai 2007. Der Regisseur Nicolas Stemann hat sich in seiner Inszenierung von Elfriede Jelineks RAF-Stück Ulrike Maria Stuart nicht um historische Authentizität gekümmert. Auch zeitgenössische Authentizität war ihm egal, und als ihn die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz während der Proben anrief und ihm ankündigte, ihn zu verklagen, weil sie in dieser Inszenierung als sprechende Vagina vorkomme, fiel er aus allen Wolken.


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Seelenkrämer auf Zehenspitzen

von Nikolaus Merck

Berlin, 6. Mai 2007. ICH! Das erste leidenschaftlich gebrüllte Wort ist auch das Hauptwort des Abends. Hans Löw als Werther wandert schon ruhelos vor dem Beginn. Tut tiefe Schnaufer, schaut beseligt umher, wippt auf Zehenspitzen mit der Seele. Werther trägt weiß, einen roten Rollkragenpulli unterm Hemd, spitze braune Schuh. Und Werther spricht.


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Bis an die Schmerzgrenze

von Nina Peters 

Berlin, 6. Mai 2007. "Ulrich Matthes ist ein ernster Schauspieler", heißt es in der Jurybegründung des Berliner Theaterpreises der Stiftung Preußische Seehandlung. Berlins Oberbürgermeister Klaus Wowereit, am Vorabend noch als Pappkamerad Mitspieler in Stemanns "Ulrike Maria Stuart"-Inszenierung auf der Bühne, liest sie vor.


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Im Gewahrsam des Kulturbetriebs

von Esther Slevogt

Berlin, 5. Mai 2007. Da ist es wieder, das berüchtigte RAF-Logo, das in der alten Bundesrepublik wahrscheinlich eine größerer Identifikationskraft erlangt hat, als je der behäbige Bonner Bundesadler, der 1949 den zackigen Naziadler abgelöst hatte, aber auf Grund seiner unsportlichen Figur immer als eher uncool empfunden wurde. Bis dann die Wehrsportgruppe um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof auf der Bildfläche erschien.


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