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archiv » Heidelberger Stückemarkt (11)
Heidelberger Stückemarkt

Nach New York kraulen

von Ralf-Carl Langhals

Heidelberg, 24. April 2015. Finnland: Schnee, Wasser, Eis, Schnaps, Tango und Karaoke, gemixt mit einer süßlichen Note großer, existenzieller Grundtraurigkeit von geringer Bevölkerungsdichte, durchzogen mit einer Prise Sehnsucht wonach auch immer. Soweit das Klischee – und die deutschsprachige Erstaufführung von Pipsa Lonkas "These little town blues are melting away", mit der der 32. Heidelberger Stückemarkt eröffnet wurde, weil Lonka im Vorjahr den Internationalen Autorenpreis des renommierten Festivals gewann.


Heidelberger Stückemarkt

Eine Todesfuge

von Ralf-Carl Langhals

Heidelberg, 25. April 2014. So ist das mit den großen und letzten Dingen im Leben. Wenn es soweit ist, stellt man fest, dass es ganz anders kommt, als man es sich immer vorgestellt hatte. Diese bittere Erfahrung machen die drei Schwestern, die Henriette Dushe um das Sterbebett ihre Vaters versammelt hat. "Lupus in fabula", also etwa "der Wolf, von dem man spricht", heißt das Stück, für das die Autorin hier im Vorjahr den Autorenpreis des Stückemarktes gewonnen hat und das nun am gleichen Ort zur Uraufführung gelangt – und den Heidelberger Stückemarkt 2014 eröffnet.


Heidelberger Stückemarkt

Baugrund und Friedhofserde

von Ralf-Carl Langhals

Heidelberg, 26. April 2013. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Der geregelte Ablauf der Dinge spielt im "Alpenvorland" mehr als nur eine gliedernde Rolle. Nicht selten dient "erdverbunden" als Euphemismus für Wesenszüge, die auch beim Oberösterreicher Thomas Arzt, Autorenpreisträger des Heidelberger Stückemarkts 2012, zwischen traditionell und reaktionär, jovial-selbstgenügsam und beschränkt-provinziell oszillieren. Feucht ist sie diese Erde, fruchtbar und in Bewegung.


Heidelberger Stückemarkt
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Die Früchte des Fördersystems

von Andreas Jüttner

Heidelberg, 8. Mai 2011. Eitel Sonnenschein in Heidelberg. Erst sorgt das Wetter beim Stückemarkt neun Tage lang für Sommerlaune, dann werden zum Abschluss alle Preise so vergeben, dass es nichts zu meckern gibt. Und das sogar so, dass sich in der Preisvergabe das unterschwellige Thema des diesjährigen Festivals spiegelt: Die postmigrantische Dramatik dominierte 2011 am Neckar, sowohl in deutschen Uraufführungsgastspielen als auch mit dem Gastland Türkei. Und prompt ging der Hauptpreis erstmals in der Festivalgeschichte an einen Autoren aus dem Gastland, was zusammen mit dem Europäischen Autorenpreis zwei große Preise für Autoren aus Istanbul ergab, während der Innovations- und der Publikumspreis an deutsche Wettbewerbsteilnehmer gingen.


Heidelberger Stückemarkt
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Draußen ist immer gefährlich

von Bernd Mand

Heidelberg, 1. Mai 2011. Wie man es dreht und wendet, draußen ist und bleibt es gefährlich. Auch der Autorenwettbewerb beim Heidelberger Stückemarkt ist ein gutes Beispiel für die These der schlummernden Gefahr im Außenbereich. Am ersten Autorentag stellten sich Berkun Oya, Ahmet Sami Özbudak und Fehime Seven mit ihren Stücken nicht nur den altbekannten Gefahren, die dem Messen mit anderen innewohnen. Denn neben der Tatsache, dass die Autoren am ersten Tag des Heidelberger Wettbewerbs alle aus dem diesjährigen Gastland Türkei stammen und keiner von ihnen die Mittdreißiger überschritten hat, verband die drei Beiträge auch ein deutliches Leitmotiv, das man knapp mit "Draußen ist immer gefährlich" zusammenfassen könnte.


Heidelberger Stückemarkt
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Grenzenloser Himmel, unheiliges Land

von Harald Raab

Heidelberg, 30. April 2011. Die Blätter des Textbuchs regnet es aus dem Schnürboden herab. Eine Israelin, ein israelischer Araber und zwei Deutsche machen sich über das Rollen-Tohuwabohu her: Willkommen in Israel und auf der Westbank. Leben mit dem Chaos auf einem Pulverfass. Deutsche Gutmenschen mit der Botschaft vom Frieden, wie sie sich ihn theoretisch so schön vorstellen, haben hier keine Chance. Bestenfalls sind sie naive Exoten, oft genug arrogante Ignoranten.


Heidelberger Stückemarkt

"Wenn ich einmal reich wär'. . ."

von Harald Raab

Heidelberg, 4. Mai 2010. Tatsächlich steigt da einer gleich zu Beginn auf das Dach eines Spielzeughauses und mimt in grotesk-verzerrten Verrenkungen den Fiddler on the Roof aus dem Musical Anatevka. Ist etwa jiddische Folklore angesagt? Die Story vom armen aber glücklichen Milchmann Tewje, dem Juden im Shtetl, das kitschig-verlogene Abziehbild, das nur die Kehrseite der Plakette Antisemitismus ist.


Heidelberger Stückemarkt

Schlaflos in Tel Aviv

von Harald Raab

Heidelberg, 30. April 2010. Sie ist in jeder Hinsicht eine Laborsituation, die israelisch-deutsche Koproduktion "Undercover Tel Aviv". Die verwendeten Sprachen sind Ivrit (Hebräisch), Englisch und Deutsch. Fiktion und Dokumentation sind ineinander verwoben. Ein deutsches und ein israelisches Schauspielerpaar mit wechselnden Identitäten, zwei doch recht unterschiedliche Bühnenkulturen. Und dann noch ein Stoff, der auf gemeinsamen Recherchen vor Ort beruht.


Heidelberger Stückemarkt

Dem Frieden sein endloser Krieg

von Anne Richter

Heidelberg, 2. Mai 2009. Da sitzen sie nun mit dem Opfer ihrer Hilfsbereitschaft und wissen nicht weiter. Die Kneipe ist leer und steril. Die schlagkräftige Wirtin Yvonne sitzt gefesselt und geknebelt zwischen ihnen. Die beiden Männer waren nur auf ein Bier vorbeigekommen, als sie Streit mit ihrem Freund bekam. Der hockt jetzt im Keller eingesperrt. Dabei will Yvonne nur sich und ihn wieder frei bekommen, Hilfe braucht sie keine. Weil: Ehe ist für sie – frei nach Trotzki - "eine permanente Revolution".


Heidelberger Stückemarkt

Die dünne Schicht über den Abgründen

von Andreas Jüttner

Heidelberg, 13. Mai 2007. Die Chronik eines allmählichen Idyllenzerfalls im Vorort-Speckgürtel einer Großstadt ist der große Gewinner beim Heidelberger Stückemarkt. Gestern erhielt Volker Schmidt für "Die Mountainbiker" sowohl den Publikums- als auch den Hauptpreis, der mit einer Uraufführung verbunden ist.


Heidelberger Stückemarkt

Sprengen mit Rammstein, Schwimmen mit Bob

von Andreas Jüttner

Heidelberg, 12. Mai 2007. "Fang mit einem Erdbeben an und steigere dich dann stetig." Dieses Prinzip gilt nicht nur für das Krawallkino von Jerry Bruckheimer, für das es erfunden wurde. Es funktioniert auch mit rumänischem Powertheater.


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