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archiv » Theaterhaus Gessnerallee (10)
Theaterhaus Gessnerallee

Der Eintritt kostet den Verstand

von Geneva Moser

Zürich, 6. Oktober 2016. Ann Liv Youngs "Cinderella" im Jahr 2013 in der Gessnerallee Zürich: Achtung Pathos, dieser Abend hat mein Leben verändert. Die Performerin hat alle (meine) Grenzen auf rätselhafte Weise überschritten, das Publikum innerhalb von einer Stunde nervlich fertig gemacht, es zur Verletzbarkeit und Ekstase gezwungen, um es dann neu, verschoben und verrückt, wieder zusammen zu setzen. ("Push the boundries!"). Genau so.

Die Kritikerin ist also voreingenommen


Theaterhaus Gessnerallee

In der Wolkenwaschanlage

von Christoph Fellmann

Zürich, 10. März 2016. Er hätte es gerne gehabt, das Wetter hätte auch mal über uns geredet. Dabei war William R. Corliss ein Physiker; nur eben, dass ihm im Verlaufe seiner Arbeiten der Glaube an die Naturgesetze abhanden kam. Ungültig seien sie, meinte er, und blieb folglich auch der Feier fern, an der ihm 1988 in London ein Anerkennungspreis der königlichen Gesellschaft für Geografie hätte übergeben werden sollen. Und hier nun, an dieser edel gerahmten Leerstelle, setzt der neue Theaterabend von Thom Luz ein, dieses skurrile, betörende "Unusual Weather Phenomena Project". Es ist die erste freie Arbeit des Zürchers seit dem gefeierten "When I Die", das drei Jahre nach der Premiere immer noch auf Tournee ist. Die Uraufführung geht in seiner Heimatstadt über die Bühne der Gessnerallee.


Theaterhaus Gessnerallee

Margot will Endlichkeit

von Jenny Berg

Zürich, 16. Januar 2015. Sterben müssen wir alle. Nur wann? Und wie? – "Ähm, Markus: Du hast vergessen, Deine 8-Uhr-Tabletten zu nehmen!" sagt der eine Markus. Der andere Markus antwortet: "Herrje, irgendwas ist immer! – Merci!" Er fummelt bunte Pillen aus einem graublauen Medikamentendispenser und spült sie mit einem Sirup-roten Partygetränk von der festlich gedeckten Tafel hinunter.


Theaterhaus Gessnerallee

Wer hat dich aufgeklärt?

von Andreas Klaeui

Zürich, 10. Oktober 2013. Am Ende läuft alles darauf hinaus: Es ist einfach ein sehr kindlicher Abend. Kindlich in dem Sinn, dass er vom Erwachsenwerden erzählt. Aus einer Nachwuchsperspektive, aus der Erschütterung heraus, dass das Leben ja nicht mit der Geburt beginnt. Sondern – wie es der Titel des Abends fasst – "in der Mitte". Dass da eine Frau war, vielleicht eine junge Frau, wie das Kind heute selber eine ist, die erst durch das Kind zur Institution Mutter wurde. Dass vorher Großmütter, Urgroßmütter schon junge Frauen waren. Dass man von ihnen eigentlich gar nichts weiß.


Theaterhaus Gessnerallee

Kauderwelsch mit Zeremonienmeister

von Julia Stephan

Zürich, 26. September 2013. Schengen, dieser abstrakte Rechtsraum, der in Europa grenzenloses Reisen möglich macht, ist ein Fluch für alle, die er ausschließt – und ein Segen für die wenigen, die sich in ihm frei bewegen dürfen. In der Gessnerallee Zürich ist er zunächst ein weltläufiger Dancefloor mit DJ Viktor Marek, dem Chef des kultigen Hamburger Golden Pudel Clubs, hinter den Turntables.


Theaterhaus Gessnerallee

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Zurück in die Zukunft

von Charles Linsmayer

Zürich, 2. Juni 2012. "Ausartung" heißt das Motto im letzten Monat der Interimsleitung von Catja Loepfe und Gunda Zeeb im Zürcher Theaterhaus Gessnerallee. Konkret meint das, dass die Kunst neue Wege gehen und über die Stränge schlagen solle. Erstes Beispiel ist die Produktion "Urwald" der eng mit dem Haus liierten Gruppe Far a Day Cage, die später auch in Frankfurt und Wien zu sehen sein wird.


Theaterhaus Gessnerallee
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Was willst Du, hehrer Geist des Bühnenbildners?

von Andreas Klaeui

Zürich, 31. Mai 2011. Die Affiche ist natürlich irreführend. "Hamlet, anschließend Publikumsgespräch": Wir sind schon anschließend. Wer im Publikum hat schon mal einen "Hamlet" gesehen? Wer von den wenigen, die noch keinen gesehen haben, hat eine klare Vorstellung von dem Werk? Das Publikumsgespräch über "Hamlet" ist längst in Gang, dazu braucht es Far A Day Cage nicht.


Theaterhaus Gessnerallee

Hasen sind neugierig

von Simone von Büren

Zürich, 17. Dezember 2009. "Der Anfang ist das Prinzip allen Handelns und bleibt als Prinzip bestehen, wenn er längst vergangen ist", sagt die Frau im Regenmantel. Der Anfang ist wichtig. Der Anfang der Aufführung. Der Anfang des Lebens. "Wir haben einfach angefangen", erzählt einer von fünf begeisterten Menschen in identischen Matrosenanzügen, die von einem gelungenen neuen Gesellschaftsmodell schwärmen, das alle Probleme von "damals" – aus dem Ruder gelaufener Kapitalismus, Klimakatastrophen, Wirtschaftskrise – implodieren liess. Und alles begann mit der Schule...


Theaterhaus Gessnerallee

Wenn Verfolger Verfolgern folgen

von Felizitas Ammann

Zürich, 17. Oktober 2007. Wer wen anschaut, das ist im Theater seit dem Fall der unsichtbaren vierten Wand längst nicht mehr klar. Diesen doppelten Blick macht nun die Zürcher Formation mikeska:plus:blendwerk um Regisseur Bernhard Mikeska und Ausstatter Dominic Huber zum Thema.


Theaterhaus Gessnerallee

Ein leichtes Säuseln von Liftmusik

von Felizitas Ammann

Zürich, 23. Mai 2007. Im Jahr 2007 wird – nach einem Bericht der Vereinten Nationen – zum ersten Mal in der Geschichte die Mehrzahl der Menschen in Städten wohnen. Das wars dann aber auch schon mit der Realität in der Gessneralle am Mittwochabend. Die Zürcher Gruppe Plasma interessiert sich mehr fürs Experiment denn für schnöden Naturalismus. 


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