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archiv » Passionstheater Oberammergau (6)
Passionstheater Oberammergau

Lass uns diesen Abgrund nicht zu Ende denken

von Steffen Becker

Oberammergau, 1. Juli 2016. In einer Vorschau zur Premiere im Passionstheater Oberammergau sieht man einen aufgedrehten Regisseur Christian Stückl atemlos berichten, wie irre knapp dran man dieses Jahr war. Nicht schlimm, Improvisation ist ja seine Stärke, und am Stück selbst fällt die ohnehin den wenigsten auf. Ibsen bezeichnete zwar "Kaiser und Galiläer" als sein wichtigstes Werk, aufgeführt wurde es laut Stückl aber zuletzt im Jahr 1906. 110 Jahre später wagt der es, zumindest einen Bruchteil des Textes auf die Bühne zu bringen.


Passionstheater Oberammergau

Der doppelt Fremde

von Steffen Becker

Oberammergau, 5. Juli 2013. Eine Fahrt nach Oberammergau – ins katholische Herzland Bayerns – schreit gerade zu danach, die alte Firmungs-Bibel herauszukramen. Christian Stückl, Oberammergauer, Passionsspielleiter und Volkstheaterintendant, inszeniert "Moses". Liest man heute die entsprechenden Bibelpassagen, ist man ganz überrascht, wie brutal und abstoßend dieses Buch sein kann. Bei Feridun Zaimoglu und Günter Senkel beginnt der Stoff mit Sex. Ein ägyptischer Aufseher vergewaltigt eine Hebräerin und will ihren Mann ermorden. Moses tötet ihn – und stolpert in eine Sinnkrise, die ihn zum Propheten werden lässt.


Passionstheater Oberammergau

altDeath and Destruction in Oberammergau

von Steffen Becker

Oberammergau, 13. Juli 2012. Hinter einem erfolgreichen Mann steht oft eine starke Frau – entgegen der heute üblichen Interpretation, dass dies zu seinem Vorteil ist, sieht William Shakespeare in seinem Drama "Antonius und Cleopatra" es als Grund für sein Scheitern. Konsequenterweise spielen in der bekanntesten Verfilmung des Stoffes mit Elizabeth Taylor und Richard Burton reale Hollywood-Wiedergänger das berühmte antike Paar. Regisseur Christian Stückl will nun mit seiner Inszenierung die Faszination von Krieg, Macht, Sex und Hörigkeit auf die Bühne des Passionstheaters in Oberammergau bringen.


Passionstheater Oberammergau

Aufbruch in die Ökumene

von Ralph Gambihler

Oberammergau, 15. Mai 2010. Märchenkönig Ludwig II. hat, wie es heißt, die Apostel-Darsteller mit Silberlöffeln beschenkt, bis auf Judas, der einen Blechlöffel bekommen haben soll. Der Automogul Henry Ford wollte dem Jesus-Mimen gar einen fahrbaren Untersatz vermachen. Auch Adolf Hitler wallfahrte nach Oberammergau und beglückte die Spiele mit dem Attribut "reichswichtig". Die Ovationen der Mächtigen, seien sie im Nachhinein auch peinlich, gehören zum Mythos wie der Haar- und Barterlass des Bürgermeisters oder das Aufflattern der weißen Tauben, die bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel aus dem Festspielhaus fliegen dürfen.


Passionstheater Oberammergau

Gott hat uns verlassen

von Hartmut Krug

Oberammergau, 3. Juni 2009. Wenn die Musik dräuend dröhnt, kann von dem unterm Schlapphut finster dreinblickenden Mann nur Gefahr ausgehen, der sich da 1633 während des Kirchweihfests heimlich nach Oberammergau schleicht. Es ist der Tagelöhner Kaspar Schisler, der sich zwei Jahre in Eschenlohe hinterm Berg bei einem Bauern verdingte, und nun aus Sehnsucht nach seiner Frau und seinen Kindern in seinen Heimatort zurückgekehrt ist. Draußen im Land wütet nicht nur der 30jährige Krieg, sondern auch die Pest, nur nicht in Oberammergau. Bis dieser pestkranke Heimkehrer sie nun einschleppt.


Passionstheater Oberammergau

Der Prophet im Breitwandformat: imposant

von Georg Kasch 

Oberammergau, 15. Juni 2007. "Krieg!" dröhnt es einstimmig aus hunderten Mündern, "Krieg! Krieg! Krieg!" braust es wie ein Orkan von der Oberammergauer Passionstheaterbühne. Dazu stampfen die Speere auf den Boden, recken sich unzählige Fäuste in die Luft. Das sitzt, geht in Mark und Bein, hat etwas ebenso Ungeheuerliches wie Unwiderstehliches.


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