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archiv » Kunstfest Weimar (5)
Kunstfest Weimar

Fünf leere Stühle

von Henryk Goldberg

Weimar, 1. September 2016. Der Mann vorne schwärmt, träumt: Wie es wäre, wenn die Menschen Nomaden wären, grenzenlos, ortlos, zwanglos. Hinten die Gruppe bewegt die Hände in den Eimern mit Wasser; das Geräusch, das sie dabei erzeugen, umspült den Raum und die Sinne, Vögel schreien dazu. Und beinahe ist es, als sänge Achim Reichel von den fernen Inseln der Glückseligkeit. Jenen Inseln, auf denen der Brauch des Kula gepflegt wird, der rituelle Gabentausch, wo die Gaben mit einer Geschichte versehen sind und wandern zwischen den Menschen. Ein Band aus Geschichten, das die Menschen umschlingt mit einer sanften, herrschaftsfreien Bindungskraft. So träumen sie einen Traum von Einigkeit und Recht und Freiheit.


Kunstfest Weimar

Bomben des Käfers

von Frauke Adrians

Weimar, 3. September 2015. Ein unterhaltsamer, ein amüsanter Abend über die schlimmste nationalsozialistische Hetzschrift? Mit Rimini Protokoll geht das. Sechs "Experten des Alltags" sind es diesmal, die im Weimarer E-Werk das Stück "Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2" zur Uraufführung bringen. Jeder von ihnen hat eine eigene, höchst eigenwillige Sicht auf Hitlers Machwerk in zwei Bänden. Alle zusammen nähern sich dem Buch, das in Deutschland bislang zwar besessen, aber nicht verbreitet werden darf, auf geradezu spielerische Weise.


Kunstfest Weimar

Das Unsagbare singen

von Frauke Adrians

Weimar, 30. August 2015. Weimar ist Weimar, noch in seinen schlichtesten Zweckbauten. Selbst das alte Schießhaus, einst am östlichen Stadtrand gelegen und heute ziemlich mittig, schmückt sich mit einem respektgebietenden Tonnengewölbe und vielen klassizistischen Säulen. An diesem Randschauplatz der Weimarer Klassik erlebte jetzt ein fast 30 Jahre altes Stück Musiktheater seine deutsche Erstaufführung, das wie kaum ein zweites an die in Weimar besonders augenfällige Nachbarschaft von deutscher Kultur und deutscher Barbarei gemahnt: Frederic Rzewskis "Triumph des Todes". Das Stück basiert auf dem anlässlich der Auschwitz-Prozesse Mitte der 60er-Jahre entstandenen Dokumentendrama "Die Ermittlung" von Peter Weiss.


Kunstfest Weimar

An den werthen, werthesten, allerwerthesten Goethe

von Frauke Adrians

Weimar, 29. August 2014. Mehr als 1770 Briefe und Notizen hat Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein geschrieben, liebevolle, banale, freundschaftliche, ratsuchende. Und sie an ihn? Niemand weiß es. Charlotte hat einen Großteil ihrer Briefe später zurückgefordert und vernichtet. Welch ein Verlust – und andererseits: Welch eine Gelegenheit für Schriftstellerinnen von heute, sich auszumalen, was Frau von Stein ihrem Freund, ihrem Vielleicht-auch-Liebhaber Goethe mitgeteilt haben könnte, der für die "liebe Lotte" gelegentlich mit "your lover for ever. G." unterzeichnete.


Kunstfest Weimar

Lob der Freikörperkultur

von Frauke Adrians

Weimar, 24. August 2014. Mit dem Theater ist es wie mit dem richtigen Leben: Gut, dass man nicht weiß, was einen erwartet. Sonst würde man vielleicht von vornherein wegbleiben.


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