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archiv » Festivalübersicht Theatertreffen 2015 (17)
Festivalübersicht Theatertreffen 2015

Männer in der Wagenburg - und eine Frau

von Georg Kasch

18. Mai 2015. Nun ist es vorbei, das 52. Theatertreffen. Im Rückblick erscheint mir dessen Auswahl ziemlich okay: Ein bisschen Experiment (Atlas der abgelegenen InselnWarum läuft Herr R. Amok), ein bisschen Schauspieler-Glamour (John Gabriel Borkmandie unverheiratete), etliche tolle Gesamtkonzepte (Common GroundDie lächerliche FinsternisDas Fest) und ein bisschen Vergangenheit (BaalWarten auf Godot), vor allem aber aktuelle politische Debatten (Die Schutzbefohlenen), das Ganze mit drei Frauen und fünf Newcomern, mit Neuer Dramatik, politischem Theater – das wirkt wie eine Mischung, die die deutschsprachigen Stadttheatertrends in der 1. und 2. Liga einigermaßen gut abbildet. Klar, aus vielen Häusern, wo sich gerade was tut, ästhetisch oder strukturell oder bei beidem, war nichts dabei, Darmstadt oder Dortmund zum Beispiel. Aber wenn einige Juroren darauf bestehen, dass das Theatertreffen ein Elitefestival sein will – bitte.


Festivalübersicht Theatertreffen 2015

Apropos Chicks Now

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 17. Mai 2015. Bei der Abschlussdebatte der Theatertreffen-Jury war man sich am Sonntagnachmittag auf dem Podium einig, dass wir "in schlimmen Zeiten" leben. Und dass die eingeladenen Inszenierungen das widerspiegeln. Nur: Was meinen die Juroren mit "schlimme Zeiten"? Meinen sie den Krieg im Nahen Osten, meinen sie den Krieg in der Ukraine, meinen sie die Menschen, die auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrinken, meinen sie die Gentrifizierung in Berlin-Kreuzberg, das Zeitungssterben? Wie lokal oder global war das eigentlich gemeint?


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In den Kulissen: die Gewalt

von Leopold Lippert

Berlin, 14. Mai 2015. Der Theatertreffen-Themennachmittag zu Theater und Postkolonialismus – "Wer sind wir in einer weißen Welt?" – eröffnete mit einem Screening von Göran Hugo Olssons Dokumentarfilm "Concerning Violence". Eine ambivalente Strategie. Der Film handelt von den Dekolonialisierungskämpfen in mehreren Ländern Afrikas während der 1960er und 1970er Jahre. Einerseits ermöglicht die historische Distanz der Thematik die emotionale Distanzierung der Zuschauer*innen: "Concerning Violence" verwendet grobkörnige und farbstichige Filmaufnahmen, hat mit portugiesischen und britischen (statt mit deutschen) Kolonialherren zu tun, und deren zeitweise Bloßstellung vor der Kamera bringt einige im TT-Camp sogar erleichtert zum Lachen. Andererseits ist die Doku aber auch eine Hommage an den gleichnamigen Text von Frantz Fanon, der diese "violence" durchaus physisch versteht, und für den auf die Gewalt der Kolonialmächte die Gegengewalt der Kolonisierten folgen muss. Erst dann kann, so Fanon, in einer Art dialektischen Auflösung eine neue Menschlichkeit entstehen.


Festivalübersicht Theatertreffen 2015

Eine Spur zu elegant

von Georg Kasch und Sophie Diesselhorst

Berlin, 13. Mai 2015. Nach der Theatertreffen-Premiere von "Die lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz unter der Regie von Dušan David Pařízek hat das mobile Kritiker-Duo wieder im  Skype-Chat Resümee gezogen. Hier die Gesprächschronik:


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"Wir werden uns nicht einig!"

von Georg Kasch und Sophie Diesselhorst

12. Mai 2015. Das Gastspiel von Christopher Rüpings Stuttgarter Adaption des Dogma-Klassikers Das Fest hat unser Mobiles Kritiker-Duo Sophie Diesselhorst und Georg Kasch zu einem Kritiker-Selfie-Video im Dogma-Stil inspiriert. Motto: Gestritten wird nicht nur auf Familienfesten.

 

 

Hier gehts zur Nachtkritik der Stuttgarter Premiere.

Unsere Theatertreffen-Festivalübersicht mit Nachtkritiken und Kritikenrundschauen zu allen Premieren sowie aktuellen Texten unseres mobilen Kritiker-Duos zu den TT-Gastspielen.

 


Festivalübersicht Theatertreffen 2015

Vinge light mit Vorspultaste

von Sophie Diesselhorst und Georg Kasch

Berlin, 10. Mai 2015. Gestern Abend besuchte das Mobile Kritiker-Duo von nachtkritik.de das Theatertreffen-Gastspiel von Karin Henkels John Gabriel Borkman, erfreute sich an 3sat-Preisträgerin Lina Beckmann und musste natürlich zurückdenken an Vinge/Müllers epochalen Borkman im Volksbühnen-Prater. Hier das Gespräch, das Sophie Diesselhorst und Georg Kasch im Anschluss an die Vorstellung im Haus der Berliner Festspiele führten:


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Am Rande des Kraters

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 8. Mai 2015. Als sich nach den ersten zehn Minuten im Saal des Deutschen Theaters eine Grippe-Epidemie zu manifestieren schien, riss meinem Sitz-Nachbarn der Geduldsfaden: "Hat jetzt jeder schon einmal gehustet?", schrie er leise und hob den Publikums-Geräuschpegel damit noch an. Es war bisher auch die Theatertreffen-Premiere, bei der am meisten Zuschauer demonstrativ rausgegangen sind. Immer wieder ruckelte es an der Drehklinke, und der Saal wurde kurz ein bisschen heller.


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Freiheit, Schönheit, Politik

von Eva Biringer

7. Mai 2015. Kein Mensch geht in Flammen auf, aber ein Brief. Das also passiert, wenn das Publikum sich selbst überlassen ist. "Der Staat / The State" erzählt die Geschichte des bulgarischen Aktivisten Plamen Goranov, der sich aus Unmut über seine Regierung im Februar 2013 öffentlich selbst verbrannte.


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Geweint. Glücklich

von Georg Kasch

Berlin, 7. Mai 2015. Im Theater gewesen. Geweint. Passiert selten, sehr selten. Und jetzt sogar beim zweiten Mal in "Common Ground" – nach der Premiere vor gut einem Jahr. Schon damals fand ich den Abend großartig, habe seitdem viele Menschen in die Vorstellungen geschickt, mich wiederholt für ihn eingesetzt. Nur direkt nach der Premiere klang meine Zeitungsrezension verhältnismäßig verhalten.


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Ich bin nicht politisch?

von Sophie Diesselhorst und Georg Kasch

Berlin, 6. Mai 2015. Nach der Theatertreffen-Premiere von "die unverheiratete" ist das Mobile Kritiker Duo brav ins jeweilige Zuhause geradelt und hat sich zum Resümée auf Skype wieder getroffen. Hier die Gesprächschronik:


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Wie heißt das Problem?

Berlin, 4. Mai 2015. Auch die zweite Theatertreffen-Premiere wurde unter das Zeichen des politischen Engagements für die Belange von Refugees gestellt. Das Ensemble unterbrach den Applaus, indem Walter Hess eine Solidaritäts-Adresse verlas und das Publikum darum bat, am Ausgang für das Bündnis My right is your right zu spenden.


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Kriechende Fiesheit

von Georg Kasch

3. Mai 2015. Meinen ersten Fassbinder-Film habe ich mit 15 gesehen. Damals scannte ich als ungeouteter Teenager allwöchentlich die Fernsehzeitung nach potentiellem Identifikationsmaterial. Wenn's was mit schwuler Story gab, trug ich heimlich den kleinen Schwarzweiß-Zweitfernseher auf mein Zimmer, stellte mir den Wecker (Filme mit schwuler Thematik liefen in den 90ern meist nachts) und guckte am nächsten Morgen entsprechend müde aus der Wäsche. Einmal schaute ich so "Faustrecht der Freiheit", in dem ein (bürgerlicher) Mann seinen (proletarischen) Lover bis zum Letzten ausbeutet – ein Schlag in die Magengrube, nach dem ich bestimmt zwei Wochen lang deprimiert war.


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Die Schmonzette ist zu stark karamellisiert

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 4. Mai 2015. "Atlas der abgelegenen Inseln". Das Lokal ist schummrig und verraucht. Der erste Gang ist die Treppe hoch, denn die Gäste sollen sich auf mehrere Stockwerke verteilen. Sobald das geschehen ist, backen alle zusammen als nachträgliches Entrée ein akustisches Blätterteigteilchen, das in den hohen Fluren aufs schönste hallt und echot.


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Narration heute

von Thomas Oberender

Berlin, 3. Mai 2015. Darüber, was ein Theaterstück – und noch mehr, was ein Theaterautor – ist, ist in den vergangenen Jahren auch im Zusammenhang mit den Veränderungen beim Berliner Stückemarkt erbittert gestritten worden. Weshalb ich ein paar grundsätzliche Gedanken anführen möchte, wie es aus meiner Sicht um die Zukunft des Theaterstücks bestellt ist.


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Nur ein Modethema?

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 2. Mai 2015. Gegen Ende der Diskussionsrunde "Wie kann Theater der Wirklichkeit von Asylsuchenden und der Politik begegnen?" waren sich alle einig: Theater kann aus seinen angestammten Räumen hinausgehen und die Wirklichkeit da treffen, wo die meisten sie vermuten: auf der Straße. Theater will außerdem seine Räume öffnen für die künstlerischen Protestbewegungen, die es dort draußen schon gibt. Theatertreffen-Jurorin Barbara Burckhardt beschrieb den Lerneffekt, den das anderthalbstündige Gespräch für sie gehabt hätte: Reingegangen sei sie mit der Überzeugung, am wichtigsten sei das Nach-Draußen-Gehen, raus gehe sie nun mit der Überzeugung, dass das Reinlassen mindestens ebenso wichtig sei.


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Mut zum Zerfall

Berlin, 2. Mai 2015. Es ist doch so: das Berliner Theatertreffen wird notorisch überschätzt. Trotzdem wollen die Leut' ja wissen, was dort vor sich geht. nachtkritik.de hat deshalb ein mobiles Kritiker-Duo (MKD)  gebildet aus Sophie Diesselhorst und Georg Kasch, das über alles Wissenwerte beim und vom Theatertreffen 2015 berichten wird. Was "wissenswert" ist, legt das MKD jeweils nach Anschauung der Dinge fest.

Gestern Abend war das MKD bei der Eröffnung des Theatertreffens, zu der programmatisch Nicolas Stemanns Inszenierung von Elfriede Jelineks Die Schutzbefohlenen gegeben wurde. Hier ihr Bericht:


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Berliner Theatertreffen 2015

vom 1. bis 17. Mai 2015 im Haus der Berliner Festspiele und an anderen Spielorten


Die zehn eingeladenen Inszenierungen

Hier finden Sie die Nachtkritiken und Kritikenrundschauen zu den zehn Inszenierungen, die als die bemerkenswertesten für das Theatertreffen 2015 ausgewählt wurden. Außerdem gibt es aktuell entstehende Beiträge (mit gekennzeichnet):


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