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archiv » Theater Würzburg (3)
Theater Würzburg

Splitter im getakteten Alltag

von Andreas Thamm

Würzburg, 25. Mai 2016. Ein Kind zu haben, ist ein täglicher, asymmetrischer Krieg. Am Morgen muss alles reibungslos ablaufen. Das Anziehen, Jacke, Schuhebinden, zur Bahn gehen, aber nicht rennen. Nichts darf dazwischenkommen. Die Bahn eine Minute nach 6 ist schon zu spät, dann kann die junge Frau unmöglich noch pünktlich zur Arbeit im Krankenhaus erscheinen. Und Tarek ist schuld, mal wieder.


Theater Würzburg

Napoleons Schlafgewohnheiten

von Elisabeth Michelbach

Würzburg, 11. April 2015. Würde man den Menschen das Blut aus den Adern lassen und sie stattdessen mit Wasser füllen, hätte das Blutvergießen ein Ende, gäbe es keinen Krieg mehr – so eine Figur in Malte Kreutzfeldts Inszenierung von Tolstois "Krieg und Frieden" am Würzburger Mainfranken Theater. Das Risiko dieses Plans besteht freilich in der Gefahr der Verwässerung und Blutleere. Und so wünschenswert das Ende aller Kriege ist, sind es doch die Konflikte, die Theaterstoffe prägen, ihnen Dramatik verleihen. Nun ist es nicht so, dass in Kreutzfeldts Inszenierung des Monumentalepos wenig gekämpft, geschossen und gestorben würde – es ist das Warum und Wieso, die Geschichte des Gemetzels und damit sein dramatisches Potential, das in Würzburg trotz Unmengen an Kunstblut blutleer bleibt.


Theater Würzburg

Zu klein zum Weglaufen

von Elisabeth Michelbach

Würzburg, 29. Januar 2015. Drei Puppenkörper empfangen den Zuschauer an diesem Donnerstagabend in den Kammerspielen des Mainfrankentheaters Würzburg. In dem mit Neonröhren brutal ausgeleuchteten Bühnenraum sehen sie aus wie die nackten Schaufensterpuppen, die gerade überall den Winterschlussverkauf bezeugen. Als sie dann aber zu sprechen beginnen, erinnern sie in den hautfarbenen Rollkragenpullovern und Feinstrumpfhosen eher an die androgynen Stoffkörper unbekleideter Spielzeugpuppen.


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