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archiv » E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg (4)
E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg

Die Raubzüge der Pappenheimer

von Andreas Thamm

Bamberg, 9. Oktober 2016. Wenn es im Herbst 2016 um Europa geht, muss man zuerst einmal Großbritannien rausstreichen. Das funktioniert ganz pragmatisch mit Edding auf Pappe. Fünf Schauspieler fuchteln auf engem Raum mit improvisiert wirkenden Requisiten, im Chor verkünden sie, worum es hier heute geht: "Europa verteidigen." So heißt das Stück von Konstantin Küspert, eine Uraufführung. Es ist Küsperts zweite Arbeit für das Bamberger E.T.A. Hoffmann-Theater nach Rechtes Denken vor etwa einem Jahr.


E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg

Im Geistesblitzkrieg

von Andreas Thamm

Bamberg, 18. März 2016. Da liegt er, der Prinz von Homburg, ein romantischer Held auf einem Matratzenlager. Um ihn herum: Lavalampen, Uschi-Obermaier-Poster, eine halbe Tischtennisplatte. Er träumt von Ruhm und seiner Liebe, der Prinzessin Natalie. Der Hofstaat, in voller preußischer Uniform, ist auch da. Die Offiziere erscheinen im Fenster wie die Puppen eines Kasperletheaters. Der Kurfürst lässt dem Prinzen einen Lorbeerkranz aufsetzen, Natalie verliert ihren Handschuh.


E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg

Wo das Laster regiert

von Andreas Thamm

Bamberg, 22. Januar 2016. Noch ist alles ruhig. Eine zum Publikum hin geöffnete Box aus groben Brettern, eine Wand aus eben solchen. Dahinter Bahnen aus giftgrünem Gummi, beschrieben mit kaum lesbarer Handschrift. Medardus (Stefan Hartmann) stürmt durch den Kunststoff auf die ebenerdige Bühne, ein Kapuzinermönch in einer Kutte in Telekom-Magenta. Er würde gerne eine Rede halten, wird unterbrochen von Pater Cyrillus (Alexander Tröger), der ein massives Holzkreuz schultert. Medardus verkriecht sich in die Kiste, flennt den Rosenkranz, vom mächtigen Sound einer Kirchenorgel beschallt. Cyrillus schwenkt das Weihrauchfass.


E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg

Der Mensch ist des Menschen Bierbruder

von Rupprecht Podszun

Bamberg, 18. Oktober 2015. Diese Frau hat Drive: Hochgewachsen, schlanke Statur, rote Haare, so steht Sibylle Broll-Pape inmitten der sich vor dem Studio des E.T.A.-Hoffmann-Theaters drängelnden Zuschauer und redet und diskutiert, und in Sekundenschnelle begreift jeder: Hier passiert etwas. Die oberfränkische 70.000 Einwohner-Stadt Bamberg nahm Abschied von Rainer Lewandowski, der das Theater mit großer Fangemeinde seit 1989 geführt hatte. Doch statt sich nach einer solchen Ära vorsichtig in die Zukunft zu tasten, wurde mit Broll-Pape eine energische Theatermacherin geholt, die zuvor seit 1991 das Bochumer Prinzregenttheater geprägt hatte. Sie mag die kleinen Erdbeben, die Theater auslösen kann.


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