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archiv » Festival d’Avignon (26)
Festival d’Avignon

Es gibt keine Gnade

von Lena Schneider

Avignon, 11. Juli 2016. Die Carrière Boulbon fünfzehn Kilometer südlich von Avignon gehört zu jenen Spielstätten, in denen die Menschen automatisch so aussehen, als seien sie dem, was hier passiert, nicht gewachsen. Eine ungefähr vierzig Meter hohe, steile Felswand bildet die natürliche Kulisse. Darüber nur der Himmel. Um hierher zu kommen, müssen die Zuschauer in Busse verfrachtet werden, die sich einen schmalen Kiesweg entlang an Olivenhainen vorbeidrängen. Egal, was die Spieler auf dieser Bühne tun, die Felswand dominiert das Geschehen. Sie macht den Menschen zum Menschlein, sie sagt zu ihm: Wie sehr du dich auch anstrengst, es gibt Dinge, die größer sind als du.


Festival d’Avignon

Rote Rinnsale auf steinerner Wand

von Elisabeth Maier

Avignon, 6. Juli 2014. Dunkle Wolken ziehen am Himmel über Avignon auf. Und das nicht nur, weil ein Unwetter droht. Seit Tagen wird das Festival bestreikt. Noch vor Beginn der eigentlichen Aufführung betreten die Schauspieler in blauen Militäruniformen und Gewändern wie aus Großmutters Fotoalbum die Bühne. Heute sind sie im Ehrenhof des Papstpalastes nicht allein. Mit den Bühnenarbeitern kämpfen sie gegen die Reform ihrer Arbeitslosenversicherung. "Diese Bewegung ist erst ein Anfang, wir werden weiter wachsam und unruhig sein", sagt Anne Alvaro mit dunkler Stimme. Die Schauspielerin, die später die Kurfürstin spielt, macht deutlich, dass sich Künstler und Bühnenarbeiter solidarisieren. Regisseur Giorgio Barberio Corsetti bringt es auf den Punkt: "Dass wir heute spielen, ist ein politischer und poetischer Akt."


Festival d’Avignon

Suche nach der wahren Kunst

von Elisabeth Maier

Avignon, 5. Juli 2014. Nun ist das Festival d'Avignon doch eröffnet mit einem Tag Verspätung. Am Eröffnungsabend waren Heinrich von Kleists "Prinz von Homburg" inszeniert von Giorgio Barberio Corsetti und Coup Fatal von Serge Kakudji, Fabrizio Cassol und Alain Platel wegen des Streiks der freien Bühnenarbeiter und Künstler abgesagt worden. Stattdessen gab es eine Demonstration. Die befristet beschäftigten Theatermitarbeiter, französisch Intermittents, wehren sich unter anderem gegen die drastische Verschlechterung ihrer Arbeitslosenversicherung. 


Festival d’Avignon

Palast aus der Froschperspektive

von Joseph Hanimann

Avignon, 17. Juli 2013. Im Gegenüber zwischen stummer Zeugenschaft der hohen Steinwand im Papstpalast und den flüchtigen Zuschauer-Erinnerungen aus Avignon lässt sich eine szenische Rezeptionsästhetik des Theaters entwickeln. 66 Jahre Festivalsgeschichte, nicht so, wie sie in den Programmen, Kritiken, Rückblicken und Büchern steht, sondern wie sie spontan, widersprüchlich, zitatscharf oder bildverschwommen in den Publikumsköpfen blüht und vergeht.


Festival d’Avignon

Wimmelnde Alptraumbilder

von Andreas Klaeui

Avignon, 7. Juli 2013. Eine lebende Ziege, ein ledernes Krokodil. Podeste, Sandskulpturen, ein riesiges Lichtrad – es ist ein Bric-à-brac im Felsenamphitheater des alten Steinbruchs von Boulbon, über das Dieudonné Niangouna herrscht, neben Stanislas Nordey der zweite "Artiste associé" im diesjährigen Festival d'Avignon. Der "Artiste associé" ist ein beratender Gastkünstler der beiden Festival-Direktoren Hortense Archambault und Vincent Baudriller; das Konzept wird wohl mit der diesjährigen Ausgabe verschwinden: Baudriller und Archambault hören auf, an ihrer Stelle übernimmt der Autor, Schauspieler und Regisseur Olivier Py die Festivalleitung, also selber ein Künstler.


Festival d’Avignon

Künstlerische Weltrettung

von Andreas Klaeui

Avignon, 6. Juli 2013. Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint. Wenn die Gottfried-Benn'sche Wahrheit einer Illustration bedarf: Dieser Abend ist hervorragend dazu geeignet. In Peter Handkes "Dramatischem Gedicht", einer weitschweifigen, mehr epischen als tatsächlich poetischen Parabel von 1982, geht es um zwei Brüder: einen Schriftsteller-Heimkehrer aus der Fremde (den Regisseur Stanislas Nordey selber spielt) und einen im Dorf ansässig gebliebenen Handwerker (Richard Sammut), zwischen ihnen steht vermittelnd die Schwester mit dem weisen Namen Sophie (Emmanuelle Béart), sie haben ein Elternhaus aufzuteilen.


Festival d’Avignon

altEwige Seelenlandschaft

von Regine Müller

Avignon, 10. Juli 2012. Sidi Larbi Cherkaoui hat es nicht gern, wenn man ihn festlegt auf den Multikulti-Verschmelzungs-Effekt, dem man seiner Arbeit gemeinhin attestiert. Der in Antwerpen lebende Choreograph ist Sohn eines marokkanischen Muslims und einer belgischen Katholikin und definiert Kunst generell als einen Prozess, der gar nicht anders entstehen kann als durch Vermischung und Verdichtung von kultureller und religiöser Vielfalt. Anders gesagt: Multikulti ist für Sidi Larbi Cherkaoui die Bedingung der Möglichkeit von Kunst überhaupt.


Festival d’Avignon

Pathos mit Pirandello

von Andreas Klaeui

Avignon, 9. Juli 2012. Stéphane Braunschweigs Pirandello fängt an wie eine zeitgenössische Theater-Soap: im Probenraum, ein Lesetisch, ein Sofa, eine Bühne. Ein Regisseur mit schlechter Laune, weil man mal wieder nirgendwo hingekommen ist bei der Probe gestern, ein Schauspieler, der wieder mal zu spät kommt, eine Kollegin, die sich "im Begehren eines anderen" fühlen muss, offensichtlich des Regisseurs. Ein Kollege, der immer mal gern gewusst hätte, was eine psychologische "Figur" überhaupt sein soll.


Festival d’Avignon

altMich selber zu sein oder jemand anderes

von Andreas Klaeui

Avignon, 9. Juli 2012. Es ist nicht übertrieben zu sagen: Mit dieser Produktion hat die Theaterarbeit mit Behinderten eine neue Ebene erreicht. Seit 1993 hat sich das Zürcher Theater Hora mit landauf, landab bejubelten Produktionen zu einer ersten Theateradresse für Menschen mit einer geistigen Behinderung gemausert; in der Zusammenarbeit mit Jérôme Bel ist es nochmal einen Schritt weiter gegangen. In "Disabled Theater" gibt es keine Rollen, die Behinderten stehen selber im Zentrum. Eine Darstellerin bringt es auf den Punkt: "In diesem Stück ist meine Aufgabe, mich selber zu sein und nicht jemand anderes."


Festival d’Avignon

Das Risiko des Schreibens

von Andreas Klaeui

Avignon, 8. Juli 2012. Auf einer berühmten Fotografie umringen sie ihren Verleger Jérôme Lindon, auf dem Trottoir vor den Editions de Minuit, die Autoren des "Nouveau Roman". Ein Herbsttag 1959, eine Straße in Saint Germain-des-Prés, etwas ungeschickt sind sie gruppiert, sichtlich unwohl, außer Nathalie Sarraute schaut keiner in die Linse. Robert Pinget blickt zu Boden und zündet sich eine Zigarette an, Samuel Beckett beobachtet ihn mit den Händen in den Hosentaschen. Vor fünfzig Jahren, nach der Zäsur des Zweiten Weltkriegs und mitten im französischen Algerienkrieg, brachen sie mit den klassichen Erzähltraditionen à la Balzac und stellten die Frage: Was macht einen "Roman" überhaupt aus, was heißt Schreiben?


Festival d’Avignon

altÜberraschende Leichenzuckungen

von Andreas Klaeui

Avignon, 11. Juli 2011. An Jan Karski scheiden sich die Geister. Nein: nicht an Jan Karski, an "Jan Karski". Dabei kann an der guten Absicht kein Zweifel bestehen. Wer Jan Karski, 1914 geboren, 2000 in den USA gestorben, aus Claude Lanzmanns Film "Shoah" kennt, wird ihn nicht mehr vergessen. Er tritt da als Zeitzeuge auf: Als junger polnischer Katholik schloß er sich der polnischen Résistance an. Karski war sein Deckname, er musste ihn bis ans Lebensende behalten, weil er so in die USA eingereist war. Ab 1942 wurde er zum Botschafter dessen, was niemand wissen wollte: der systematischen Ermordung der Juden. Widerstandskämpfer führten ihn durch das Ghetto von Warschau, schleusten ihn in das Vernichtungslager von Izbica Lubelska, er sollte der freien Welt berichten, was hier geschah.


Festival d’Avignon

Wenn statt Erfüllung nur der Strich übrig bleibt

von Ulrich Fischer

Avignon, 9. Juli 2010. Mit "Gardenia" ist Alain Platel erneut eine Sternstunde des Theaters geglückt. Der belgische Choreograph knüpft zusammen mit Frank Van Laecke und Les Ballets C de la B an eine wahre Geschichte an: die Schließung eines Travestietheaters in Barcelona. Die Handlung setzt ein, als der Chef der Schmuddelbühne sich bei seinem Publikum für langjährige Treue bedankt und ankündigt, das Theater werde schließen, heute Abend sähen sie/wir Zuschauer die letzte Vorstellung.


Festival d’Avignon

So hat Gott es nicht gemeint

von Ulrich Fischer

Avignon, 7. Juli 2010. Christoph Marthaler hat seine Fähigkeit, das Publikum zu polarisieren, in Avignon aufs Neue bewiesen. Zur Eröffnung des Festivals präsentierte er die Uraufführung seines neuen Stücks "Papperlapapp" - und es mischten sich nicht nur erbitterte Buhs in den Schlussbeifall, sondern schon nach gut der Hälfte der Aufführung stimmte ein Teil des Publikums mit den Füßen ab. Bis zum Schluss sollte das Bächlein der Unzufriedenen, die mehr oder minder diskret während der Vorstellung den Ehrenhof des Papstpalastes verließen, nicht abreißen.


Festival d’Avignon

La Bonne Dame im Puppenhaus

von Andreas Klaeui

Avignon, 9. Juli 2009. Mit Wajdi Mouawad hat das Festival d'Avignon zum ersten Mal einen außereuropäischen Artiste associé, also einen künstlerischen Gastkurator, der dem Programm eine persönliche Struktur gibt. Mouawad ist gebürtiger Libanese, im Bürgerkrieg nach Paris exiliert, jetzt Theaterleiter in Québec. Im Festival zeigt er seinen Menschheitsgesang Le Sang des promesses als Reise durch die Nacht, es gibt einen Nahost-Schwerpunkt (mit unter anderen Amos Gitai), internationale Habitués wie Christoph Marthaler, aber auch einen Québec-Schwerpunkt.


Festival d’Avignon

Eine kanado-orientalische Nacht

von Andreas Klaeui

Avignon 8. Juli 2009. Nach elfeinhalb Stunden, morgens um halb acht, gab's eine Standing Ovation. Und wir wollen nicht unterstellen, bloss weil es endlich vorüber war oder weil das Festivalpublikum sich freute, mit ein wenig Bewegung den Frost aus den Gliedern zu schütteln. Sondern um seinen "Artiste associé" zu feiern, Wajdi Mouawad, und dessen kanadische Compagnie, ihre voltenreichen Texte, ihren Theaterwitz, ihre Erzählphantasie.


Festival d’Avignon

Steinbruch der Weltmachtansprüche

von Andreas Klaeui

Avignon, 7. Juli 2009. Es sind schon diese Momente, weshalb man immer wieder gern nach Avignon fährt. Wenn die Aufführung und ihr Ort sich zu einem Ganzen überlagern, das mehr ist als die einzelnen Teile. Im alten Steinbruch von Boulbon hat Amos Gitai das Festival eröffnet mit einem Schlachtenbericht mit dem etwas umständlichen Namen: "La Guerre des fils de lumière contre les fils des ténèbres". "Der Krieg der Söhne des Lichts gegen die Söhne der Finsternis", das mag an einschlägige Achsen des Guten und des Bösen erinnern, geht aber zurück auf Flavius Josephus und dessen "Geschichte des Jüdischen Krieges". Masada ist sein Symbol. Es geht darin um die Eroberung Jerusalems und das brutale Ende des jüdischen Aufstands 70 n. Chr.

 


Festival d’Avignon

Ich zittere, also bin ich

von Dorothea Marcus

Avignon, 20. Juli 2008. Alles glitzert im Kabarett der Monströsitäten von Joël Pommerat. Ein grotesk geschminkter Animateur führt mit sonorer Stimme durch seinen neuen Abend, der "Je tremble" also "Ich zittere" heißt. Teil eins hatte bereits im Mai 2007 in Chambéry Premiere. Nun fügte der Autor und Regisseur Joël Pommerat ihm noch einen gespannt erwarteten zweiten Teil hinzu. Zusammen ergeben die beiden Teile rund drei Stunden – ein alptraumhafter Reigen, den man im plüschigen Opéra-Théâtre allerdings ohne jede Beinfreiheit erdulden muss.


Festival d’Avignon

Wie merkt man, dass das Leben scheitert?

von Dorothea Marcus

Avignon, 19. Juli 2008. In Avignon wird kaum etwas so gespannt erwartet wie die Premiere des nächsten "artiste associé", jenes Künstlers, der das größte Theaterfestival der Welt im kommenden Jahr mit kuratieren wird. Im Jahr 2009 wird es, das steht seit einigen Tagen fest, der Regisseur, Schauspieler und Autor Wajdi Mouawad sein, der mit seinem Solo "Seuls" nach Avignon gekommen ist und seit einiger Zeit in Frankreich gefeiert wird.


Festival d’Avignon

Der Wunderkammer entsprungen 

von Dorothea Marcus

Avignon, 19. Juli 2008. Um neun Uhr morgens in Avignon ins Theater zu gehen, hat etwas Bizarres. Langsam kriecht die Sonne über die gotischen Mauern, der Himmel ist azurblau, einige Feiernasen stolpern noch durch die Straßen. Man selbst geht dagegen in eine dunkle, heruntergekommene Schule, in der Zikaden vom Band zirpen und setzt sich vor ein Bühnenbild voller Stellwände mit Jalousien, das sich weit nach hinten öffnet und schiefe Lampen, Tische, Stühle ineinandergeschachtelt hat. "Ricercar" heißt das Stück, das Wort bezeichnet einen barocken, kontrapunktischen Musikstil, der - im Gegensatz zur Fuge - unterschiedliche Melodien ohne thematischen Zusammenhang vereint.

 


Festival d’Avignon

Wo der Hammer hängt (im Kinderzimmer) 

von Andreas Klaeui

Avignon, 11. Juli 2008. Das Purgatorium ist der endliche Teil in Dantes Jenseitsvorstellungen, weniger Fegefeuer als eine Bergbesteigung: Sieben Stufen hat der Läuterungsberg, so viele, wie es Todsünden gibt, jede einzelne muss durchgebüßt werden bis zum irdischen Paradies auf dem Gipfel, der Vorstufe zum himmlischen. Eine Episode – und diesen Aspekt streicht Romeo Castellucci im zweiten Teil seiner Dante-Arbeit heraus. In seinem "Purgatorio" geht es ums ohnmächtige Warten, das Ausgeliefertsein, den Kampf gegen proteische Monster, einen Zustand wie in der Verpuppung oder im Traum.


Festival d’Avignon

Fegefeuer auf der Schiffspassage

von Andreas Klaeui

Avignon, 8. Juli 2008. Auch "Partage de midi" ist ja eine Höllenfahrt, wenn man das Inferno als Brennpunkt dieser Ausgabe des Festivals von Avignon verstehen will, und wie Dantes Divina Commedia beginnt sie "nel mezzo del camin di nostra vita". Valérie Dréville ist mit Romeo Castellucci Artiste associée des diesjährigen Festivals, und während sich Castellucci in der Cour d'honneur des Papstpalastes Dantes "Inferno" annähert, spielt Dréville im Steinbruch von Boulbon Paul Claudels "Mittagswende".


Festival d’Avignon

Des Postinspektors poetische Dämonen

von Andreas Klaeui

Avignon, 7. Juli 2008. Manchmal ist das Festival von Avignon auch ein Ort der Entdeckungen. Es ist ja, im Unterschied zum Berliner Theatertreffen, nicht nur eine Bestenschau, dies zwar auch, aber eben immer auch ein Festival der Kreation. Der Deutsche August Stramm ist jetzt so eine Trouvaille: In Deutschland kaum, in Frankreich überhaupt nicht bekannt, kann man nun drei seiner kurzen Stücke in einer Ad-hoc-Trilogie sehen. Diese dauert knapp zwei Stunden und führt vom Naturalismus über den Symbolismus in expressionistische Abgründe.


Festival d’Avignon

Freeclimbing in Richtung Hölle

von Andreas Klaeui

Avignon, 5. Juli 2008. Erkundungen des Dunkels. Viel mehr ist aus Romeo Castelluccis Annäherung an Dantes "Inferno" im Theaterfestival von Avignon nicht geworden, aber auch nicht weniger. Castellucci ist in diesem Jahr - gemeinsam mit der Schauspielerin Valérie Dréville - Artiste associé des Festivals. Zur Eröffnung inszenierte er im Ehrenhof des Papstpalasts den ersten Teil von Dantes "Divina Commedia", "Purgatorio" und "Paradiso" folgen dieser Tage an andern Spielstätten, im Ausstellungspark von Châteaublanc und in der kleinen, mystischen Eglise des Célestins.


Festival d’Avignon

Theaterplanet Avignon

von Dorothea Marcus

Avignon, 13. Juli 2007. Auf dem Vorhof des Papstpalastes hängt einsam eine kleine, rote Petroleumlampe. Es ist eine ewige "Flamme des Widerstands", die rund um die Uhr, insgesamt 507 Stunden lang, von zwei Freiwilligen bewacht wird, damit "eine alternative, sensible, subversive und humanistische Kultur" überlebe – jeder kann sich einschreiben.


Festival d’Avignon

Feldpost der letzten Kämpfer

von Dorothea Marcus

Avignon, 9. Juli 2007. Der Kommunismus in Europa ist nicht nur tot, sondern wird auch noch totgeschwiegen – still und leise hat sich 1990 die PCI Italiens, ehemals die größte kommunistische Partei West-Europas, umbenannt und vom Kommunismus distanziert, in den meisten europäischen Ländern ist sie nur noch eine politische Splittergruppe. Nur in Frankreich lebt die kommunistische Bewegung fort, wenn auch zunehmend bedroht.


Festival d’Avignon

Bankrottbereite Lebensdistanz

von Dorothea Marcus

Avignon, 8. Juli 2007. Während es in Deutschland seit einigen Jahren eine Renaissance des katholischen Dichters Paul Claudel gibt, war er in Frankreich nie von den Bühnen verschwunden: Die Regisseurin, Schauspielerin und Leiterin des Pariser Théâtre de l'Aquarium Julie Brochen hat für das 61. Festival von Avignon "Der Tausch" inszeniert, das frühe und in Deutschland kaum gespielte Stück eines hitzigen 25-jährigen, der als junger Diplomat 1893 nach New York kommt.


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