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archiv » Theaterspektakel Zürich (4)
Theaterspektakel Zürich

Mutmaßungen über Neda

von Kaa Linder

Zürich, 19. August 2015. Etwas ist geschehen. In einem Studentinnenwohnheim in Teheran hat sich in der Nacht zum Jahreswechsel ein Mann aufgehalten. Für iranische Verhältnisse ist das ein Skandal. Allerdings gibt es für diesen unsittlichen, untragbaren und inakzeptablen Aufenthalt keine Zeugen, beziehungsweise keine offizielle Zeugin. Bloß ein Bericht an die Heimvorsteherin liegt vor. Der ist nicht unterzeichnet, versteht sich. Ihm ist zu entnehmen, dass jemand an besagtem Abend aus Nedas Zimmer Stimmen dringen gehört hat, auch eine Männerstimme. Es sei gelacht worden, wenn auch leise. Gesehen hat diesen jungen Mann niemand.


Theaterspektakel Zürich

Blut, Boden, Bonobos

von Claude Bühler

Zürich, 13. August 2015. Unwohlsein allerorten. Wer sich am Zürcher Theaterspektakel vom Spartentitel "Short Pieces" zum Gedanken an leichte Kulturhäppchen verleiten lässt, sieht sich in den acht internationalen, meist halbstündigen Tanz-, Performance- und Theaterstücken mit gewichtigen und nahrhaften Themen wie Krieg, Unterdrückung oder hohen Suizidraten konfrontiert. Dass hierbei leicht der thematische Anspruchsbogen etwas angespannt wirken kann, zeigte sich bei den drei Aufführungen, die nachtkritik.de besucht hat. Drei Künstlerinnen – aus der Ukraine, aus Burkina Faso und Kanada – stellten je auf höchst unterschiedliche Weise Identitätskrisen und Kämpfe mit der persönlichen und sexuellen Integrität vor.


Theaterspektakel Zürich

Wir sind so alt wie der Krieg

von Valeria Heintges

Zürich, 10. August 2015. Sie sind zwei von einer Million Tamilen, die nicht in Sri Lanka leben. Sie sind zwei von zwei Millionen 20- bis 40-Jährigen, die in der Schweiz leben. Sie sind zwei von rund 200 Menschen im Theaterbau Süd auf der Landiwiese in Zürich. Sie sind Gayathri Sritharan und Patrick B. Yogarajan, sie spielen sich selbst in "The Camouflage Project", einer dokumentarischen Theaterperformance der Basler Truppe Firma für Zwischenbereiche. Sie stehen als zwei von 50.000 Tamilen in der Schweiz auf der Bühne, sagen: "Wir sind so alt wie der Krieg" – und zeigen doch gleichzeitig, auf welch unterschiedlichen Standpunkten sie sich befinden.


Theaterspektakel Zürich

Lachtraining unter Plastikpalmen

von Felizitas Ammann 

Zürich, 28. August 2007. Jours Tranquilles, ruhige Tage, so nennt sich die Compagnie in bewusster Verdrehung der Tatsachen, denn seit bald zehn Jahren macht sie – je nach Deutungsart – mit kraftvollen bis geschmacklosen Abenden von sich reden. "Den Körper des Zuschauers genauso ansprechen wie seinen Kopf", das wollen die Lausanner und greifen dafür auch zu gewalttätigen Themen und viel Theaterblut. Schonungslose Identifikation ist ihr Ziel, bis sich der Zuschauer den eigenen Begierden und Leidenschaften gegenüber sieht. Oder wie Regisseur Fabrice Gorgerat es in seinen "notes d'intentions" formuliert, bis zum "Augenblick, in dem Bestie und Philosoph im Menschen ihre Kräfte messen". Das klingt nach Ideen aus den Sechzigern und Ästhetik aus den Achtzigern – tatsächlich aber vertritt die "Cie. Jours Tranquilles" eine junge Schweizer Theatergeneration.


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