zurück zur Übersicht

archiv » Neues Theater Halle (27)
Neues Theater Halle

Der Imam ist S-Klasse, Alter!

von Matthias Schmidt

Halle, 29.05.2016. Das war so nicht zu erwarten: dass es ein über weite Strecken recht heiterer Abend werden würde. Wenn ein Stück "Djihad Paradise" heißt, liegt eigentlich – darf man so sagen? – mehr Sprengstoff in der Luft. Und eine Portion Angst vor zu viel Pädagogik. Aber es ist gut so. Vielleicht ist das sogar der einzige Weg, diese Geschichte – basierend auf dem erfolgreichen Jugendbuch von Anna Kuschnarowa – über zwei deutsche Jugendliche, die zu Gotteskriegern werden, auf der Bühne zu erzählen: Als Adoleszenz-Geschichte mit ernsten wie komischen Momenten, als weitgehend undidaktisches Roadmovie, Wolfgang Herrndorfs "Tschick" durchaus verwandt.


Neues Theater Halle

Warum einfach, wenn’s auch schwierig geht

von Matthias Schmidt

Halle, 12. März 2016. Zwischen der Garderobe und dem Getränkeverkauf stehen Oswald Spengler und Gottfried Benn. Unter ihnen ein Schild: "wir dürfen nicht mitspielen". Sie sind zirka 50 Zentimer groß und eigentlich Teil der Personage von Florian Illies' Bestseller "1913. Der Sommer des Jahrhunderts". Am Puppentheater Halle bilden sie die Vorhut zu einer sehr unterhaltsamen Geschichtslektion in Miniaturformat. Unterhaltsam zuallererst, weil die Puppen schlicht bezaubernd aussehen, selbst Spengler und Benn, realistisch und zugleich ihre Vorbilder sanft karikierend. Thomas Mann ist ein ziemlich eitler Literatursnob, Franz Kafka ein ziemlich verklemmter Liebesdepp, Arnold Schönberg ein leicht paranoider Hasenfuß, Oskar Kokoschka ein komisches Triebtier.


Neues Theater Halle

Raskolnikows Scheibenwelt

von Tobias Prüwer

Halle, 27. Februar 2016. "Es ist ganz schön spät geworden. Zeit, mich zu stellen, auch wenn ich immer noch nicht weiß, warum." Nach dreieinhalb Stunden, Pause inklusive, gesteht Doppelmörder Raskolnikow endlich seine Untat gegenüber den Behörden. Als langes Stück Literaturtheater hat Matthias Brenner "Schuld und Sühne" am Neuen Theater Halle inszeniert. Er verpackt Fjodor Dostojewskis Stoff in einen extrem konzentrierten, die Zuschauerkonzentration extrem fordernden Sprechtheaterabend.


Neues Theater Halle

Eine Art Klassentreffen

von Hartmut Krug

Halle, 3. Januar 2016. Drei wollten zur See fahren, eigentlich, eine wollte singen, etliche hatten technische Berufe gelernt, vom Zerspanungsfacharbeiter bis zum Flugzeugmechaniker mit der Spezialisierung Außenhaut, einer war Melker mit Abitur, ein anderer Journalist mit Hochschulabschluss. Nur eine wollte von Anfang an Schauspielerin werden. Aber zu all diesen Berufen und Ausbildungen gehört das "eigentlich", schließlich trafen sie sich alle im Sommer 1979 an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch im gemeinsamen Studienjahr, und heute, 36 Jahre später, sind sie Schauspieler. Beim Fernsehen oder am Theater, frei oder in festem Engagement.


Neues Theater Halle

Es war einmal in der DDR

von Tobias Prüwer

Halle, 13. November 2015. "Was machen wir, wenn die Lage da draußen eskaliert?" Ratlos blickt Oberstleutnant Schäfer über den Schlagbaum ins Publikum, das in diesem Moment selbst Teil jener Menge ist, die an der "Bornholmer Straße" am Abend des 9. November 1989 den Grenzübertritt nach West-Berlin verlangt. Nach dem gleichnamigen Film von Christian Schwochow ist der Wendezeit-Stoff als Bühnenadaption im Neuen Theater Halle zu sehen. Regisseur Jörg Steinberg hält sich eisern ans Drehbuch.


Neues Theater Halle

Arsen mit spitzen Tönen

von Tobias Prüwer

Halle, 30. Oktober 2015. Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Diese Binsenweisheit wird von der faktischen Macht des Anekdotischen immer mal wieder bestätigt. Sicherlich wollten die Eltern von Ruth und Ani nur deren Bestes, als sie das Geschwisterpaar einer harten durchökonomisierten Erziehung unterzogen. Und mit noch größerer Sicherheit will Nora Abdel-Maksoud mit "Mad Madams" für eine bessere Gegenwart streiten und dem Publikum nichts Geringeres als die Augen öffnen. Ihr selbstverfasstes Stück bringt sie in am Neuen Theater Halle in eigener Regie zur Uraufführung. Weil sich, will man Marx folgen, Geschichte in zweierlei Form wiederholt, tritt hier das politische Theater nicht als Tragödie, sondern Farce in Erscheinung.


Neues Theater Halle

Frau Plattenbau und ihre Industriegebietskinder

von Tobias Prüwer

Halle, 29. Mai 2015. Willkommen in der zur Open-Air-Bühne umfunktionierten Gasometerruine in Halle-Neustadt! Das in der DDR angelegte gigantische Plattenbauviertel war einst Vorzeigemodell für neues Wohnen nach sozialistischem Menschenbild. Nach der Wende halbierte sich die Bevölkerung auf rund 40.000. Wer konnte, zog weg, der Anteil der Transferbezieher ist hoch. Halle-Neustadt ist das, was man ein Problemviertel nennt.


Neues Theater Halle

Der Pfau auf dem Laufsteg

von Michael Laages

Halle, 11. April 2015Den letzten Blick auf den fatalen Weg des Freundes von einst wirft hier der Autor selbst: überlebensgroß Klaus Mann, als Foto kurz vor dem Freitod 1949 auf die Leinwand im Theater projiziert und mit der knarzenden Mikrophonstimme des amerikanischen Soldaten von damals. Als Heimkehrer in amerikanischer Uniform hat er "seinen" Gustaf noch einmal auf der Bühne gesehen, zehn Jahre zuvor war dieser Gründgens und dessen Karriere das Sujet für Manns "Mephisto"-Roman.


Neues Theater Halle

Politik in Badelatschen

von Tobias Prüwer

Halle, 14. Februar 2015. Gen Ende kommt die Feuerwehr. Drei Herren, behelmt und in voller Montur, laufen den Technikrang ab, um sich zu überzeugen, dass es im Neuen Theater Halle wirklich nicht brennt. Minuten zuvor hatte die Farce ihren stärksten Moment: Der ausgemachte "Volksfeind" rief zur Vollversammlung. Das Publikum höchstselbst sollte darüber abstimmen, ob man lieber über Coli-Bakterien in der Wasserversorgung diskutieren oder die Systemfrage stellen möchte; bevor die Kulisse – intendiert – von Explosionen heimgesucht wird.


Neues Theater Halle

Gute Menschen, schlechte Menschen

von Ute Grundmann

Halle/Saale, 29. Januar 2015. Keine brüllenden Wutbürger, sondern scharf artikulierende Schauspieler. Keine Straße mit Demonstrationszügen und ausländerfeindlichen Plakaten, sondern ein ödes, bürgerliches Wohnzimmer. Obwohl in Philipp Löhles Stück die Parallelen zu den derzeitigen "Pegida"-Kampagnen und Demonstrationen auf der Hand liegen, hat Ronny Jakubaschk "Wir sind keine Barbaren!" genau ohne diese Parallelen inszeniert: als rasante Spirale von Vorurteilen zwar, aber ohne das allzu Offensichtliche zu zeigen. Und das bekommt der 90 Minuten kurzen Aufführung gut.


Neues Theater Halle

Blutspenden für blutleere Figuren

von Ute Grundmann

Halle, 15. November 2014. Ein Gerichtsverfahren läuft rückwärts. Aussagen, schon gemacht, werden widerrufen. Zeugen, die nichts gesehen haben und den Angeklagten nicht wiedererkennen, finden sich plötzlich in dessen Fesseln wieder. Und über allem schweben zwei riesige, graue Findlinge, die vom Gerichtsdiener wie das Pendel einer Uhr aufgezogen werden. Alles kann wahr sein oder alles ein Traum in Jo Fabians Inszenierung "Der Spiegel im Spiegel" nach Michael Endes gleichnamigem Erzählungsband.


Neues Theater Halle

Die Fallhöhe des Schafotts

von Matthias Schmidt

Halle, 27. Juni 2014. Nach rund anderthalb Stunden wäre es eigentlich vorbei. Die Revolutionäre haben sich entzweit, zerfleischt und aufs Schafott geschafft. Dantons Frau hat sich umgebracht und Camilles Gattin mit einem kecken "Es lebe der König" ihre Verhaftung provoziert. Auch eine Art Selbstmord. Aber in Halle ist es hier noch nicht vorbei. In Halle kommt noch was: auf leeren Fässern wird ein ekstatischer Rhythmus getrommelt und chorisch das Vermächtnis der Französischen Revolution in die Nacht gerufen. Von allen bis auf Robespierre, der auf einem Balkon und also über den Dingen steht. Sinngemäß sagen sie, wir haben alles für euch vorbereitet – die Freiheit erkämpfen müsst ihr selbst. Eine Botschaft. Wir? Für einen Moment glaubt man, die Schauspieler seien eben tatsächlich aus ihren Rollen getreten.


Neues Theater Halle

Nicht Würfel nicht Scheibe

von Matthias Schmidt

Halle, 24. Mai 2013. Das Beste an der immerhin fast dreistündigen Inszenierung war der Schluß, die letzten Minuten. In diesen dröhnt die wuchtige Erkennungsmelodie der HBO-Serie "Game of Thrones" aus den Boxen, während Michelangelos riesige David-Statue aus der Unterbühne heraufgefahren wird. Der sterbende Galileo sitzt daneben: klein, grau, gescheitert. Eine Prozession von Mönchen umkreist ihn wie die Planeten die Sonne. Was für ein Bild, was für eine Metapher! Der pathetisch-bombastische Soundtrack trägt die ganze Ambivalenz der Situation in sich – die Finsternis der Inquisition gegen die strahlende Renaissance. Und mittendrin steht, ach, ein schwacher Mensch.


Neues Theater Halle

Oh Thalia, da Du hangestalt

von Matthias Schmidt

Halle, 6. Juli 2012. Der Himmel über Halle blieb wie durch ein Wunder trocken – die Unwetterwarnung des Wetterdienstes endete eine halbe Stunde vor der Premiere des "Till Eulenspiegel". "Till, Meiner, ein Handwerk sollst du lernen", sagt die Mutter zu dem Jungen, der auf dem Dach des neuen theaters Halle herumturnt wie ein Kind mit ADHS. Doch Till denkt nicht daran, zieht lieber in die Welt hinaus, um den Menschen Streiche zu spielen. Wir sind in Halle. Es ist Sommertheater.


Neues Theater Halle

altRed-Bellying contra Black-Facing

von Matthias Schmidt

Halle, 18. Mai 2012. Auf der Facebook-Seite des neuen theaters Halle ging es in den letzten Tagen heiß her. Teilweise wütend wurde diskutiert, ob sich bereits aus dem Untertitel der Inszenierung, "Venedigs Neger", ein Rassismusvorwurf ableiten lasse. Das Team um Regisseur Wolfgang Engel erlebte hier – und das schon Tage bevor jemand die Inszenierung gesehen hatte – was in diesen Tagen inflationär als shitstorm bezeichnet wird (ein Scheiß-Wort, ganz nebenbei gesagt). Intendant Matthias Brenner versuchte moderierend einzugreifen, so heftig ging es zur Sache, und Schauspieler Martin Reik, der den Othello spielt, verteidigte sich und die Freiheit der Kunst mit energischen Worten. Und nun, nach der Premiere? Kann man mit Shakespeare sagen: viel Lärm um Nichts.


Neues Theater Halle
alt

Wenn Affen zu sehr lieben

von Ute Grundmann

Halle/Saale, 12. November 2011. King Kong und die weiße Frau tanzen engumschlungen, die Köpfe zusammen in das zottelige Fell gesteckt. Doch als der schwarze Affe vorsichtig, probeweise das Untier hervorkehrt, pfeift die weiße Frau ihn zurück und, als das nichts hilft, bricht sie ihm knirschend das Genick. Die "Ordnung" zwischen Tier und Mensch scheint wiederhergestellt, doch sie ist eine verkehrte: Denn der Affe ist eine Frau und die Frau ein Mann. Aber was ist eigentlich "männlich", was "weiblich", was "dürfen" Männer, was Frauen nicht dürfen und warum eigentlich nicht?


Neues Theater Halle
alt

Lebende Weberschiffchen über schwindelndem Abgrund

von Matthias Schmidt

Halle, 16. September 2011. Das Fatale an Gerhart Hauptmanns "Webern" ist ja, dass wir ihre Armut nicht mehr nachvollziehen können. Unser Kapitalismus hat sich seitdem erheblich geputzt, seine Weber leben in der Dritten Welt. Wir sehen sie nur gelegentlich im Fernsehen. Ein naturalistischer (Rück-)Blick auf Figuren wie die schlesischen Weber würde folkloristisch anmuten. Oder unfreiwillig komisch, gerade wegen der im Dialekt geschriebenen Texte. Zudem war ihre Lage so eindeutig, vor dem Aufstand und auch, als sie niedergemetzelt beziehungsweise ins Zuchthaus gesteckt wurden, dass es kaum noch lohnt, darin herum zu psychologisieren.


Neues Theater Halle
alt

Im Abspeck-Zirkus

Von Ralph Gambihler

Halle, 7. Mai  2011. Der Noch-Intendant hat seinen Schreibtisch noch nicht geräumt, da betritt der Neue schon die Bühne – freilich in freundlichem Einvernehmen. Christoph Werner, der vor sechs Jahren das schwierige Erbe Peter Sodanns angetreten hatte und nie so richtig in Fahrt kam, lud seinen designierten Nachfolger Matthias Brenner ein, schon mal die letzte Saalpremiere der Saison zu inszenieren. Der nahm an und dachte zuerst an Molière, entschied sich dann aber für die Komödie "Zscherben - ein Dorf nimmt ab!", ein Stück aus der Feder seines künftigen Studio- und Spielleiters Jörg Steinberg, das nun zur Uraufführung kam, gewissermaßen als Prolog für die im Sommer beginnende Intendanz des 53-jährige Schauspielers und Regisseurs.


Neues Theater Halle

Der Stoff, aus dem geplatzte Träume sind

von Matthias Schmidt

Halle, 13. November 2010. Mit Shakespeares letztem Drama "Der Sturm" verabschiedet sich der Intendant des "neuen theaters halle", Christoph Werner, als Regisseur von seinem Haus. Zum Spielzeitende wird er dahin zurückgehen, wo er vor fünf Jahren herkam – ans Puppentheater Halle. Als Blütezeit des neuen theaters wird man Werners Intendanz wohl leider nicht erinnern: Anfangs hemmte ihn der Streit mit dem von der Stadt hinausgeworfenen Gründer Peter Sodann (der das Haus bis heute nicht betritt), dann akzeptierte er Stellenstreichungen und musste schließlich den Verlust der Eigenständigkeit der Kulturinsel Halle hinnehmen, deren Mitte das "neue theater" war. Und zu befürchten ist, dass auch mit der eingeleiteten Schließung des Thalia Theaters das eigene Profil des "neuen theaters" innerhalb der Mehrsparten-GmbH weiter geschwächt wird.


Neues Theater Halle

Eine Reise zu sich selbst

von Joachim Lange

Halle, 27. November 2009. Es ist eine aktuelle Theatermode, aus Romanen oder Filmen Bühnenstücke zu machen. Auch in Halle. Gerade so, als gäbe es keine Autoren und Bühnenstoffe mehr. Was im Falle von Stücken, die die deutsch-deutsche Geschichte als Familiengeschichte erzählen und auch die zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer einbeziehen, sogar zutreffen mag.


Neues Theater Halle

Das gespenstische Eigenleben der Komik

von Wolfgang Behrens

Halle/Saale, 14. Februar 2009. Emanuel Striese ist in Halle weiß Gott kein Unbekannter. "Strieses Biertunnel", die Kneipe neben dem Neuen Theater, ist nach ihm benannt, und ein paar Schritte weiter findet man sogar ein Striese-Denkmal. Denn der Gründer und langjährige Leiter dieses Theaters Peter Sodann – manchem besser bekannt als ehemaliger Tatort-Kommissar Ehrlicher und Bundespräsident in spe – hatte ein Faible für den so unverwüstlichen wie unsterblichen Schmierentheaterdirektor aus Franz und Paul von Schönthans Schwank "Der Raub der Sabinerinnen". Ja, man könnte meinen, Sodann habe sich Striese zur Leitfigur erwählt, um sich nach dessen Bilde selbst zu inszenieren.


Neues Theater Halle

Mit Frisch ins Lebens-Butterbrot beißen

von Ute Grundmann

Halle, 22. November 2008. Kürmann will die Wohnung, in der er mit Antoinette unglücklich war, am liebsten nie bezogen haben. Kein Problem: Aus einer Bodenklappe werden weiße Laken geholt, die Sofa und Tisch verdecken, aber nicht verschwinden lassen. Als Antoinette zum x-ten Mal aus der Kulisse gerufen wird, um eine Szene aus Kürmanns Leben zu wiederholen, hat sie gerade in ein Butterbrot gebissen und die hochhackigen Pumps gegen rotweiße Turnschuhe ausgetauscht. Das sieht zum eleganten "Kleinen Schwarzen" ziemlich merkwürdig aus, soll aber wohl signalisieren: Sie war schon in der wohlverdienten Pause, während Kürmann immer noch mit seinem Leben ringt.


Neues Theater Halle

Fäuste ballen und zur Decke schauen

von Johanna Lemke

Halle, 8. Oktober 2008. Die Fechtszene am Ende hat es dann doch rausgerissen in diesem "Hamlet" am Neuen Theater Halle: Es entsteht eine Konzentation in der Inszenierung von Christoph Werner, die man vorher vergeblich suchte. Dabei strebt hier vieles in die Höhe: Hamlets Bühne, das ist eine graue Pyramide aus Pappe, auf deren Spitze ein ebenfalls aus Pappe geschnittenes Denkmal von Hamlet Senior wankt.


Neues Theater Halle

Ewige Mechanik der Orgasmuserzwingung

von Ralph Gambihler

Halle, 27. September 2008. Wie viel feuilletonistischer Gehirnschmalz troff über diesem Roman? Über seine unerhört unverblümte und beim Publikum unerhört erfolgreiche Heldin Helen Memel? Es wird nicht wenig gewesen sein, genug jedenfalls, um das Feuilleton erneut zu versammeln, da nun die 18-jährige Protagonistin aus den Seiten des Buches herausgestiegen und erstmals ins Rampenlicht getreten ist.


Neues Theater Halle

Kinder!, ist das lustig

von Wolfgang Behrens

Halle, 22. Februar 2008. Der Kleinste kann sein Glück kaum fassen. Clemens Apel, der sechsjährige Darsteller des Ultimo – des zwölften und jüngsten Kindes von Professor Traugott Hermann Nägler – ballt im rauschenden Schlussapplaus die Faust wie weiland Boris Becker und bestätigt so sich und allen anderen den Triumph. Einen Triumph, den einige Stunden zuvor wohl die wenigsten erwartet hätten.


Neues Theater Halle

Essig und Böller

von Matthias Schmidt

Halle, 29. Dezember 2007. Los geht es mit einem Knalleffekt: eine Hinterbühnentür wird eingetreten und sieben junge Leute stürmen die "Werft", die kleine Bühne des "neuen theaters". Oh ja, sie stürmen, und sie werden es den ganzen Abend tun. Sie werden eine Pistole auf das Publikum richten, sie werden Bomben bauen und zünden, sie werden wild sein und – natürlich – sie werden kämpfen. Gegeneinander, gegen die sie umgebende Konsumgesellschaft und manchmal auch ohne Sinn und Ziel.


Neues Theater Halle

Die spinnen, die Römer

von Hartmut Krug

10. Oktober 2007. Kleists "Hermannsschlacht" ist ein Zeitstück, das den politischen Widerstand gegen Napoleon, den Besetzer Preußens, als nationale Befreiungstat auf die Bühne brachte. Weshalb das 1808 entstandene Stück mit gewissem Sicherheitsabstand erst 1821 gedruckt und 1839 uraufgeführt werden konnte.


zurück zur Übersicht