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archiv » Stadttheater Gießen (6)
Stadttheater Gießen

Hier sind wir sicher?

von Alexander Jürgs

Gießen, 14. November 2015. Natürlich sind es die Anschläge von Paris, die heute, am Tag danach, alles bestimmen. Sie zielten auch – insbesondere das Blutbad im Bataclan beim Konzert der Eagles of Death Metal – auf das Herz der westlichen Kultur, auf die Freiheit der Kunst. Am Theater Magdeburg hat man wegen der Angriffe die Premiere der Operette "Pariser Leben" verschoben – eine gute Entscheidung.


Stadttheater Gießen

Die Realität schlägt zurück

von Marcus Hladek

Gießen, 3. Mai 2014. Vor Beginn steht "LNASGAM LAGNASM HBEEN WIR AB" auf den Vorhang in der Bühnenmitte. Neuronesisch – paradoxerweise lesen wir den Satz trotz massiver Fehlschreibungen spontan richtig. Eine ähnliche Spielerei leisten sich Regisseur Dirk Schulz und Ausstatter Bernhard Niechotz in ihrer Philipp Löhle-Inszenierung, indem sie den Bühnenboden mit einem verzerrten Liniennetz überziehen. Das spielt, na klar, auf Einsteins Raumzeit an. Die Figur Tom (Milan Pešl) stolpert folgerichtig mehrmals über das Gravitationszentrum, bevor er schließlich darin verschwindet.


Stadttheater Gießen

Tosender Einsatz aller Mittel

von Marcus Hladek

Gießen, 8. Juni 2013. Eben noch kippte die enge Realitätsanbindung vom Beginn in kirchenkritischen Revolutionskitsch, da wird das Szenen-Karussell ein wohlig-radikales Viertelstündchen lang angehalten: Regisseur Thomas Goritzki tritt auf die Bühne und fegt den Zeichenbetrieb beiseite, um uns frontal-appellativ Varianten Büchnerscher Realitätseingriffe heute auszumalen. Dann macht er sich mit blutend revolutionärem Herzen, Realitäts-Pathos und Gewaltaufruf nach dem Evangelium des "Hessischen Landboten" vor uns nackig: Büchner oder (mit Heiner Müllers "Quartett" zu sprechen) Das Verhängnis zwischen seinen Beinen.


Stadttheater Gießen

In der Eifersuchtsspirale

von Grete Götze

Gießen, 1. September 2012. Othellos Fremdheit zeigt sich in Karoline Behrens' Eröffnungs-Inszenierung am Stadttheater Gießen sofort an seinen Turnschuhen. Der Maure in venezianischen Diensten wird der einzige bleiben, der an diesem Abend Turnschuhe trägt. Es sind Vans, schwarze Skater-Turnschuhe mit weißem Wellen-Markenzeichen.


Stadttheater Gießen
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Titel, Thesen, Temperamente

von Marcus Hladek

Gießen, 26. Februar 2011. So herum geht's also auch: Mitten im Feenland der Wahrheit durch Täuschung, auf der Bühne also, hat einer einen realen Doktor und macht kein Aufhebens davon. Gemeint ist der Schauspieler Dr. phil. Roman Kurtz, der in Anne Rabes neuem Stück "Ohne Netz" nun den Peter spielt, einen der beiden Männer im Figurenquartett alter Studienfreunde. Silvia allerdings, seine trinkende Bühnen-Ehefrau (Lena Sabine Berg), hat damals die Dissertation für Karla (Kyra Lippler) geschrieben. Falsche Titel, wo man hinblickt? Schon möglich. Nur macht das die Autorin allenfalls zur Prophetin, nicht zur Abschreiberin. "Ohne Netz" befand sich längst fix und fertig in den Endproben, als die Causa Guttenberg losbrach.


Stadttheater Gießen

Ungeschminkter Schrecken

von Rüdiger Oberschür

Gießen, 3. November 2007. Bürgerkrieg und Exil auf der Bühne erfahrbar machen. Das ist das Ziel, das Wajdi Mouawad mit seinem mittlerweile viel gespielten Stück "Verbrennungen" verfolgt. Mit einer Testamentseröffnung beginnt der frankokanadische Autor eine Odyssee aus Politkrimi und Familientragödie, in der sich die Abgründe der Gewalt öffnen. Die Zwillinge Jeanne und Simon folgen dem letzten Willen der Mutter Nawal Marwan, begeben sich auf die Suche nach dem totgeglaubten Vater - und damit auf die Erkundungsreise zu den ungeheuren Wurzeln der eigenen Familie im Libanon.


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