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euro-scene Leipzig

Rausch in Blech

von Tobias Prüwer

Leipzig, 7. November 2015. Der letzte Ton der Jupiter-Hymne ist gerade verklungen, da bricht der Beifallssturm bereits los. Ein komplett beglückter Saal beschert im Schauspiel Leipzig mit Standing Ovations eine Zuschauerreaktion, die so gewaltig ist wie das zuvor Gesehene. "En avant, marche!" ("Vorwärts, marsch!"): Getanzt wird zunächst gar nicht bei dieser Alain Platel-Produktion, später ein wenig. Dass ihn Genregrenzen nicht jucken, hat der belgische Choreograf und Regisseur auch als Dauergast auf der Leipziger Euro-Scene schon oft bewiesen. Zusammen mit Regisseur Frank Van Laecke präsentiert er in diesem Jahr eine grandiose Gesamtkomposition aus Sprech-, Musik- und Tanztheater. Heimlicher Hauptdarsteller der berührenden Inszenierung ist die Blechblaskapelle.


euro-scene Leipzig

Denn sie wissen nicht, wer sie sind

von Ralph Gambihler

Leipzig, 7. November 2009. Gut möglich, dass man den Anfang nur halb verstünde, würde die Inszenierung in deutscher Sprache gegeben. Auf der Bühne sitzen die versammelten "Hamlet"-Darsteller in der Maske, hinter den Kulissen ist wieder mal vor den Kulissen. Wahrscheinlich werden sie sich gleich die Tragödie abschminken, irgendwann ist eben auch bei Shakespeare Schluss. Andererseits sieht es genau danach nicht aus. Schulter an Schulter sitzen sie also vor uns und noch mehr vor sich, mit dem Rücken zum Publikum, die Blicke viel zu lange in die eigenen Spiegelbilder versenkt. Ratlosigkeit allenthalben, Verlorenheit, Verzweiflung.


euro-scene Leipzig

Erzwungene Gemeinsamkeit

von Ute Grundmann

Leipzig, 6. November 2009. Eine kleine, enge Box aus Stahlrohren, darin vier Metallstühle. Als kargen Käfig hat Aljona Igruscha das Abteil einer U-Bahn auf die Bühne gebaut, in dem zwei junge Männer auf die Weiterfahrt des Zuges warten. Doch tief unter der Erde der weißrussischen Hauptstadt Minsk tut sich nichts. Der Zug bewegt sich nicht und so kommen die beiden Männer widerwillig ins Gespräch.


euro-scene Leipzig

Hier tanzt die Zivilisationsgeschichte mit

von Ralph Gambihler

Leipzig, 7. November 2007. Unter den Theaterfestivals, die Europa als kulturellen Kontext und künstlerische Landkarte für sich reklamieren, gehört die euro-scene Leipzig gewiss zu den Vorreitern. Die Anfänge liegen mittlerweile siebzehn Jahre zurück. Damals, gleich nach dem Untergang der DDR, ging es mit Neugier über Länder- und Genregrenzen hinweg. Aber das Beste daran war, so die langjährige Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff rückblickend, dass das Festival überhaupt stattfand.


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