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archiv » Theater Bielefeld (27)
Theater Bielefeld

Die Veranlagung zum Sterben

von Stefan Keim

Bielefeld, 14. Januar 2017. Lange kannten nur Eingeweihte die 1943 in Auschwitz ermordete Malerin Charlotte Salomon. Das hat sich seit 2014 geändert. Da veröffentlichte David Foenkinos seinen Roman "Charlotte", bei den Salzburger Festspielen wurde Marc-André Dalbavies Oper von Luc Bondy uraufgeführt, 2015 folgten ein Ballett von Bridget Breiner im Musiktheater Gelsenkirchen, außerdem einige Ausstellungen. Das kurze Leben Charlotte Salomons – sie starb mit 26 Jahren – ist ein außergewöhnlich berührendes Künstlerinnenschicksal, das über die eigene Biographie hinaus weist. Weil es darum geht, in der Kunst Rettung zu finden.


Theater Bielefeld

Griff in die Lostrommel

von Kai Bremer

Bielefeld, 5. November 2016. Wenn einer wie Alan Ayckbourn eine neue Komödie raushaut, findet sich selbstredend eine Bühne, die sie spielt. Immerhin ist der Engländer inzwischen seit Jahrzehnten einer der ganz Großen im Unterhaltungstheater. Dass er sein Handwerk wie kaum ein anderer beherrscht, muss er längst nicht mehr beweisen. Gleichwohl hat er sich für sein Stück "Rondo" aus dem Jahr 2014 einen netten Gag nicht zuletzt für die Schauspieler seines Stücks überlegt. Es besteht aus fünf Szenen, die zwar durch einzelne Figuren, nicht aber durch eine übergreifende Handlung miteinander verbunden sind. Als besondere Pointe hat Ayckbourn die Reihenfolge der Szenen nicht festgelegt, sondern wünscht sie sich von Aufführung zu Aufführung variiert.


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Der Lappen muss weitergehen, das Leben muss hoch!

von Stefan Keim

Bielefeld, 17. März 2016. Serien sind das narrative Leitmedium, die neuen Romane, komplexer und anspruchsvoller als Filme. Längst schaut man sie nicht mehr im Fernsehen zu festgelegten Sendezeiten, sondern nach eigenem Belieben in Mediatheken, auf DVD und BluRay. Streamingdienste produzieren längst eigene Reihen, die exklusiv bei ihnen laufen. Wie die Philip-K.-Dick-Verfilmung "The Man in the High Castle" von Amazon Prime. Kaum eine Horrorserie ist so vielschichtig, toll besetzt und von intertextuellen Verweisen durchsetzt wie "Penny Dreadful", die in Deutschland nur auf Netflix zu sehen ist.


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Spiel mir das Lied vom Trost

von Sascha Westphal

Bielefeld, 21. November 2015. Die Bühne hat etwas von einem Triptychon. Ein verdichtetes Abbild der gesamten Welt in drei Räumen. Links ein Hotelzimmer, in dem die Zeit allem Anschein nach irgendwann in den 1980ern stehengeblieben ist, rechts eine kleine Küche, und dazwischen liegt die Vorderfront eines klassischen Western-Saloons, die zunächst noch hinter einem weißen Fadenvorhang verborgen ist.


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Bissiges Jungvolk

von Karin E. Yesilada

Bielefeld, 30. August 2015. Wie steht es um die Mittelschicht in Obamas Amerika, gibt es eine neue Generation "Hope"? Scheint nicht so zu sein, lautet die Botschaft des zeitgenössischen US-amerikanischen Dramas. Steven Fechter jedenfalls nennt Amerikas Zukunft in seinem neuesten, in Bielefeld in deutscher Fassung uraufgeführten Stück sardonisch "Schlangenbrut" – Serpent's Tooth im Original. Und die hat ziemlichen Biss, wie sich im Laufe des Abends herausstellt.


Theater Bielefeld

Per Anhalter durch die Herzensgalaxien

von Jan Fischer

Bielefeld, 28. Mai 2015. Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2015. Dies sind die Abenteuer einer namenlosen Raumsonde, die mit fünf Menschen Besatzung unterwegs ist, um die Dunkle Materie Liebe zu erforschen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt das Raumschiff in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Eigentlich wollten sie nur Pizza essen. Aber irgendetwas geht mit der Mikrowellenstrahlung schief, und da ist sie, die Wolke aus Dunkler Materie namens Liebe, sie fühlt sich an "wie ein schöner Hefeteig". Furchtlos stürzt sich die Schiffsbesatzung hinein.


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Unser Migrantenlümmel

von Wolfgang Ueding

Bielefeld, 6. Februar 2015. Die alte Geschichte ist, nein, eben nicht schnell erzählt. Dariusch Yazdkhasti reduziert und verknappt zwar mächtig: Er verteilt Shakespeares personalintensives Stück auf achteinhalb Sprechrollen und lässt als Bühnenbild nur einen Leinwand-Vorhang vor- und zurückfahren. Für die Schimpfwörter aber nimmt er sich erst einmal viel Zeit. Ein zotteliger Jago teufelt da auf den titelgebenden Kanaken ein, auf das Ölauge, den Kaffer, den Migrantenlümmel. Rodrigo, der gerade von Jago ausgenommen wurde, tumbt herrenrassistisch in dasselbe Horn, und Brabantio rastet von den Rängen aus vollends aus, als ihm das offensichtlich widerliche venezianische Volk hinterträgt, der Maure habe seine Tochter angefasst, ja schlimmer noch, geheiratet. Da hätte es nicht unbedingt auch noch ein "Vegida"-Schild gebraucht, um die Absicht kenntlich zu machen.


Theater Bielefeld

Offene Türen

von Wolfgang Ueding

Bielefeld, 6. September 2014. "Bitte eintreten", sagt eine freundliche Stimme in Endlosschleife. Ein noch freundlicherer Herr erfragt die Vornamen der Theaterbesucher, verkündigt sie sodann zeremonienmeisterlich im Saal und ordnet jedem eine Nummer zu. Mal 5, mal 7839, was zu einigem Getuschel im Publikum führt. Es wird auch später noch häufig glucksen und prusten. Schließlich ist David Gieselmann in Bielefeld als Komödienautor bekannt und beliebt, seit Christian Schlüter, Regisseur damals wie heute, 2011 hier sein Stück Falscher Hase zum Publikums- und Kritiker-Erfolg machte.


Theater Bielefeld

Die Perücke rutscht!

von Kai Bremer

Bielefeld, 31. August 2014. Nachdem Eva König im Juli 1772 die Premiere von "Emilia Galotti" in Wien besucht hatte, schrieb sie ihrem zukünftigen Ehemann Gotthold Ephraim Lessing, sie habe in ihrem Leben noch in keiner Tragödie so viel Lachen gehört. Seit dieser Zeit kämpfen Regisseure immer wieder damit, eine angemessene Balance zwischen der Komik und Tragik des Stücks zu finden.


Theater Bielefeld

Willkommen in der Pathologie!

von Kai Bremer

Bielefeld, 25. Januar 2014. Damit keine Zweifel aufkommen, wo wir sind, werden im Vorraum an jeden Zuschauer ein Mundschutz, ein Einweg-Kittel und Überschuhe verteilt: Willkommen in der Pathologie! Als jedoch einer der Zuschauer einen Überschuh für eine Haube hält, kommen für Sekunden Zweifel auf: Pathologie oder doch Schlumpfhausen?


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Letztes Leben in einer zerstörten Welt

von Heike Sommerkamp

Bielefeld, 15. November 2013. Zwölf Menschen bevölkern in einem fiktiven Deutschland, das gleichzeitig fremd und unbehaglich wohlbekannt erscheint, die kleinbürgerlich-ärmliche Hinterhof-Alltagshölle einer unansehnlichen Mietskaserne. Gut zwei pausenlose Stunden lang wird an diesem Ort, der einem düstergrauen Comic-Strip entlehnt zu sein scheint, rund um einen Sandkasten gestichelt, gestritten und geschrien, gerafft und getötet. Dann ist, einer Atombombe sei Dank, die Menschheit ausgelöscht, und die Welt hat Ruhe.


Theater Bielefeld

Ein Herz für die Alltagstraurigkeit

von Kai Bremer

Bielefeld, 22. September 2013. Gesellschaftskritik im Theater ist, wenn eine adrette Frau in einer Kabine hockt, um die Übersetzerin einer Brandrede von Hugo Chávez zu geben, und wenn dessen Kritik am westlichen Kapitalismus und der imperialistischen Ressourcenverschwendung immer wieder die Probleme und Problemchen der anderen Figuren überblendet.


Theater Bielefeld

Warum bin ich nicht wie du?

von Kai Bremer

Bielefeld, 19. April 2013. Der Baum aus türkisen Dachlatten, der seine Äste wie ein Dach über Teile der kleinen Bühne wirft, ist eine klare Ansage: Keine Nachmache! Wer in die kleine Studiobühne unter dem Dach des Theaters am Markt in Bielefeld gekommen ist, um schlicht eine Live-Version von Maren Ades 2009 mit dem Großen Preis der Jury auf der Berlinale dekorierten Film Alle anderen zu sehen, ist hier falsch. Jenseits des Baums, der einen Olivenbaum andeuten mag, und ein paar Weinkisten um ihn herum erinnert in Bielefeld nichts an Sardinien, das im Film die idyllische wie zerklüftete Kulisse bildet und so Allegorie der Geschichte einer scheiternden Liebe sein mag.


Theater Bielefeld

Game over

von Kai Bremer

Bielefeld, 5. September 2012. Laura Naumanns Theatertexte haben bereits wiederholt für Aufsehen gesorgt, auf dem Stückemarkt des Theatertreffens etwa. Auch ist sie als Mitglied des Theaterkollektivs machina eX, das u.a. die Grenzen zwischen vermeintlicher Realität und Virtualität auslotet, keine Unbekannte. Und weil in ihren Texten nicht bloß ein Plot dramatisiert, sondern der Regie viel Spielraum angeboten wird, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Theater "Demut vor deinen Taten Baby" zur Uraufführung bringen würde. Gestern war es in Bielefeld so weit, weitere Theater folgen erfreulicherweise bald.


Theater Bielefeld

altDer Archivar der Erinnerungen

von Kai Bremer

Bielefeld, 11. März 2012. "Walter – Eine Geschichte für sich". Dieser Titel des neuen Stückes von Tom Peuckert birgt ein Versprechen: Nach der vielfältigen Auseinandersetzung mit dem Erinnern vor knapp einem Jahr in Gedächtnisambulanz lässt Peukert nun also die Beschäftigung mit einem Großmeister des literarischen Erinnerns folgen, mit Walter Kempowski. Eine reizvolle Weiterentwicklung des Themas, zumal der anspielungsreiche Titel auch eine breite Perspektive auf den Künstler andeutet: In dem Roman "Ein Kapitel für sich" hatte Kempowski von seiner Haftgeschichte in Bautzen erzählt. Gibt es in Bielefeld jetzt also mehr als dieses Nachkriegskapitel, eben "Walters" ganze Geschichte?


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alt

Vergesst Warhols Factory!

von Kai Bremer

Bielefeld, 4. Juni 2011. Nicht wenige Zuschauer, die die Wendeltreppe zur engen Spielstätte unter dem Dach des Theaters am Alten Markt hochsteigen, tun das gewiss voller Erwartung. Tom Peuckert ist kein Unbekannter am Bielefelder Theater. Seine Stücke finden hier regelmäßig den Weg in den Spielplan. Die meisten der an diesem Abend beteiligten Künstler haben Erfahrung mit Peuckerts Texten. Zugleich lässt der Titel seines Stücks, "Gedächtnisambulanz", vermuten, dass der Autor sich mit einem lokalen Thema, der Bielefelder Gedächtnisambulanz, auseinandersetzt, die seit einem Jahrzehnt erfolgreich im Bereich der Neuroanatomie tätig ist und Gedächtnisstörungen diagnostiziert und therapiert. Diese Vermutung liegt auch deswegen nahe, weil sich Peuckert schon einmal, 2005, dem hiesigen Geistesleben mit "Luhmann" gestellt hat.


Theater Bielefeld

alt

Im Orbit der Realitäten

von Kai Bremer

Bielefeld, 5. Februar 2011. Wenn "Falscher Hase" angekündigt wird, ist klar, was kommt: Hackbraten, halb und halb, geeignet, um viele Gäste satt zu machen. Keine Überraschungen. Ähnlich verhält es sich mit Elisabeth Reimers Wohnzimmer, das auch keine Fragen aufwirft. Das beige-gestreifte Sofa in der Mitte führt wie der biedere Servierwagen sowie das Wandschränkchen – vermutlich Eiche-Rustikal – vor Augen: In diesem Wohnzimmer ist die Zeit stehen geblieben. Überraschend ist, wenn überhaupt, nur das Fenster an der Rückwand, das den Blick frei gibt in einen Raum, der offenbar leer ist, abgesehen von der Deckenlampe.


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Der Sozialist zu Gast auf dem Klapphocker

von Heiko Ostendorf

Bielefeld, 12. November 2010. Dieser Abend ist Pop total. Das liegt nicht nur an PeterLichts Neubearbeitung von Molières Text. Auch Regisseur Dariusch Yazdkhasti folgt dem zum Theaterautor mutierten Musiker im Bielefelder TAMzwei ohne Mühe in die Welt des bunten, lauten Amüsierens und zeigt die von PeterLicht aktualisierte Version von "Der Geizige" als größtenteils schrill-komische Begegnung zweier Gesellschaftsformen: Sozialismus und Kapitalismus treffen aufeinander, streiten sich, bewerfen sich gegenseitig mit Plastikwasserflaschen und haben sich im Happyend ganz doll lieb.


Theater Bielefeld

Am Abgrund der Resterampe

von Ulrich Schmidt

Bielefeld, 17. September 2010. Ach, die Geschäfte, sie laufen nicht mehr: An seinem 60. Geburtstag will der Teppichhändler Hartmut Wildermann sein Unternehmen an den Ziehsohn Sven übergeben. Doch der lehnt ab, denn er weiß, dass die fetten Jahre längst vorbei sind. Nach der Wende in den Westen gekommen, hatte er mit seinen Russischkenntnissen lukrative Verhandlungen in den einstigen Sowjetstaaten ermöglicht. Wildermanns Ziehsohn wurde Sven aber auch, weil Wildermanns Ehe kinderlos blieb und seine Frau Maria den Jungen zum Liebhaber machte. Nun aber ist Sven in Nadine verliebt, die wiederum – Parallelität der Verhältnisse – ihrerseits vergeblich versucht, ein Kind zu bekommen.


Theater Bielefeld

Wenn der Finanzhai zwei Mal klingelt

von Sarah Heppekausen

Bielefeld, 25. April 2010. Tagsüber arbeitet Michael Yates Crowley an der Börse, verdient sein Geld in einer Finanzfirma am Times Square. Abends und am Wochenende schreibt er Theaterstücke oder spielt selbst auf den Bühnen des Off-Off-Broadway. Und irgendwie ist er der Mann der Stunde für das Bielefelder Festival "Voices of Change", das an den vergangenen vier Tagen neue amerikanische Dramatik in Werkstattinszenierungen und Lesungen vorstellte.


Theater Bielefeld

Täter sind Menschen

von Ulrich Schmidt

Bielefeld, 26. März 2010. Walter hat zwölf Jahre Knast wegen Unzucht mit Minderjährigen hinter sich. Jetzt in Freiheit ist er unsicher. Er ist unsicher, weil er sich wieder an die Freiheit gewöhnen muss, unsicher, weil er nicht weiß, wie er mit den Menschen umgehen soll. Also passt ihm sein ungemütliches Zimmer in der Vorstadt, wo ihn keiner kennt, sehr gut als Rückzugsmöglichkeit.


Theater Bielefeld

Die Suppe wird ausgelöffelt!

von Michael Laages

Bielefeld, 7. März 2009. Heinrich Himmler fehlt. Heiner Müller auch. Deutschem Charakter allerdings ist auch der junge Regisseur Robert Borgmann auf der Spur – aber der Absolvent der Berliner Schauspiel- und Regie-Schule "Ernst Busch", erprobt und bewährt nach ersten eigenen Projekten u.a. an der Schaubühne und dem Deutschem Theater in Berlin, legt diese deutschen Spuren in Bielefeld ganz anders aus.


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Mut zur Parole

von Christian Rakow

Bielefeld, 9. Januar 2009. Ertüchtigungsprosa, schwarz auf weiß im Flugblatt mit nach Hause getragen: "Vor allem aber: eignet euch wieder das Maximum an Produktivkraft an! Nehmt euch alles zurück! Ladet euer Gehirn wie ein Gewehr und befreit eure Phantasie, erfindet neue Welten!"


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Rudis Reste-Rampe

von Michael Laages

Bielefeld, 22. November 2008. Nein, es muss jetzt niemandem wirklich peinlich sein, wenn er oder sie bis dato noch nicht wusste, was das ist und wie das geht: "Speed Dating". Nur soviel: Es handelt sich offenbar um die zeitgenössische Variante des guten alten Eheanbahnungs-Instituts "Treueschwur" von Frau Irene und Boris von Klödenhoff-Wallstein oder so. Die Sache geht flott und vor allem im Internet – im virtuellen Chat-Room sind die Kombattanten gehalten, sich einander gegenseitig reihum vorzustellen; mit Vorlieben und Abneigungen, Risiken und Nebenwirkungen, und das Ganze möglichst flott und kompakt, wenn's geht in fünf Minuten. Auch früher musste die Anzeige immer schon kurz sein. Und billig. Später kommt der Praxistest – und Fisch hat dann Fahrrad gefunden. Oder eben nicht.


Theater Bielefeld

Intime Starschnittphantasien

von Christian Rakow

Bielefeld, 17. Oktober 2008. Bielefeld goes Amerika goes Off-Broadway. Neue Stücke aus der freien Theaterszene New Yorks sind an diesem Wochenende beim Festival "Voices from Underground Zero" im Theater am Alten Markt zu erleben, vornehmlich in szenischen Lesungen und Werkstattschauen. Der Rahmen ist eher klein und familiär. Neben Schauspieldramaturgin Christine Richter-Nilsson zeichnet der Kurator des New Yorker "Undergroundzero Festivals", Independent Theatermacher Paul Bargetto für die Auswahl verantwortlich.


Theater Bielefeld

Buntes Begehren im Batikhemd

von Christian Rakow

Bielefeld, 5. Januar 2008. Wenn unsere Jungdramatik ihre eigene Generation im Theater präsentieren will, dann führt sie gern Leute mit ultimativen Macken vor: Ob in Rebekka Kricheldorfs "Ballade vom Nadelbaumkiller" ein Junior zum Flamingo sammelnden Dandy mutiert oder ob Philipp Löhle in "Genannt Gospodin" einen Lama-Besitzer in den Windmühlenkampf gegen die kapitalistische Geldwirtschaft schickt. Gern werden eigentümlichste Spleens bemüht, um einer Zeit, die – so die stets mitschwingende Behauptung – im Grunde kein Anliegen, keine ethischen Einstellungen und damit gewissermaßen auch kein Drama kennt, dennoch etwas Bühnenfähiges hinzustellen.


Theater Bielefeld

Mann oh Mann

von Christian Rakow

Bielefeld, 9. November 2007. Man möchte diesem neuen Stück von Tom Peuckert eine Stadttheaterkarriere prognostizieren. Schließlich versammelt es alles, was derzeit auf den Bühnen zwischen Wilhelmshaven und Landshut für Quote sorgt. Zunächst einmal ein griffiges und aus den Medien wohl bekanntes Thema: Der moderne Mann und sein Selbstdefinitionsproblem. Oder in der Sprache des Stückes: "Was du tust, es ist ein Scheitern. / Nie wird Mannsein dich erheitern."


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