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archiv » Nordwind Festival Berlin (6)
Nordwind Festival Berlin

Wir Königskinder

von Eva Biringer

Berlin, 1. Dezember 2015. Darf man einen Asylsuchenden im Ping Pong niedermachen? So richtig, mit Schadenfreude und Fäuste-Recken? Oder muss man ihn netterweise gewinnen lassen? Das Performerduo Cecilie Ullerup Schmidt und Andreas Liebmann verhandelt die Flüchtlingskrise als ungewöhnliche Versuchsanordnung.


Nordwind Festival Berlin

Tod eines autoritären Antifaschisten

von Hartmut Krug

Berlin, 26. November 2015. Während sich die rund fünfzig Zuschauer vor dem Eingang der kleinen Spielstätte im 3. Stock der Berliner Volksbühne drängeln, dröhnt Punkmusik und zwei Fernseher zeigen Bilder aus russischer Gegenwart. Auf dem einen laufen in Endlosschleife heftige Bilder einer Demonstration, mit Sprechchören, Plakaten, Verwundeten, auf dem anderen wird klassisches, elegantes Ballett gezeigt. Zwei Wirklichkeiten einer Gesellschaft, der das Berliner Nordwind-Festival – das bislang eher nach Skandinavien und in die baltischen Staaten blickte – in diesem Jahr einen eigenen Schwerpunkt widmet. Einer Gesellschaft, deren Kaputtheit das Dokumentarstück "Antikörper" zu erklären versucht.


Nordwind Festival Berlin

Keine Sorgen, kein Likör

von André Mumot

Berlin, 14. August 2014. Wenn man ein "Stefan" ist, hält man sich zurück in der Gruppe. Man schlägt wahrscheinlich die Beine übereinander und lehnt sich vor. Wenn man ein "Stefan" ist, hört man gut zu, man ist Beobachter, man wagt sich nicht gern mit Vorschlägen vor. Man stützt das Kinn auf die Faust, und wenn um einen herum dummes Zeug geredet wird, verkrampft man sich ganz furchtbar, wird aber vermutlich nicht sagen: "So jetzt reicht's aber auch mal, Schluss mit dem Quatsch." Und statt zu fürchten, dass die Kollegen die Arbeit nicht schätzen, die man macht, fürchtet man, dass sie die Augen verdrehen, wenn man den Raum verlässt, und einen einfach nur blöd finden.


Nordwind Festival Berlin
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Herr Shakespeare und der Avantgarde-Apparat

von Georg Kasch

Berlin, 29. November 2011. Diese Welt ist ein Narrenhaus: Sechs Personen suchen Shakespeare und finden sich selbst – wenn überhaupt. Sie springen gegen Wände, reißen sich gegenseitig zu Boden, essen Nudelsalat, nuscheln mit vollen Mündern in die Kamera, zerdeppern Geschirr (IKEA natürlich). Einer rutscht auf seinem Mantel auf einer Schräge hinunter und schlägt auf die Wände der drei weißen Raumelemente ein (ein Podest mit zwei Ebenen, eine Rampe, eine Kammer), eine andere verfällt in klassische Ballettbewegungen, im Mund eines Dritten werden die Shakespeare-Verse früher oder später zum Musical-Song. Pittoresk zieht eine blutrote Flüssigkeit lange, zähe Nasen auf weißem Grund, schwarzer Dreck quillt aus einer Kloschüssel, in die alle ihre Hände stecken. Schließlich wird die krümelige Masse auf allen weißen Flächen verteilt.


Nordwind Festival Berlin

Wer ist William Brink?

von Dirk Pilz

Berlin, 17. November 2007. Sie nennen mich William Brink. "Schön, dass Sie hier sind, William." Hier, das ist das "Dorine Chaikin Institute". Der erste Eindruck: eine schäbig wirkende Krankenstation, die geschlossene Abteilung einer Irrenanstalt. Ein Dutzend Betten, Tische, Schränke, allerlei Gerätschaften. Eine Krankenschwester kommt, es gibt Kaffee und Kekse. "Sie müssen keine Angst haben."


Nordwind Festival Berlin

Fucking free

von Dirk Pilz

Berlin, 14. November 2007. "Und, bist du glücklich?" Anne Tismer schaut einem Zuschauer streng in die Augen. "Ja?" Keine Reaktion. Tismer schickt eine Wutwelle durch ihre Glieder, schreitet gehetzt den knarrenden Bühnenboden ab, steift sich den Hals. "Ihr seid nicht unschuldig!" Worte, die wie Geschütze ins Publikum knallen. "Ihr habt diesen Krieg angefangen. Ihr!"


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