zurück zur Übersicht

archiv » Mainfranken Theater (6)
Mainfranken Theater

Das "Hmff" der Schläge

von Marcus Hladek

Würzburg, 5. Juli 2014. Man müsse ins Theater gehen wie zu einem Sportfest, propagierte Bert Brecht und ließ die "Kleinbürgerhochzeit" und "Mahagonny" in Boxkulisse uraufführen. Die Beziehung Boxer – Künstler zieht sich durchs 20. Jahrhundert: von Brecht zu Hemingway, von Picasso und Fritz Kortner, der an den Männern im Ring Gestik und Mimik erprobte, zu Grüber und Arroyo ("Bantam"). Das Potenzial des Kampfes Mann gegen Mann oder des Seins-Taumels namens Knockout für Allegorien der Lebensverdichtung aus Sieg und Niederlage ist unendlich.


Mainfranken Theater

Gefangen in der Stille

von Elisabeth Maier

Würzburg, 20. Juni 2013. Eingesperrt in ihr trauriges Leben, klammern sich drei Wachmänner an Erinnerungen fest. In glaskalten Pförtnerlogen reden die Mittvierziger von einer Zeit, in der ihnen das Leben noch offen stand. Sarah Trilschs dokumentarisches Stück "Ich und die Weltmeere. Weil die Tür vom U-Boot klemmte" fußt auf Interviews mit Mitarbeitern eines Leipziger Sicherheitsdiensts. Dabei reizen die 1986 in Dresden geborene Autorin, die das Leben in der ehemaligen DDR nur aus Erzählungen und aus Geschichtsbüchern kennt, die Biografien der Männer, deren Leben sich mit der Wiedervereinigung radikal geändert hat.


Mainfranken Theater

altZumutungen eines eingeschlafenen Gottes

von Barbara Bogen

Würzburg, 17. März 2012. Selten hat man so eine Sprache auf dem Theater erlebt, so ein Staccato, brüchig, heftig, hastig wie ein Massaker oder Schnellfeuergewehre, jede Silbe wie der köpfende Schlag einer Machete, eine Sprache, so aggressiv, so verstümmelt und gewaltig, weil sie einer Ohnmacht entspringt, einer Leere, die nicht fertig wird mit den unverschämten Zumutungen eines Gottes, der längst, wie es im Stück heißt, "vor den Menschen eingeschlafen" ist, weil man nicht zu Rande kommt mit den ungeheuerlichen Bedingungen des Seins, die Seuchen wie Aids im Programm haben, Steinigungen und Kids, die auf Knopfdruck zu blindwütigen Tötungsmaschinen mutieren auf einem Kontinent, der zufällig Afrika heißt, Verhältnisse, die aber auch in Europa oder anderswo vorstellbar wäre, vorstellbar immerhin.


Mainfranken Theater
alt

Phantasien erregen und dafür gehasst werden

von Alice Natter

Würzburg, 11. Juni 2011. Sie spielen ganz in schwarz-weiß. Weiß gekleidet die Schauspieler, schwarz beanzugt die Musiker und Sänger. Weiß die Stühle, weiß der Bühnenraum, weiß die paar wenigen Requisiten. Ein Setting in schwarz-weiß – ob sie auch schwarz-weiß spielen?


Mainfranken Theater

Die Kunst der richtigen Aussprache

von Bernd Noack

Würzburg, 26. September 2009. In Würzburg hat das Volk schon in der vergangenen Nacht entschieden. Ganz demokratisch und am Ende eines quälenden fünfstündigen Kampfes, bei dem es um die Wahl zwischen Hass und Versöhnung, Rache und Vergebung, Gewalt und Befriedung, Erinnern und Vergessen, kurz: um Leben und Tod ging. Kuschelig wie in der Realität vor dem heutigen Bundesurnengang war das naturgemäß keineswegs: die Kontrahenten schenkten sich nichts. Sie logen und betrogen, sie hintergingen und täuschten, schließlich mordeten und meuchelten sie nur noch hemmungslos.

Mainfranken Theater

Poetischer Kapitalismus

von Bernd Noack

Würzburg, 17. November 2007. "Ich wähle meine Arbeit nach den Stunden, die sie mir nimmt", sagt Undine und würde für diesen Satz bei jeder Arbeitgeber-Vollversammlung tosenden Beifall bekommen. Solch' Werktätige braucht das Land! Schön ist Undine dazu: wie sie dasteht, klitschnass und traurig um die verschmierten Augen, ein ganz der Realität entrücktes Wesen.  


zurück zur Übersicht