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archiv » Spielart Festival München (10)
Spielart Festival München

Widerstand der Körper

von Michael Stadler

München, 23.Oktober 2015. Beeindruckend, wie der Mann in der Muffathalle für Stille sorgt. Er läuft über die leere Bühne, bleibt rechts stehen und betrachtet das Publikum, bis das Gemurmel jäh abstirbt. Er lässt das Schweigen für einen Moment wirken, hebt dann den Eimer hoch, den er mit sich trägt, und schüttet sich die weiße Farbe, die darin ist, über den Kopf. Wodurch er seine Hautfarbe übertüncht, ähnlich wie die französische Kolonialmacht sich des Kongos einst bemächtigte und das Leben dort einfärbte. Wobei es sowieso egal ist, wer gerade herrscht – die Franzosen, die Rebellen, die Yankees – und unter welcher Staatsform man lebt. Selbst die Demokratie hat dem Land keine Freiheit gebracht. Der Kongo, so hört man bald, besteht aus "342 000 Quadratkilometern Aussichtslosigkeit". Die pure Depression also zu Beginn der elften Ausgabe von Spielart?


Spielart Festival München

Attacken auf den Körper

von Willibald Spatz

München, 29. November 2013. Das Fest ist fast schon wieder vorbei. Es ist letztes "Spielart"-Wochenende und die kommende Generation von Theater-Machern ist am Zug. In der Reihe "Connections" laufen Ko-Produktionen vom Spielart-Festival mit anderen Häusern oder Institutionen und deswegen bekommt man hier ausschließlich Material zu sehen, das mindestens eine Münchener, manchmal eine deutsche Erstaufführung und hin und wieder sogar eine Uraufführung ist. Sicher nicht zu sehen bekommt man Künstler, die auf europäischen Festivals bereits etablierte Dauergäste sind.


Spielart Festival München

Suizidales Weihnachtsmärchen

von Cornelia Fiedler

München, 20. November 2013. Tag der offenen Tür in der "Geschlossenen": In pinkes Licht getaucht wiegt sich der siebenköpfige Demenz-Chor im Walzertakt und singt "Wiener Blut". Kurz vor Weihnachten werden hier Spenden gesammelt, für die völlig marode Station. Sie ist die letzte ihrer Art, der Rest der berühmten psychiatrischen Klinik ist bereits geschlossen und verfällt. Der einzige Besucher, der herausfordernd mit einem dicken Scheck winkt, stellt sich als neuer Eigentümer der Immobilie heraus. Dessen Plänen fürs schnelle Geld stehen jetzt nur noch zwei Patientinnen, drei Patienten, ein Arzt und eine Krankenschwester im Weg. Ein bitteres Weihnachtsmärchen zwischen Operette und Splatter nimmt seine Lauf.


Spielart Festival München

Gott spricht durch einen Hund

von Isabel Winklbauer

München, 15. November 2013. Der afrikanische Kontinent hat so viele Gesichter, dass einem schwindlig wird, wenn man sich damit beschäftigt. In den Arbeiten von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen wird ein gutes Stück dieser Diversität eingefangen, Bilder des Afrikas von heute. "La Nouvelle Pensée Noire" heißt ihr neues Werk, mit dem sie das Münchener Spielart-Festival (15.11.-30.11.13) eröffneten: "Das neue schwarze Denken". Die Vorstellung begann am späten Nachmittag. So ein Kontinent braucht so seine Zeit – und Nerven.


Spielart Festival München
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Das Leben auskosten – auf Teufel komm raus

von Sabine Leucht

München, 18. November 2011. Woher kommt bloß das Unbehagen, die Kluft zwischen mir und meinem doch ganz okayen Leben? Macht es Sinn, darüber nachzugrübeln, andere damit zu behelligen? Oder wäre es besser, sich ein Motorrad zu kaufen und den Frust um die Midlife- und Sinnkrise im Zwiegespräch mit dem Sonnenuntergang auszutragen?


Spielart Festival München

Looking for what's next?

von Willibald Spatz

München, 29. November 2009. Für die eingeladenen Künstler dürfte Spielart ein dankbares Festival sein. Sie treffen dort auf ein Publikum, das Neuem aufgeschlossen ist, aber auch Halbfertiges und Gescheitertes akzeptiert, solange der Versuch, was Aufregendes zu zeigen, erkennbar ist. Das kann gleichzeitig auch zum Problem werden, da diese Erwartung zu Innovativem verpflichtet. Es gibt einige Theatermacher, die des Öfteren schon mit Produktionen zu Spielart eingeladen waren, deren Arbeiten kennt man hier mittlerweile. Neue Gesichter wären jetzt gern gesehen.


Spielart Festival München

Die Sache mit der Freiheit

von Willibald Spatz

München, 29. November 2007. Es ist interessant mitzuerleben, wie Theatermacher es mit wenigen Mitteln schaffen, ihre Heimat in einem anderen Land in den Köpfen des Publikums bildhaft werden zu lassen. Erst am Dienstag zeigte das Nature Theatre of Oklahoma beim Spielart-Festival, wie der Amerikaner durch den freien Markt und die äußerst kündigungsgefährdete Arbeit bei Wal-Mart zu einem eigenartig unfreien, oberflächlichen Wesen gerät. Die Company nutzte mitgeschnittene Telefongespräche als Textgrundlage und zur Dokumentation ihres Anliegens.


Spielart Festival München
Klare Grenzen

von Willibald Spatz

München, 24. November 2007. Das Festival Spielart genügt sich nicht mehr. Es will mehr sein, es will noch ein anderes Festival sein. Das "Festival im Festival" heißt "What's next?". Unter diesem Titel durften vier etablierte, international bedeutende Regisseure vier junge Theatermacher einladen, jeweils einen Abend zu produzieren, der dann im Rahmen von Spielart gezeigt wird.


Spielart Festival München

Todesschuss und Fußball

von Georg Kasch

München, 20. November 2007. Zur Halbzeit steht es 4:3 für die Grünen. "Wunderbarer Fußball!", verkündet Sportreporter Günther Koch, während das Publikum den zwei Mannschaften zujubelt, jede eine Mischung aus sechs brasilianischen und deutschen Polizisten, Männern und Frauen. Auf dem Feld von 17 mal sieben Metern schießen die Spieler mit einem Kinderball auf Miniaturtore. Spannend ist es trotzdem.


Spielart Festival München

Alles im Fluss

von Willibald Spatz

München, 17. November 2007. Wenn ein Festival in einer Stadt ist, dann versucht es dort Platz einzunehmen – möglichst so viel, dass keiner dran vorbeikommt, egal, wohin er gerade geht. München ist eine relativ große Stadt. Hier läuft seit Donnerstag das alle zwei Jahre stattfindende "Spielart"-Festival, das für sich in Anspruch nimmt, praktisch die einzige Gelegenheit zu sein, bei der man in München mal viel Theater von anderswo zu sehen bekommt. Und das stimmt auch, denn zu keiner anderen Zeit sind derart viele internationale Gastspiele in der bayrischen Hauptstadt zu sehen.


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