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archiv » spielzeit europa berlin (5)
spielzeit europa berlin
 Auf ewig im Keller

von Simone Kaempf

Berlin, 17. Dezember 2011. Um gefangen zu sein, braucht es kein Gefängnis. Menschen, genauer ihre Prinzipien, Gefühle oder Versprechungen auf eine bessere Zukunft können genauso an einen Ort fesseln. Die Gefangenschaft mag dann, ähnlich wie bei einem Stockholm-Syndrom, in anderem Licht erscheinen. So jedenfalls ergeht es der Frau in "Tage unter", die einst entführt wurde in ein Haus mit einem verbunkerten Keller, und nun, sich längst behütet fühlend in den neuen Strukturen, zurück soll in die Freiheit. Und zwar vehement, gegen ihren Willen.


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Hosenrolle in Frauenkleidern

von Simone Kaempf

Berlin, 12. November 2009. Marie-Antoinette höchstpersönlich schenkte ihm Kleider. Was sein Geheimnis nur noch interessanter machte. Bis heute halten sich Gerüchte über das Geschlecht des Chevalier d'Eon, der für Ludwig XV. als Spion in Frauenkleidern am russischen Zarenhof Einfluss nahm. Er trat quer durch Europa so überzeugend als Frau auf, dass auch die Autopsie nach seinem Tod 1810 in London nicht die Zweifel und Mutmaßungen ausräumen konnten. Weil man den Bericht natürlich sofort für gefälscht hielt.


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Jazz mich, und ich liebe dich

von Dirk Pilz

Berlin, 25. Januar 2009. Erst mal die Schuhe ausziehen. Willi Kellers, roter Pulli, lässiger Gang, hockt sich an sein Schlagzeug, schiebt die Schuhe zur Seite und rührt mit dem Besen ein bisschen auf Becken und Trommel. Schön langsam in den Rhythmus reinfummeln. Bis Jean Paul Bourelly, gelbes Hemd, cooles Lächeln, über die Bühne zu seiner knallroten E-Gitarre schlendert, bisschen Akkorde probieren. Rascher Blick zu Kellers, erste kleine Session.


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Mental Mapping Medea

von Dirk Pilz

Berlin, 10. Januar 2008. Vielleicht ist dieser Abend ein Beispiel dafür, wie das Aktualisieren eines alten Stoffes nichts als Plattheiten produzieren kann. Vielleicht hat der polnische Regisseur Grzegorz Jarzyna in seinem Ende 2006 am Wiener Burgtheater herausgekommenen und jetzt zu spielzeiteuropa nach Berlin geladenen Projekt den Medea-Mythos nur hergenommen und in ein modernes Gewand gestopft, um aus den Figuren Wiedergänger einer Wirklichkeit zu basteln, die unsere westliche Arbeits-, Liebes- und Alltagswirklichkeit bebildern sollen. Ist es so, dann ist es arg.


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Wer mit wem?

von Simone Kaempf

Berlin, 9. November 2007. Die Wohnung ist rappelvoll mit lesenden Menschen. Nicht nur auf dem Fußboden hocken sie, auch auf dem alten Radioapparat, und einer liest hochkonzentriert in der Badewanne. So kommunardisch das wirkt, muss die Lektüre schon "Das Kapital" sein, oder zumindest das "Kommunistische Manifest". Nichts scheint sie ablenken zu können von den Büchern. Nichts? Doch, eines schon: Pop. Musik. Das, was den amerikanischen Puritanern in den 60ern als Werkzeug des Teufels galt und den Kommunisten als Lockmittel des Kapitalismus.


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