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archiv » Pathos Transport München (6)
Pathos Transport München

Explosiv wie Himbeereis

von Petra Hallmayer

München, 8. November 2014. Man muss schon ein klein wenig größenwahnsinnig sein, um sich als Theatermacher an David Foster Wallace' Mammutroman "Unendlicher Spaß" zu wagen. Als "Mann ohne Eigenschaften des 21. Jahrhunderts" pries ihn die FAZ, als "Himalaya der Postmoderne" bezeichnete die SZ das 1545-Seiten-Werk. Der unbändig witzige und todernste Abgesang auf unsere Kultur, der in eine Tenniselite-Akademie und eine Entzugsklinik führt, erzählt von brutalem Leistungsdrill, Drogen, Depressionen, Terror und Kindsmissbrauch, einer käuflich gewordenen Zeitrechnung, der mörderischen Wirkung von Entertainment, dem Verlust der Selbstbestimmung des Menschen, dem Tod des Subjekts durch eine moderne Variante des Totalitarismus.


Pathos Transport München

altTheater unter der Stadt

von Steffen Becker

München, 12. Juli 2012. Schlimm genug, dass da noch andere Leute sind. Und gut, dass man sie aus seinem Bewusstsein inzwischen gut aussperren kann. Der Durchschnitts-Pendler möchte seine Ruhe – am besten unter einer mp3-Glocke, die seinen Geist absondert von schlierigen Fenstern, abgewetzten Polstern und essenden Sitznachbarn. Die Hörspielperformance UNTN dreht in der Münchner Linie U2 den Spieß um. Ihre Teilnehmer lassen sich nicht ausschließen – sie sind diejenigen, die den Anderen ihr Erlebnis sichtbar vorenthalten.


Pathos Transport München
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Gram, Grant und Copy-and-Paste

von Sabine Leucht

München, 3. Juni 2011. Was passt alles in ein Leben? Und von wo kriegt man das Ganze her? In einer Zeit, in der die Copy-and-Paste-Methode sich selbst beim Anfertigen von Doktorarbeiten durchgesetzt hat, lohnt ein kritischer Blick auf die eigene Biografie. Fehlt hier womöglich ein Quäntchen Originalität, eine Prise Großartigkeit – oder ist gar eine Generalüberholung fällig? Die Rabtaldirndln machen's schon mal vor, und weil sie das erstens auf einer Bühne tun und zweitens schon das Rabtal eigentlich nicht existiert, sind sie dabei so frei, wie es eben gerade denkbar ist. Nur komisch, dass die fünf Damen aus der Steiermark dabei so überaus mies gelaunt ausschauen. Ist doch prima, wenn man sich selbst permanent neu erfinden kann! Wo ist das Problem?


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Bayrische Teezeremonie im japanischen Wirtshaus

von Sabine Leucht

München, 26. Januar 2011. Im Lexikon der erklärungsbedürftigen Daseinsformen und Phänomene Münchens dürfte die Bairishe Geisha einen prominenten Platz einnehmen. Schon allein aufgrund ihrer Doppelexistenz als Performance-Team und urbane Mythengestalt, die sie mittlerweile zweifellos geworden ist. Aus einem Duo, das Ende der Neunziger mit erotischen Haikus die Phantasie einiger Gedicht-Abonnenten anheizte, schälte sich der Charakter einer nicht nur erotischen Dienstleisterin heraus.


Pathos Transport München

Schön, wenn es trotzdem weiter geht

von Sabine Leucht

München, 10. Dezember 2008. So könnte es immer, immer weiter gehen: Mit dieser mal betörenden, mal verwirrenden Mischung aus kritischer Zeitgenossenschaft und entfesseltem Blödsinn, auf die das Pathos Transport Theater seit gut vier Jahren ein Patent hat. Hier ist der Ort, wo in München auf Gedeih und Verderb experimentiert werden darf, ruhig auch mal schnell und schmerzhaft. Hier wird alles zum theatralen Akt geadelt, was gegenwärtig juckt und brennt. Und weil dieser mit seinem maroden Charme so unmünchnerische Ort inmitten eines potentiellen Abbruchgebietes liegt, und weil sich das Team um Angelika Fink und Jörg Witte stetig um überregionale Vernetzung bemüht, zieht die Sorge um die Zukunft dieser Bühne inzwischen weite Kreise.


Pathos Transport München

Froh zu sein, bedarf ...

von Willibald Spatz

München, 20. Februar 2008. Die Stadt München war neulich wieder großzügig und hat bekannt gegeben, dass ihr ihre freie Theaterszene 1,2 Millionen Euro wert ist. Das klingt nicht schlecht und dennoch ist es in München nicht leicht, frei Theater zu machen. Insgesamt 30 Personen und sieben feste Bühnen werden gefördert – da bleibt für keinen viel.


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