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archiv » Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera (11)
Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Am Abwasch der Zeitgeschichte

von Matthias Schmidt

Gera, 6. November 2015. Am Ende stehen die Schauspieler in Bademänteln und privaten Klamotten vor dem Publikum und tragen gemeinsam "Edgars Bericht" vor, jenen Teil von Kruso, der von Lutz Seilers Suche nach den vermissten Ostseeflüchtlingen handelt. Die Stille im Saal ist beinahe gespenstisch. Danach brandet der Applaus auf. So schlicht und doch bewegend kann Theater sein. Wenn es den Mut zur Einfachheit hat. Wenn es seine Mittel in den Dienst des Stoffes stellt und nicht umgekehrt.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Pädagogisch wertvoll

von Frauke Adrians

Gera, 1. Februar 2014. Im Dezember 1950 und im April 1951 wurden in Moskau vier junge Männer aus dem ostthüringischen Altenburg – zwei Lehrer, zwei Oberschüler – mit Pistolenschüssen hingerichtet. Ein sowjetisches Militärgericht hatte sie zuvor in Weimar zum Tode verurteilt. Ihr Vergehen: Sie hatten gegen das Entstehen einer neuen Diktatur auf deutschem Boden rebelliert, hatten die Ausstrahlung einer Wilhelm-Pieck-Rede mit einem selbstgebauten Sender gestört, hatten Flugblätter verteilt und Stalin einen Tyrannen genannt. Eine der in Deutschland seltenen Geschichten von Gewissen, Mut und Aufbegehren. Stoff fürs Theater? Unbedingt.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Otto Dix und Ost-Rock

von Matthias Schmidt

Gera, 12. Oktober 2012. Der Vorhang geht auf und gibt den Blick frei auf ein Standbild, ein Figuren-Arrangement, das einem Gemälde entsprungen sein könnte. Einige tragen Masken, die anderen sind "auf Maske" geschminkt. Die Figuren erinnern an Otto Dix, natürlich, wir sind in der Dix-Stadt Gera. Die Idee ist schlüssig, sowohl in ihrem lokalpatriotischen Gestus als auch historisch, denn Dix und Horváth arbeiteten sich zur selben Zeit am selben Stoff ab. Der weckt auch unser Interesse, denn unsere Krise trägt – zum Beispiel in Griechenland – durchaus Züge der damaligen, Friedens-Nobelpreis hin oder her.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

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Die letzte Party der oberen Mittelklasse

von Christian Baron

Gera, 27. April 2012. Was hätte das für ein Spektakel werden können. Da kündigt das Theater Gera als letzte Inszenierung von Amina Gusner die Uraufführung von "Titanic" an – einem Stück, das sie gemeinsam mit Lennart Naujoks geschrieben hat und nun, 100 Jahre nach dem Untergang des titelgebenden Schiffes, zur Aufführung bringt.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Mutter macht jetzt Pornos

von Matthias Schmidt

Gera, 9. Oktober 2010. "Eigentlich müsste sich ein extremes Gefühl von Freiheit einstellen", diesen Satz aus ihrem Stück "Narbengelände" stellt Autorin Anne Habermehl ihrer eigenen Inszenierung wie ein Motto voran. Immer wieder sprechen die vier auf der Bühne ihn, so dass mit dem "Eigentlich"-Satz eigentlich fast alles gesagt ist. "Vier Personen suchen die Freiheit und finden sie nicht".


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Nimm die Dreckspfoten aus meinem Leben

von Ute Grundmann

Gera, 22. Mai 2010. Käthe springt ihrem Mann Johannes auf den Rücken, krallt sich wie ein Äffchen fest. Doch das ist mehr als verliebte Spielerei – sie dokumentiert ihren Besitzanspruch gegenüber Anna, die da plötzlich in ihr Haus und ihre Ehe geschneit ist. Solche stimmigen Szenen und Gesten findet Regisseurin Amina Gusner immer wieder, die am Theater Altenburg-Gera Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen" inszeniert hat.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Drei mal drei ist weniger als drei

von Matthias Schmidt

Gera, 16.-18. April 2010. Die Bühne am Park ist eine relativ kleine Spielstätte – wie ein schlichter, schwarzer Koffer liegt sie hinter dem prunkvollen Großen Haus. Wer die drei "OstOstOst"-Inszenierungen in Gera sehen wollte, musste in den schwarzen Koffer. Dass selbst die 200 Plätze der Bühne am Park an zwei von den drei Abenden nicht ausverkauft waren (der dritte war gerade mal halb voll), spricht für diese Entscheidung. Ein bisschen größer allerdings hätte schon sein dürfen, was sich in den Pressemitteilungen als Event von überregionaler Bedeutung ankündigte: ein Ring-Uraufführungsfestival! Drei Städte, drei Theater, drei mal drei und ein Thema – der Osten, zwanzig Jahre danach.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Kein Mann, nirgends!

von Ute Grundmann

Gera, 13. November 2009. 20 Jahre lang ist sie mit Mutti ins Allgäu in den Urlaub gefahren, jetzt kann Ursula das Wort "Allgäu" nicht mehr hören, ohne einen Schreikrampf zu kriegen. Endlich mal ohne Mutti, nicht nur im Urlaub, endlich mal allein sein! Aber einen Mann sollte es in ihrem Leben schon geben, für ein "kleines, großes Glück".


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Vom Klo bis nach Burgund

von Ute Grundmann

Gera, 3. Oktober 2009. Der Hausherr Matthias Oldag durfte nicht in sein Büro. Denn auch im Intendantenzimmer wurde Theater gespielt, als das Theater Gera mit dem Spektakel "Heimat_Los!" in die Spielzeit startete. Vor 26 Zuschauern auf Papphockern war Anne Rabes "Zwei Schwestern" zu sehen, die sich vom Elternhaus lösen müssen, weil die Mutter den Vater betrogen hat. Torsten Bischof inszenierte atmosphärisch dicht zwischen Besprechungstisch und Sekretariat, mit Judith Mauthe (Sabine), Alice von Lindenau (Kristin) und Mechthild Scrobanita als Mutter Monika.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Situationen mit Männern

von Hartmut Krug

Gera, 10. April 2009. Die Bühne ist ein offener Platz, wie Shakespeare es wollte. Aber hier donnert und blitzt es nicht, sondern über das ovale Halbrund der Betonrückwand, an der zwei auf Leitern erreichbare Podeste kleben und aus der weitere Podeste gezogen werden können, ziehen Videowolken.


Theater & Philharmonie Thüringen - Bühnen der Stadt Gera

Dem Groschengrab DDR entstiegen

von Hartmut Krug

Gera, 15. Februar 2008. Der blitzende und blinkende Traktor auf dem Theatervorplatz ist fabrikneu, das Fahrzeug auf der Bühne dagegen rostet vor sich hin und verschwindet halb im Sandboden. In Bewegung geraten beide nicht. Dabei soll es vorwärts gehen, vom Einst zum Jetzt, vom Arbeiter- und Bauernstaat zur europäischen Wirtschaftsgemeinde, in Volker Lüdeckes "Bauernstaat", dem 1999 entstandenen dritten Teil seiner "Europa-Trilogie".


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