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archiv » Theater Augsburg (12)
Theater Augsburg

Geil, geil, geil!

von Willibald Spatz

Augsburg, 6. Februar 2016. Zunächst funktioniert das gar nicht: Zu sehen ist Körperjazz, der gehörig nervt. Zu laut, zu überdreht, zu gewollt. Das gesamte Ensemble tritt im Hintergrund an und kommt nach und nach nach vorne, um loszulegen. Theseus ist zu klein für Hippolyta, er muss an ihr emporspringen, um sie zu küssen. Er macht es nicht einmal, sondern dreimal. Die anderen ziehen sich an den Ohren, spucken sich an, hängen aneinander oder schmeißen einander zu Boden. Sogleich ist klar, dass hier der Sommernachtstraum nicht einfach runtererzählt wird, so dass man danach sagen könnte, man habe dieses Stück nun auch mal im Stadttheater gesehen.


Theater Augsburg

Hoffnung könnte helfen

von Willibald Spatz

Augsburg, 3. Mai 2015. Wenn es dunkel wird nach der letzten Szene und die sich umarmenden Lea Sophie Salfeld und Tjark Bernau verschwunden sind, dann kann man in dieser kurzen Stille, bevor der Applaus einsetzt, das Gefühl förmlich greifen, eben einem großen Wurf beigewohnt zu haben. Wie bei einigen Augsburger Inszenierungen von Anne Lenk ist es ein einfaches, aber ungemein stimmiges Bühnenbildkonzept, das dem Ensemble den Raum gibt, dermaßen gut aufzuspielen.


Theater Augsburg

Einverständnis mit Musik

von Willibald Spatz

Augsburg, 10. Februar 2014. Jedes Jahr ein Festival, bei dem es nur immer wieder um einen einzigen Autor geht. Gibt es denn da noch genügend Material, oder dreht sich längst alles in einer Wiederholungsschleife? Viele Programmpunkte beim Brechtfestival haben lediglich einen losen Bezug zum Namensgeber. Und doch finden sich hin und wieder tatsächlich Entdeckungen von Originaltexten, die nie oder selten einem Publikum präsentiert wurden. Als "Das Badener Lehrstück vom Einverständnis" mit Musik von Paul Hindemith im Jahr 1929 in Baden-Baden uraufgeführt wurde, waren die Zuschauer empört, sie protestierten und verließen den Saal, angeblich weil sie mitmachen sollten und der Inhalt sie aufregte.


Theater Augsburg

Das Leben ein Schattenspiel

von Willibald Spatz

Augsburg, 16. Februar 2013. Es geht los, nachdem eigentlich schon alles vorbei ist. "Minna von Barnhelm" ist ein post-apokalyptisches Stück: Der Krieg ist aus, der Arm ist steif, das Geld ist weg und die Liebe vergangen. Die Menschen haben schnell kapiert, dass sie sich jetzt was suchen müssen, was ihnen einen neuen Sinn verspricht, zumindest solange, bis wieder alles kaputt ist.


Theater Augsburg

Immer noch dieselben Gefühle

von Willibald Spatz

Augsburg, 22. November 2012. So etwas gibt es heutzutage fast nicht mehr: Dass sich ein Stück zu einem Mega-Hit entwickelt und unzählige Male inszeniert wird. Vor vierzig Jahren war das mit "Die neuen Leiden des jungen W." der Fall. Die spannende Frage ist: Kann man damit jetzt noch etwas erzählen? Die Antwort klingt einfach: Es geht – wenn man den richtigen Hauptdarsteller hat. Ulrich Rechenbach räumt gleich zu Beginn auf, er macht die Sicht frei. Die Bühne, die Tatjana Kautsch gebaut hat, dominiert ein Holzgerüst, das mit Folien behängt ist. Die werden weggerissen und säuberlich zur Seit gelegt. Dazu aus dem Off Stimmen, die sich über die Hauptperson – Edgar Wibeau – unterhalten, posthum, er ist schon gestorben. Was ihn nicht davon abhält zu unterbrechen, Sachverhalte richtig zu stellen. Ulrich Rechenbach kann der Technik Anweisungen geben. Aus ihm sprudelt es heraus, er hat der Welt eine Menge mitzuteilen und das auf eine sympathische, offene Art, mit der er schon nach zehn Sekunden nicht mehr verlieren kann und jeder im direkt angesprochenen Publikum ihm alles abnehmen würde.


Theater Augsburg

Wie uns die Alten sungen

von Willibald Spatz

Augsburg, 7. Oktober 2012. Elfriede Jelinek wird zum ersten Mal in Augsburg aufgeführt. Sylvia Sobottka ist die Regisseurin, die dieses Unternehmen wagt, und sie bringt eine Menge Ideen mit für "Ulrike Maria Stuart": Da läuft ein Gehirn über die Spielfläche, die sich auch noch drehen kann. Wir sehen viele Videos und auch verrückte Kostüme. Es rührt sich was auf der Brechtbühne, der neuen kleinen Spielstätte des Stadttheaters. Sie wurde Ende der vergangenen Spielzeit in Betrieb genommen, nachdem lange Zeit politisch um sie gerungen worden war. Jetzt wollen sie spielen. Das spürt man von Anfang an.


Theater Augsburg

altFlucht in den Osten

von Willibald Spatz

Augsburg, 13. April 2012. Was wird nicht gerade gejammert über das, was die Theater auf ihre Spielpläne setzen: Nur noch dramatisierte Romane oder Uraufführungen von Stücken, die nach ihrer ersten Inszenierung für immer verschwinden. Da halten die Augsburger nun tüchtig dagegen. "We are Camera/Jasonmaterial" von Fritz Kater ist nicht frisch und doch auch nicht alt. Armin Petras, der sich bekanntlich hinter dem Pseudonym Fritz Kater verbirgt, hat es selbst 2003 am Hamburger Thalia Theater herausgebracht und wurde dafür auch prompt zum Theatertreffen eingeladen.


Theater Augsburg

altAuferstanden von den Toten

von Willibald Spatz

Augsburg, 11. Februar 2012. In Augsburg ist zurzeit der Teufel los. Zumindest auf den Theaterbühnen. Aktuell wird hier gerade zehn Tage lang das Brechtfestival begangen. Man feiert den großen in dieser Stadt geborenen Dramatiker mit Podiumsdiskussionen, Konzerten, Aktionen und auch vier Theaterstücken, darunter sogar zwei Uraufführungen. Parallel dazu kamen innerhalb der zehn Tage des Festivals am Augsburger Stadttheater drei Premieren heraus, die nichts mit Brecht zu tun haben. Keiner will hier an reinen Zufall glauben. Es handelt sich um ernsthafte Konkurrenzveranstaltungen, denn unendlich ist die Zahl der potenziellen Theaterbesucher in Augsburg nicht. Am vergangenen Wochenende waren Felicia Zellers "Gespräche mit Astronauten" und Roland Schimmelpfennigs "Goldener Drache" dran. Am gestrigen Samstag schickten sie im Großen Haus Schiller als Dramatiker-Schwergewicht in den Ring gegen den Augsburger Brecht und seine Fans.


Theater Augsburg

Auf Schränken unter Schuften

von Willibald Spatz

Augsburg, 15. Januar 2011. Selbstmord ist natürlich immer eine Lösung. Wenn es einem zu viel oder zu blöd wird, dann kann man sich aus dem Weg räumen und die, die man zurücklässt haben ein Problem weniger, aber immer noch ein schweres Leben, so dass der Tod eigentlich auch für sie besser wäre - Hebbels "Maria Magdalena" ist unglaublich weit weg von der Jetztzeit.


Theater Augsburg

Lebenslügenglück

von Willibald Spatz

Augsburg, 10. Mai 2009. Unter den Menschen kann man diejenigen besonders gut hassen, die einen ständig mit der so genannten Wahrheit nerven, die immer alles sagen, was ihnen einfällt, weil es ihnen wichtig und richtig für die andern erscheint. Henrik Ibsen hat sich ein ganzes Stück lang den Frust auf diesen Menschenschlag von der Seele geschrieben: "Die Wildente". – Gregers Werle hat etliche Jahre seines jungen Lebens in der abgeschiedenen Natur mit der Verwaltung eines väterlichen Besitzes verbracht, bevor er zu Beginn des Stücks in die Stadt und die Häuser der Lügen zurückkehrt.


Theater Augsburg

Rot ist der Mond über Augsburg

von Willibald Spatz

Augsburg, 25. Januar 2009. Wahnsinnig außergewöhnlich ist es nicht, wenn eine Stadt den 111. Geburtstag ihres bekanntesten Dichters feiern will. Im Fall von Augsburg und Bert Brecht ist die Sache allerdings etwas verzwickt: Hier gab es bis vor einem Jahr ein sogenanntes "abc-Festival", das Brecht würdigte, überregional großes Interesse erregte und dessen Programm der Schriftsteller Albert Ostermaier zusammenstellte. Dann kamen Kommunalwahlen, danach zog ein neuer Bürgermeister und mit ihm ein neuer Kulturreferent ins Rathaus ein.


Theater Augsburg

Und manchmal rascheln die Pappherzen

von Willibald Spatz

Augsburg, 2. März 2008. Die Augsburger müssen sich an ihr Theater erst wieder gewöhnen. Seit Juliane Votteler im September die Intendanz des Stadttheaters übernommen hat, geht es nicht mehr so unbekümmert zu wie zu Zeiten von Ulrich Peters, dessen größter Hit in den vergangenen Jahren ein Freiluft-"Jesus Christ Superstar" war.


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