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archiv » Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen (5)
Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Die Welt war schneller

von Lukas Pohlmann

Bautzen, 26. November 2016. Just vor ein paar Tagen hörte ich jemanden, der nichts mit Theater, wohl aber mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in Sachsen zu tun hat, von den Bautzener Krawallen zwischen jungen Geflüchteten und Neonazis im September als der "Nacht der langen Messer" reden. Uff, dachte ich, das geht weit. Und ist in seiner rhetorischen Zuspitzung nahezu theatralisch. Krasse Zeiten brauchen krasse Vergleiche.


Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Welt von Gestern

von Lukas Pohlmann

Bautzen, 28. Februar 2014. Im pittoresken Städtchen Bautzen an der Spree steht ein vor zehn Jahren hübsch sanierter Theaterbau, Stammhaus des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, des wohl einzigen konsequent zweisprachigen Theaterbetriebs Deutschlands. Neben Deutsch wird in einigen Inszenierungen ausschließlich Sorbisch gesprochen. Weil aber John von Düffel eine deutsche Fassung von Leo Tolstois Roman "Anna Karenina" geschrieben hat, wird also deutsch gespielt.


Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

altSo schlau als wie zuvor

von Nadja Lauterbach

Bautzen, 30. März 2012. Im Programmheft ein Verweis darauf, was Goethes Mammutwerk dem Inszenierungsteam um Therese Thomaschke am Deutsch-Sorbischen Volkstheater ist. Ein Verweis, der seinen Schatten voraus wirft, bezeichnet er doch den zweiteiligen Faust-Stoff fast kniefallartig als "gigantisches Ölgemälde, das bis ins Detail durchkomponiert ist". Dies "in einer zweistündigen Puppentheater-Inszenierung zu spielen", sei wiederum der Versuch, besagtes Ölgemälde "mit ein paar Buntstiften auf ein kleines Blatt Papier zu skizzieren." So hebt sich der Theaternebel, der den Saal bereits vor Stückbeginn in verheißungsvolle mystische Stimmung zu hüllen sucht. Das Spiel um die Wette zwischen Gott und Teufel und um das, was die Welt im Innersten zusammenhält, beginnt.


Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Umwälzung in der Sackgasse der Geschichte

von Ralph Gambihler

 

Bautzen, 9. Mai 2009. Wenn die Altstadt von Bautzen in der Abendsonne liegt, ist das altdeutsche Postkarten-Idyll perfekt. Brächte man amerikanische Touristen hierher und nicht nach Heidelberg, würden sie es vielleicht gar nicht merken. Indessen ist Bautzen nicht für seine Schönheit berühmt, sondern für seine beiden Gefängnisse. Als Inbegriff des DDR-Unrechts stehen sie ziemlich unübersehbar in der deutsch-deutschen Gedenklandschaft herum, gleich neben Berlin-Hohenschönhausen, durchnummeriert wie Kraftwerksblöcke: Bautzen I und Bautzen II.


Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Die Nadel im Einfühlungssumpf 

von Dirk Pilz

Bautzen, 14. März 2008. In Emilias Haar wippt eine große Blumenstecknadel. Sie ist aus weißem Kunststoff und macht sich bestens zu ihrem schicken Brautkleid. Und wenn Emilia die Tränen kommen, wenn sie schluchzt und bibbert, aufgeregt mit den Armen rudert und ihre Hände nach Halt in der Luft suchen, scheint diese Haarnadel vor lauter Erbarmen mitzujammern. Sie zittert, bebt fast ein bisschen.


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