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archiv » Theater unterm Dach Berlin (4)
Theater unterm Dach Berlin

Auf dem Pfad der bösen Pointen

von Michael Wolf

Berlin, 23. Juni 2016. Wir warten auf Gott. Wir: Das sind das Publikum und Adolf Eichmann. Eichmann will sich endlich erklären, er hat schon seine Ansprache vorbereitet. Das Publikum wartet auf Gott, weil nur der endlich Schluss machen könnte mit dem Irrsinn. Nach Jahrtausenden wäre es wirklich an der Zeit, den Antisemitismus abzuschaffen. Es wäre uns inzwischen sogar egal, welcher Gott die Sache anpackt. Nur ein Gott müsste er sein, also jemand oder etwas, zu dem alles hinführt und der deswegen Endpunkt aller Gedanken und Taten wäre. Adolf Eichmann kennt sich mit solchen Zielen aus. Er organisierte die "Fahrten" in die Vernichtungslager. Das war jetzt zynisch. Und so funktioniert Tomáš Vůjteks Stück "Die Anhörung" auch über weite Strecken. Er stellt den Zynismus der Organisatoren des Holocaust mit großer Geste aus.


Theater unterm Dach Berlin

"Hängst du immer noch an der Litfaßsäule rum?"

von Matthias Weigel

Berlin, 8. November 2013. Als der Film Der Baader Meinhof Komplex 2008 erschien, klagte die Familie Ponto gegen die Darstellung des Mordes an Jürgen Ponto. Die Tat sei anders als im Film abgelaufen, begründete die Witwe Ignes Ponto, sie habe die Schüsse direkt mitverfolgt und sei nicht nichtsahnend am Telefon gehangen. Der Film brachte den Mord erstmals in Bilder, und erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit spricht die Familie Ponto überhaupt über das 1977 von der RAF begangene Verbrechen am Familienvater und Bankvorstand Jürgen Ponto.


Theater unterm Dach Berlin
alt

Nichts für Feiglinge

von Esther Slevogt

Berlin, 8. Dezember 2011. Eine junge Frau tritt auf. Sie ist nachlässig gekleidet und unvorteilhaft frisiert. Mit verhangenem Blick schaut sie ins Publikum. Schon die Gegenwart scheint in diesem Leben kein Zuckerschlecken zu sein. Doch die Frau, die sich später Maja nennt, beginnt von der Zukunft zu sprechen. Wie sie sich ihr Leben vorstellt, wenn sie fünfundachtzig ist. Denn dann wird alles noch schlimmer, das Leben nur noch an den gähnenden Rändern der Gesellschaft möglich sein. In heruntergekommenen Wohnungen – einsam, stinkend, inkontinent.


Theater unterm Dach Berlin

Die Farben des Fridaismus

von Nikolaus Merck

Berlin, 5. April 2008. Biographisches auf dem Theater zu verhandeln, ist immer so eine Sache. Was kann man dadurch erfahren? Das Bekannte noch einmal, bloß ästhetisch in eine Form gebracht? Oder gibt es Punkte im betreffenden Leben, auf die es sich lohnt, den Finger zu legen, weil man etwas über den Menschen lernen kann?


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