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archiv » Deutsche Oper Berlin (4)
Deutsche Oper Berlin

Entfremdung der Gefühle

von Wolfgang Behrens

Berlin, 25. September 2016. Es ist eine geradezu inflationäre Erscheinung: Regisseur*innen, die bislang nur im Schauspielbereich tätig waren, zieht es an die Opernhäuser. Allein an den vergangenen beiden Wochenenden fanden zwei durchaus prominente solcher Operndebüts statt: Simon Stone inszenierte in Basel Korngolds "Tote Stadt" ("solides Handwerk – texttreu im allerbesten, nämlich kreativ weiterdenkenden Sinne", schrieb der Kollege von der NZZ), und an der Deutschen Oper Berlin hat sich Robert Borgmann nun gleich an ein Zentralstück des Repertoires gewagt, an Mozarts "Così fan tutte". 


Deutsche Oper Berlin

Darauf ein Gläschen Christel Mett

von Georg Kasch

Berlin, 17. Juni 2016. Die größte Provokation hebt sich Rodrigo García bei dieser Premiere bis zum Schluss auf: Er erscheint nicht zum Applaus. So wie sein ganzes Team. Natürlich versuchen es jetzt noch einige mit ihren wütenden Buhs, aber das verpufft. Das Parkett bleibt unerlöst, auch wenn sich der ein oder die andere in Zimmerlautstärke Luft zu schaffen versucht: "Das feige Schwein, traut sich nicht raus."


Deutsche Oper Berlin

Glotzt nicht so romantisch

von Georg Kasch

Berlin, 27. November 2012. Traumtänzer, Nachtwandler, Verlorene allesamt: Ein Halbnackter windet seinen muskulösen Körper auf einem Tisch, eine junge Frau im roten Sommerkleid trägt einen Koffer spazieren, ein Mann hebt anklagend Notenblätterhaufen in die Höhe. Wellen flackern über die Szene, ein Sänger fotografiert eine Sängerin; die vermeintlichen Ergebnisse erscheinen als expressive Porträts schwarzweiß über der Bühne. Dazu stelzt eine Dame herum, mit Pelz auf dem Kopf und Eis im Herzen, und schimpft akustisch Unverständliches.


Deutsche Oper Berlin

Geniestreich eines Abwesenden

von Wolfgang Behrens

Berlin, 27. April 2008. "Gut gefälscht ist immer noch besser als authentisch und schlecht gemacht. Das Fake ist erotisch." Als der Dramaturg Carl Hegemann dies 2006 in einer kleinen Zeitschriftenkolumne schrieb, konnte er nicht wissen, dass er selbst anderthalb Jahre später zum Fälscher im großen Stil werden würde. Und dass er – gemeinsam mit den Regisseuren Anna-Sophie Mahler und Søren Schuhmacher – ausgerechnet denjenigen faken würde, den er als einen der Meister der "subversiven Kraft des Fakes" feierte: Christoph Schlingensief. "Alle wollen das Fake", hieß es damals weiter – und in der Tat: Mehr Jubel als an der Deutschen Oper Berlin dürfte bislang kaum eine Schlingensief-Premiere ausgelöst haben. Obwohl – oder weil? – sie nicht echt war. Aber verdammt gut gemacht.


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