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archiv » Akademie der Künste Berlin (3)
Akademie der Künste Berlin

Fußnote zur Menschheitsdämmerung

von Christian Rakow

Berlin, 24. April 2009. "Schön ist der Mond über Polen, / einen Genickschuss lang". Einer der Lieblingsverse Heiner Müllers kommt in den Sinn, wenn man in der Eingangsszene des Films den Vollmond malerisch über syrischen Hügeln aufgehen sieht. Doch der Genickschuss bleibt, Krisenregion Vorderasien hin oder her, dieses Mal aus. "Schön ist der Mond über Syrien, / eine Reifenpanne lang", dürfte es heißen, rechnet man die Hintergrundanekdote zu diesem Bild ein, die Kulturstaatssekretär André Schmitz in seiner deutungsfreudigen Eröffnungsrede preisgab. Aber Profanierung ist wirklich das Letzte, was dieses Kunstprojekt will.


Akademie der Künste Berlin

Magda Medea Ulrike

von Esther Slevogt

Berlin, 3. Mai 2008. Die Idee zumindest ist spektakulär: In der Nacht ihres Selbstmords in Stuttgart-Stammheim erscheint Ulrike Meinhof im Augenblick ihrer tiefsten Verzweiflung – als sie damit hadert, die bourgeoisen Reste in sich selbst nie losgeworden zu sein, also das stalinistische Klassenziel der RAF, das Individuelle ganz der revolutionären Idee unterzuordnen, nicht erreichte – im Moment dieses ebenso religiös geführten wie hasserfüllten Selbstgesprächs in ihrer Zelle erscheint Ulrike Meinhof plötzlich der Geist von Magda Goebbels, einer Fanatikerin aus anderen Zeiten. Aus Zeiten, gegen deren Erbe die Meinhof ihren Kampf einmal begründet hatte.


Akademie der Künste Berlin

Rückkehr des Pathos-Theaters

von Hartmut Krug

Berlin, 30. April 2008. Man hätte es bei dem der Aufführung vorausgehenden theaterwissenschaftlichen Vortrag belassen sollen. Denn Mythen sind langlebig, aber nicht immer lebendig. "The Brig", mit dem das Living Theatre am 15. Mai 1963 seinen Ruhm begründete, erwies sich bei seiner Rückkehr nach 44 Jahren an den Ort, an dem es 1964 zum ersten Mal in Deutschland gastierte, als Lehrbeispiel dafür, wie zeitgebunden Theatermittel sind und wie sehr sich unsere Theaterformen und Wahrnehmungsweisen verändert haben.


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