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archiv » Theater der Welt 2008 in Halle (8)
Theater der Welt 2008 in Halle

Chinas Kochbücher

von Johanna Lemke

Halle, 5. Juli 2008. Es gibt doch diese Foto-Kalender. Die in vielen Wartezimmern hängen, mit Hochglanzbildern von chilenischen Hochebenen, neuseeländischen Truthähnen und lettischen Marktfrauen. Satte Farben und folkloristische Harmonie im Querformat. Ein bisschen wie ein solcher Kalender zeigt sich "China", die Performance des australischen Künstlers William Yang. Mit ihm hat sich das Festival noch einmal so richtig Welt ins Haus geholt, denn Yang ist nicht nur australischer Performance-Künstler, sondern auch noch Chinese. Einer, der kein Chinesisch spricht allerdings, lebt er doch bereits in der dritten Generation in Australien.


Theater der Welt 2008 in Halle

Immer lebe die Gaudi

von Ralph Gambihler

Halle, 4. Juli 2008. Das Spiel mit kollektiven Erinnerungen ist eine thematische Konstante im spielvergnügten Halle, wo das Festival Theater der Welt seinem Finale zustrebt. Auf verschiedenste Weisen wurden gesellschaftliche Erinnerungsräume betreten: in Excelsior zum Beispiel, einem historisch gewordenen Streifzug durch die Technikgeschichte der Moderne, gezeigt von der Mailänder Puppenspielerfamilie Colla, in Massimo Furlans Fußball-Performance 22. Juni 1974, 21 Uhr 03 über das legendäre Sparwasser-Tor von 1974 oder in den "Stadt(ver)führungen", die den Kuriosa der Halleschen Lokalhistorie nachspüren.


Theater der Welt 2008 in Halle

Die Absurdität des "Aber"

von Johanna Lemke

Halle, 29. Juni 2008. Wie gut, dass wir nicht mehr darüber diskutieren müssen, ob die Kunst sich einem Thema wie dem Holocaust komödiantisch nähern darf. Ist es doch längst Konsens, dass gerade das Lachen über Krieg, über Verfolgung und Leid manchmal ernsthafter sein kann als die devoteste Betroffenheit.
Aber ist es wirklich Konsens?


Theater der Welt 2008 in Halle

Geschichten vom verschenkten Kind

von Simone Kaempf

Halle, 29. Juni 2008. "Warum hast du mich eigentlich gezeugt", fragt der Sohn den Vater, worauf dieser antwortet, dass er ja nicht gewusst habe, dass es Hamm sei, der dabei rauskommen würde. Der Vater ist Nagg, der Sohn Hamm, der Dialog stammt aus Becketts "Endspiel". Aber könnte so auch in einem der Stücke von Joël Pommerat stehen, in denen es wimmelt von Müttern, Väter, Kindern und Großeltern, deren Beziehungen endspielhaft regressiv erstarrt sind.


Theater der Welt 2008 in Halle

Verrätselter Himmel, verrätselte Hölle

von Hartmut Krug

Halle, 27. Juni 2008. Die Bühne ist leer und die Welt ein mystischer Traum. Zwischen anfangs vier (und später mehr als doppelt so vielen) goldenen Spitzkegelbergen, deren Gitteröffnungen an Fenster denken lassen, schwitzt Gott, ein schmaler, kahlköpfiger Herr im langen weißen Mantel, bei seiner Arbeit ganz mächtig.


Theater der Welt 2008 in Halle

Betontristesse. Abrisslandschaften

von Georg Kasch 

Halle, 26. Juni 2008. "Komm! Ins Offene" lockt das Theater der Welt-Festival in Halle. Oft geht es hinaus, in den "Stadt(ver)führungen" zum Beispiel, bei denen man im Trabi, in der Kutsche oder zu Fuß denkwürdige Orte verwirrend inszeniert findet. Oder in "Ausflughafensicht", wo man auf halbem Weg Richtung Leipzig, eingezwängt zwischen Start-, Lande- und Autobahn, das fast verlassene, aber noch widerständische Dorf Kursdorf mit seinen erzählenden Orten entdecken kann.


Theater der Welt 2008 in Halle

Ein Ausbruch von Wahnsinn

von Ralph Gambihler

Halle, 22. Juni 2008. Der bundesdeutsche Rechtsverteidiger Berti Vogts und sein Teamkollege Horst-Dieter Höttges sind Phantome. Und auch Sepp Maier, der Mann, der die Sensation nicht verhindern kann, führt ein geisterhaftes Leben in diesen 90 Minuten. Mit bloßem Auge jedenfalls ist keiner zu sehen. Aber was macht das schon! Jürgen Sparwasser hat jetzt seinen großen Moment. Energisch umkurvt er Höttges und Voigts, lässt den heran stürmenden Maier alt aussehen, schießt und Toooooooooor! – die Sensation ist perfekt.


Theater der Welt 2008 in Halle

Ausbruch in die Provinz

von Ralph Gambihler

Halle, 20. Juni 2008. Es mag sein, dass die Veranstalter nicht glücklich sind über das zeitliche Zusammentreffen mit der Fußball-EM. Am Donnerstagabend aber, dem Abend des "Vorspiels", ergab sich daraus ein wunderbarer Moment urbaner Fülle und Verwirrung. Wie überall im Land bevölkerten die Leute die Kneipen. Mit Schweini und Poldi ging es vor neuester TV-Technik gegen die Elf aus Portugal. Derweil machte eine internationale Gästeschar die Straßen unsicher.


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