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archiv » Sommerfestival Kampnagel Hamburg (13)
Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Alles aus Nichts

von Michael Laages

Hamburg, 11. August 2016. Aus der "Brauerei der Riesen" stammt der Bierkasten, auf dem "Gouyasse" steht. Er ist vor allem leer und eher leicht; und auch darum ist der Herkunftsort das Riesigste an ihm. Eine Artistin stemmt den gelben Kasten in die Höhe, als wöge er drei Zentner, mit den Füßen balanciert sie ihn; und schließlich greift sie ihn sogar mit den Zähnen... wow! Da ist "The greatest Show on Earth" fast schon am Ende; zu Beginn hatte das Mitglied der sehr speziellen Artistenfamilie "La Fortunada" auch schon einen Hocker "bespielt", auf dem (in der Phantasie jedenfalls) ein zu dressierendes Tier saß, vielleicht ein Seehund, womöglich aber auch ein Tiger – den Kopf jedenfalls legte die Fake-Artistin auf den leeren Hocker, als lauerte da der Rachen eines ziemlich wilden Tieres.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Las Vegas zieht auch Puppen an

von Hartmut Krug

Hamburg, 14. August 2015. Dieses Bauchrednertreffen beginnt gleich mit tieferer Bedeutung. Vor einer gestreiften Showgardine schwenken sich 34 Stühle über die offene leere Bühne, und dazwischen stehen acht der neun Spieler im Halbdunkel in Wartestimmung beieinander. Sie reden leise miteinander, sie rauchen oder hantieren mit ihren Puppen. Die meist als Material irgendwo abgelegt oder ausgestellt sind. Nur ein Puppenspieler hantiert mit seiner Puppe, belebt sie, übt mit ihr, spielt mit ihr, beherrscht sie. Wir erkennen gleich in dieser wie beiläufig wirkenden ersten Szene, dass es um die schwierige Beziehung zwischen den Subjekten, den Spielern, und ihren Objekten gehen wird. Also um das, was seit alters her von Spielern, Dichtern und Denkern in der Beziehung zwischen Puppenspieler und Puppen gesucht wird: Die psychologischen Abgründe, die Persönlichkeitsverschiebungen, um das bewusste wie unbewusste Spiel mit ihnen.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Monumente der Einsamkeit

von Alexander Kohlmann

Hamburg, 6. August 2015. Eine Frau liegt unter einem riesigen Bettlaken in der Mitte der Bühne, leere Flaschen stehen drum herum, Kerzen flackern. Es ist finstere Nacht, die Stunden, in denen jene Dämonen kommen, die die Helden der Popmusik immer wieder besungen haben.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

In der Eventbude

von Falk Schreiber

Hamburg, 5. August 2015. Die Diskussion um die Castorf-Nachfolge an der Berliner Volksbühne schenkte dem deutschsprachigen Theater ein neues Feindbild: den Kurator. Der Kurator, das ist jemand, der Theater häppchenweise verabreicht, durchdacht, handwerklich untadelig, aber eben kulinarisch. State of the art, entertaining, teuer, unpolitisch, vor allem: gerne US-amerikanischen Ursprungs. Theater als "Eventbude" (Claus Peymann). So etwas will man hier nicht haben, und in die Kritik an einer befürchteten neoliberalen Umformung der Volksbühne durch den designierten Theaterchef, den Londoner Ausstellungsmacher Chris Dercon, mischte sich schnell ein unangenehmer kulturchauvinistischer Unterton.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Chaos & Naivität

von Falk Schreiber

Hamburg, 22. August 2014. Das Reich der Zeichen ist ein Irrgarten. Oder: ein unübersichtliches Knäuel von Verweisen, bei denen man nicht einmal im Ansatz versteht, auf was sie sich beziehen – bis man nur noch Lärm wahrnimmt, Lärm und Dunkelheit. Willkommen bei "Noise and Darkness", dem neuen Stück der japanischen Radikaltheatergruppe Miss Revolutionary Idol Berserker beim Internationalen Sommerfestival Hamburg.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Alle wollen Chilly

von Falk Schreiber

Hamburg, 6. August 2014. Praktisch alle deutschsprachigen Theater rissen sich darum, etwas mit Chilly Gonzales zu machen, erzählt András Siebold, künstlerischer Leiter des Internationalen Sommerfestivals Hamburg. Ob die Geschichte stimmt oder nicht: Gonzales, 1970 unter dem Namen Jason Charles Beck in Kanada geboren und mittlerweile in Köln heimisch, ist das perfekte Theaterfutter, ein Grenzgänger zwischen begnadetem Rampensautum, klassischer Virtuosität und clubgestählter Coolness, der mühelos zwischen Lecture, Comedy, HipHop und E-Musik zu wechseln weiß. Allerdings ist Gonzales auch ein reizender Querkopf, der sich ungern an ein Projekt binden lässt – weswegen alle Versuche, sein Talent fürs Theater nutzbar zu machen, scheiterten.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps

von Falk Schreiber

Hamburg, 18. August 2012. Vor einigen Jahren verlieh sich Hamburg selbst den Titel "Wachsende Stadt". Das war reines Stadtmarketing, kein Gedanke steckte da hinter, nur die Vorstellung, dass es erstrebenswert sei, wenn die Stadt in absehbarer Zeit auf zwei Millionen Einwohner anwachsen würde. Und Hamburg wächst. Die zwei Millionen sind noch lange nicht erreicht, wenn man aber jetzt schon sieht, wie Mietpreise explodieren und der Verkehr kollabiert, schwant einem: Wachstum um des Wachstums willen ist vielleicht nicht wirklich der Weisheit letzter Schluss.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

"Bin Laden, komm her, schmeiß eine Bombe"

von Nikolaus Stenitzer

Hamburg, 16. August 2012. Während eines No Border-Camps wurde das Schwabinggrad Ballett seinerzeit gegründet – als "eine Kapelle für antizyklische Umzüge zur Unterstützung umstürzlerischer Aktivitäten", wie es Mitbegründerin Bernadette La Hengst formulierte. Für das Kampnagel-Sommerfest hat die Gruppe ihre Zelte in St. Pauli aufgeschlagen.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Geister im Museum

von Falk Schreiber

Hamburg, 11. August 2012. Und am Ende liegt man in einem riesigen Museumssaal, unter Hans Makarts monumentalem Gemälde "Der Einzug Karls V. in Antwerpen" (1878). Man schließt die Augen, man fühlt die Schwere des eigenen Körpers, leise dämmert man ein paar Sekunden weg. Während um einen herum der normale Betrieb der Hamburger Kunsthalle weiterläuft.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Schauen Sie nur

von Simone Kaempf

Hamburg, 9. August 2012. Tor zur Welt, Wachstumsmotor, führend als Warenumschlagsplatz, so soll der Hamburger Hafen sein. Zumindest im Jargon der Marketingexperten. Mittlerweile ist auch das ökologisch optimierte Wohn- und Arbeitsquartier Hafencity mehr als zur Hälfte fertiggestellt. An der Elbphilharmonie wird weitergebaut, trotz Kostenexplosion. Höher, weiter, schneller geht gut hier. Und doch sind die Zeiten noch nicht vorbei, dass ein Hafenbesuch ein verlangsamtes, verschlafenes Sonntagsgefühl verbreitete.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg
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Termiten überall

von Katrin Ullmann

Hamburg, 24. August 2011. Alles fehlt: Raum, Körperlichkeit, Mimik, Handlung, Dramaturgie. Anstelle einer erzählten Geschichte fliegen zahllose Gedanken, anstelle schauspielerischer Interaktion sind da zwei ruhig nebeneinanderstehende Darsteller, anstelle einer Bühne stapeln sich zwei Europaletten vor einer bunten Lichterkette und einem leeren, abgedunkelten Raum.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Älter als Gott

von Katrin Ullmann

Hamburg, 13. August. 2010. "Jede Fahrt mit einem Boot ist möglicherweise die letzte." Kaum ist man vertrauensvoll in das Ruderboot des Hamburger Kanu Clubs eingestiegen, kaum hat man sich zurechtgesetzt und sich ein wenig an das sanfte Schaukeln gewöhnt, kaum hat man den jungen, kräftigen Ruderer gemustert und gemutmaßt, dass dies wohl nicht seine erste Bootsfahrt sein mag, kaum hat man ein wenig Sicherheit gewonnen, schon hört man diesen einen, ersten Satz. Eine warme, freundliche Stimme (Thomas Kuegel) spricht ihn. Harmlos. Und doch bedeutungsvoll.


Sommerfestival Kampnagel Hamburg

Es war der Spatz und nicht die Taube

von Katrin Ullmann

Hamburg, 14. August 2008. "Sommer! In diesem Sommer auch in Hamburg". Das versprechen grellpinkfarbene Plakate in U-Bahnhöfen und am Straßenrand und meinen damit das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel. Matthias von Hartz hat die künstlerische Leitung inne und internationale Künstler aus Tanz, Musik, Theater eingeladen. Drei Wochen lang will von Hartz "Kunst der Weltklasse" präsentieren.


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