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archiv » Theater Aachen (8)
Theater Aachen

Gegen die Gemeinschaft

von Gerhard Preußer

Aachen, 2. Dezember 2016. Lässig, locker, völlig untheatralisch kommt der Chor auf die Bühne - wie Zuschauer, die sich auf die Bühne verirren. Sind es ja auch. Für die Aachener Inszenierung von David Greigs Stück über die Bewältigung einer ideologisch motivierten Massenerschießung, das 2013 in Edinburgh Premiere hatte, kurz darauf an den koproduzierenden Theatern in Norwegen und Wien gezeigt wurde (und 2014 den Nestroy-Preis erhielt), hat das Theater einen eigenen Laienchor zusammengestellt.


Theater Aachen

Die Geister der Vergangenheit

von Sascha Westphal

Aachen, 19. März 2016. Ein unten schiefergraues, oben eher betongraues Halbrund begrenzt die Bühne nach hinten. Ein Ausgang ist erst einmal nicht zu erkennen. Vorne an der Rampe stehen ein Stuhl und ein simpler Holztisch, an dem Siggi Jepsen seine Strafarbeit über die "Freuden der Pflicht" schreiben soll. Natürlich deutet das alles die Zelle an, in die Siggi in einem Heim für schwererziehbare Jugendliche eingeschlossen wird. Aber das eigentliche Gefängnis, in dem der Ich-Erzähler aus Siegfried Lenz’ 1968 veröffentlichtem Roman steckt, sind seine Erinnerungen. Also hat Norbert Bellen für Bernadette Sonnenbichlers Bühnenadaption der "Deutschstunde" einen Raum geschaffen, den es so nur in Siggis Kopf gibt.


Theater Aachen

Erlösung durch den Teufel

von Stefan Keim

Aachen, 11. Januar 2015. Frank Castorf, Simon McBurney, Kay Voges, Sebastian Baumgarten – sie alle haben Michail Bulgakovs epochalen Roman "Der Meister und Margarita" für die Bühne bearbeitet. Sie haben starke Bilder und Gedanken, großartige Songs, packende Schauspieler präsentiert. Aber niemand hat so einfühlsam und detailgetreu die Geschichte erzählt wie nun Bernadette Sonnenbichler am Theater Aachen.


Theater Aachen

altReiner Anrufungszauber

von Guido Rademachers

Aachen, 1. April 2012. Abracadabra. Albrecht Hirche hat sich für seine Inszenierung von Purcells/Drydens Semi-Oper "King Arthur" – einem originär britischen Spezialmix aus Schauspiel und Oper – ein dreieckiges Podest auf die Aachener Bühne stellen lassen. Das Zauberwort ist entlang der Basis geschrieben, die die gesamte Bühnenbreite einnimmt. Zur Spitze des Dreiecks hin wiederholt es sich, dabei entfällt jeweils der erste und letzte Buchstabe. Bis schließlich in dem zum Publikum zeigenden spitzen Winkel ein "A" übrig bleibt. Den Uneingeweihten belehrt Hexenmeister Hirche per Programmheft: Nachgebildet ist ein magisches Amulett im Riesenformat, das Unheil und Schmerzen minimieren soll.


Theater Aachen
alt

Fass mich nicht an!

von Guido Rademachers

Aachen, 4. März 2011. Von Uxbridge nach Stockport. 200 Meilen Einsamkeit und wieder zurück. Harper Regan hat sich auf den Weg gemacht, um den im Sterben liegenden Vater zu sehen, und kommt zu spät. In einer Bar rammt sie einem aufdringlichen Journalisten ein Bierglas in den Hals, dass er blutend zu Boden geht. Sie verabredet sich übers Internet zum Hotelzimmersex, besucht nach Jahren ihre Mutter und kehrt schließlich zur Tochter und ihrem der Kinderpornografie verdächtigten Mann zurück. Den Job ist die 41-Jährige wegen der nicht genehmigten Urlaubstage wohl los. Aber obwohl nach der Reise, die eine Reise ins Ich war, nichts mehr so ist wie vorher, hat sich doch eigentlich auch nichts verändert. Weggehen, um nach Hause zu finden. Harper Regans Rebellion inthronisiert das soeben Gestürzte auf wundersame Weise neu.


Theater Aachen

Eine Art Gegen-Kolonisation

von Guido Rademachers

Aachen, 20. November 2009. Ausstatter Knut Klaßen wird sich für das Bühnenbild nicht allzu sehr den Kopf zerbrochen haben: auf die kleine Spielfläche der Aachener Kammer hat er eine Wand mit großen Fotos geschoben. Sonst nichts. Die Fotos sind in Schwarzafrika aufgenommen und zeigen ein am Straßenrand ausgeübtes magisches Ritual.


Theater Aachen

Facetten eines Phänomens

von Ulrike Gondorf

Aachen, 6. Februar 2009. Henning trägt einen Jogginganzug, Finni einen weißen Rock und einen kurzen rosa Blazer, Klaus eine Lederjacke. In der Kleidung unterscheiden sie sich nicht von ihren Kindern, vielleicht nicht einmal von ihren Enkeln. Vorbei die Zeiten, von denen Barbara erzählt: Sie erinnert sich an ihre Großmutter nur von einem Foto: eine bis zum Kinn in ein steifes, dunkles Kleid eingezwängte alte Frau mit einem schwarzen Hut. Als die Aufnahme gemacht wurde, war die Großmutter Anfang 60 - rund 20 Jahre jünger als die elegante Barbara, die ein dezent gemustertes Kostüm und eine graue Kurzhaarfrisur trägt und ihrerseits leicht für Anfang 60 durchgehen könnte.


Theater Aachen

Innerer Vorgang des Romanlesens

von Dorothea Marcus

Aachen, 30. Oktober 2008. Romanadaptionen sind in Mode. Kleine Theater schmücken sich gern mit großen Namen und können dazu noch "Uraufführung" in die Pressemitteilung schreiben. Haruki Murakamis letzter Roman "Afterdark" von 2005 allerdings scheint sich besonders schlecht fürs Theater zu eignen: verschiedene Erzählstränge, die sich von Mitternacht bis zum Morgengrauen punktuell berühren. Ansonsten wird in diesem Buch unheimlich viel geschlafen – ein eher untheatralischer Vorgang.


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