zurück zur Übersicht

archiv » Salzburger Landestheater (6)
Salzburger Landestheater

Backstage ist das Publikum

von Martin Jost

Salzburg, 5. September 2016. Den Fernsehsender Servus TV gibt es zweimal, einmal für Österreich und einmal für Deutschland. Auf Servus TV Deutschland lief am Sonntagabend die Dokumentation "Die Nordsee, unser Meer". Auf Servus TV Österreich lief zur selben Zeit die Verfilmung "Die Räuber" nach Friedrich Schiller. Der Rezensent hätte sich gern die Live-Übertragung der "Räuber" aus dem Salzburger Landestheater angesehen, um sie nochmal mit seinen Eindrücken vom Vorabend aus dem Theater abzugleichen. Doch der österreichische Servus-TV-Stream verweigerte auf deutschen Endgeräten den Dienst.


Salzburger Landestheater

Ein weiblicher Comedian in Burka, ey, krass!

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 5. Februar 2016. Für Pedanten: Das Ding, bei dem nur der Augenschlitz offen bleibt, heißt gar nicht Burka, sondern Niqab. Aber wir Arabisch-Analphabeten kennen nur das eine Wort für das Frauengewand, in das sich alle Vorurteile, tendenziösen Unterstellungen und unangenehmen Beobachtungen so wunderpaar einpacken lassen. Ist all das mal sehdicht in schwarzen Stoff gehüllt, vor-verurteilt es sich deutlich unbelasteter.


Salzburger Landestheater

Es kommt der Moment, wo es aufhört

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 5. Februar 2015. Der Reutlinger Journalist Wolfgang Bauer ist ein Günter Wallraff der Immigration aus Afrika. Undercover machte er sich auf den Weg, mit syrischen Flüchtlingen, von Ägypten (wo diese Menschen auch schon Exilanten waren) nach Europa. Seine aufrüttelnden Texte konnte man in der "Zeit" nachlesen und seit vorigem Herbst auch im Buch (bei Suhrkamp). Und nun auf der Bühne, in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters: "Über das Meer".


Salzburger Landestheater

Helden sterben – aber nicht aus

von Heidemarie Klabacher

Salzburg, 15. März 2010. "Es können nur Männer verstehen, was uns Männer vereint." Dazu ein schicksalschwangeres Cello-Solo. Heiterer Rock'n Roll untermalt dagegen die Erkenntnis: "Männer sind wie Marzipan." Der angeschossene Held preist mit letztem Odem einmal noch das Leben: "Bye-bye Lebenslust, mein Gott das war ein Frust" – und irgendwie geht sich das tatsächlich aus mit der verqueren Textvariante und der unsterblichen Melodie der Everly Brothers.

 


Salzburger Landestheater

Die tausendundzweite Nacht in New York

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 20. November 2009. James, der erfolglose Autor von Kitsch-/Knall-/Herz-/Schmalz-/Zeitgeiststücken, hat noch das Messer in der Hand. Gerade vor der Pause war er noch Haimon, Sohn des Kreon, Gespons der Antigone – und damit eines der Sophokleischen Tragödien-Opfer. Alle in dem bunten Bühnenvölkchen haben irgendwas (ein Kleidungs-, ein Ausstattungsstück) vom Stück zuvor an sich, damit der Wiedererkennungswert steigt. Sogar der Bote hat seinen Spieß dabei, auf den jetzt freilich ein Mikrophon gebunden ist. Er ist jetzt nämlich derjenige im Team, der das Mikro nahe zu den Schauspielern, aber tunlich aus dem Bild halten wird.


Salzburger Landestheater

Parodien zuhauf

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 7. November 2008. Ein nackter Gekreuzigter trägt auf dem Kopf ein Hirschgeweih und pisst Rotwein. Allerlei redesames Volk findet sich an dieser originellen Tränke ein und tratscht und klatscht über den Maestro Herbert von Karajan. Sogar der Erzbischof ist da und reitet auf einer goldenen Hirschfigur: Anspielung auf den "Goldenen Hirschen", einen bekannten Society-Treff gleich gegenüber dem Salzburger Festspielhaus. "Kunst, Kneipe, Kirche – wir halten unser Salzburg sauber", sagt einer. Und in einer anderen Szene wird es heißen: "Nazi war er keiner – er war halt ein Salzburger."


zurück zur Übersicht