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archiv » Zimmertheater Tübingen (5)
Zimmertheater Tübingen

Die Jungs machen halt die Drecksarbeit

von Steffen Becker

Tübingen, 16. Januar 2016. "Das Böse triumphiert allein dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen", zitieren die Darsteller des NSU-Rechercheprojekts "Auch Deutsche unter den Opfern" den Philosophen Edmund Burke. Hm, was kann man also tun im Angesicht einer rechtsextremen Terrorserie, die das Vertrauen in den Staat erschüttert hat? Regisseurin Sapir Heller entscheidet sich im Zimmertheater Tübingen, ihre drei Schauspieler tanzen zu lassen: Aerobic zum Schlager-Evergreen Ein bisschen Frieden. "Und jetzt Five, Six, Seven, Eight – Keep smiling", feuert Katrin Kaspar ihre Mitspieler Philipp Lind und Paul Schaeffer an. Aber war da nicht was? Richtig: Passend zum Refrain erscheint Beate Zschäpe auf der Leinwand – eine Zufallsaufnahme aus der Zeit im Untergrund zeigt sie beim Gruppenfitness an der Ostsee. Tja, auch böse Menschen bewegen sich rhythmisch. Und Zschäpe sieht dabei völlig normal aus. Schnitt.


Zimmertheater Tübingen

Alkoporn-Kapitalismus made in EU

von Steffen Becker

Tübingen, 27. September 2013. Wenn Neuwahlen kommen, dann vielleicht doch die AfD! Die ist explizit zwar nur gegen den Euro, aber unterschwellig auch gegen diesen anderen Mist, den die EU uns gebracht hat – Menschenhandel, Mafia, Wohlstandsflüchtlinge, etc. (wird man ja wohl sagen dürfen). "Three Kingdoms" von Simon Stephens, in Tübingen von Stefan Rogge inszeniert, wirft einen mitten hinein in den Dreck, der über die offenen Grenzen herüberschwappt und in London, Station eins, den mit einer (stumpfen!) Säge abgetrennten Kopf einer Prostituierten mit sich führt.


Zimmertheater Tübingen

Abschied von einem Philosophen

von Verena Großkreutz

Tübingen, 18. Februar 2010. "Professor Lear" ist ein gemütlicher Titel: Klingt vertraut und setzt doch Assoziationen in Gang. Ein Zwitter aus Professor Unrat und König Lear? Nein, mit beiden hat Joachim Zelters so benanntes Stück, das jetzt im Zimmertheater Tübingen in der Regie von Theaterleiter Christian Schäfer zur Uraufführung kam, so gut wie nichts zu tun.


Zimmertheater Tübingen

Wenn Priamos einen Schnupfen bekommt

von Otto Paul Burkhardt

Tübingen, 5. März 2009. Alle reden über Walter Jens. Seine Demenz, sein Wandel vom großen Rhetoriker zum sprachlosen Pflegefall, der am liebsten Karnickel füttert und sich wie ein Kind über Wurstweckle freut: Alles wurde öffentlich ausgebreitet. Sohn Tilman Jens deutet die Krankheit des Vaters gar als Rückzug, als "fatale Schweige-Krankheit" angesichts der schamvoll verdrängten NSDAP-Mitgliedschaft.


Zimmertheater Tübingen

Jetzt blatzt die Blase!

von Otto Paul Burkhardt

Tübingen, den 17. Januar 2009. Sie haben alles – und doch fehlt ihnen etwas. Weil beide das spüren, nehmen Johannes, Fondsmanager, und Lisa, Redakteurin, eine Auszeit vom Alltag. Wohin? Auf eine Almhütte? Auf die Malediven? Nach New York? Nein, Johannes hasst verbrauchte, verwertete, ausgeleierte Orte. Er reist mit Lisa über die Dörfer.

 


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