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archiv » Theater Baden-Baden (6)
Theater Baden-Baden

Die Rock-me-Amadeus-Römer-Mittelschicht

von Steffen Becker

Baden-Baden, 27. November 2015. Nehmen wir an, Sie bieten ein Produkt an, dessen Verkauf Sie nicht überwachen. Sie stellen nur ein Kässchen hin und warten ab, was passiert. Was glauben Sie, wer wird eher den geforderten Betrag einwerfen? Die Mutti, die im Kleinwagen und zwei Kindern vorfährt oder die reich behängten Insassen der Limousine? Gut, die rhetorische Frage illustriert die These, dass die Knauserigkeit mit dem Reichtum steigt, etwas holzschnittartig. Aber Autor Stephan Teuwissen hält sich in seinem neuen Stück "Die Geizigen" nur dann mit Philosophie auf, wenn seine Figuren Marcus Tullius Cicero zitieren. Ansonsten bietet sein Mash-Up aus Molières "Der Geizige" und "Der Goldtopf" des römischen Dichters Plautus vor allem Highspeed-Komik.


Theater Baden-Baden

Im Dazwischen

von Harald Raab

Baden-Baden, 16. Mai 2014.  Üppige Blumenpracht im Kurpark. Diskreter Charme der betuchteren und vorwiegend älteren Bourgeoisie. Nostalgische Erinnerungen allenthalben. Das schmucke, kleine Gründerzeit-Theater, Miniatur-Kopie der Pariser Oper, gleich neben dem Spielcasino, ist genau der richtige Ort für ein Experiment: in memoriam 1. Weltkrieg. Hier, wo man sich französischem Savoir Vivre verbunden fühlt und deutsche Bürgerbehaglichkeit nicht missen mag, wird an links- und auch ein bisschen rechtsrheinische  Zerrissenheit erinnert und damit auch an den Unsinn nationaler Zugehörigkeiten. Sie wurden den Menschen aufgezwungen, die doch nur gut und in Frieden leben wollten.


Theater Baden-Baden

Verpasste Leben

von Elisabeth Maier

Baden-Baden, 6. Dezember 2013. Der Streit um den Morgenkaffee wird bei dem Mittfünfziger Vania und seiner Adoptivschwester Sonia zum Kampf um die nackte Existenz. Vania, Sonja, Mascha – die Namen sind nicht zufällig gewählt. Ihre Eltern waren Professoren, die Tschechows Dramen liebten. An diesem Bildungsballast ersticken die erwachsenen Kinder. Eine Familie, in der Schein und Sein aus dem Gleichgewicht geraten, zeigt der amerikanische Dramatiker Christopher Durang in seinem Stück "Vania und Sonia und Mascha und Spike".


Theater Baden-Baden

Der Weg allen Fleisches

von Harald Raab

Baden-Baden, 26. April 2013. Rührend unschuldig, wie Nina das Kleidchen steht. Kein Wunder, dass sich der Verkäufer in diese Kundin verliebt. Es endet, wo es enden muss – in der Kiste. So weit so banal – schnelles Beziehungsbusiness as usal. Die Geschichte hat jedoch mehr als einen Haken: Nina ist eine Todeskandidatin, das Kleidchen ein Totenhemd, der Verkäufer ein Bestattungsunternehmer und die Kiste ein Sarg.


Theater Baden-Baden

Tod im Puppenhausalt

von Elisabeth Maier

Baden-Baden, 22. Juni 2012. Gefangen in ihrer Langeweile tanzt Madame Bovary in den Tod. Immer tiefer verstrickt sich die Ehefrau und Mutter im Spinnennetz der Lüge, das der französische Dichter Gustave Flaubert im 19. Jahrhundert in seinem Meisterwerk des Realismus webte. Für die Berliner Regisseurin Katja Fillmann ist der Roman mehr als reizvolles Spielmaterial.


Theater Baden-Baden

Tun oder Nichtstun?

von Sibylle Orgeldinger

Baden-Baden, 23. Januar 2009. Die Maschine Alltag läuft. Alles wird immer gleicher. Du wirst älter. Und so vergeht die Zeit und läuft auf einen letzten entscheidenen Punkt hin: Die Maschine Alltag explodiert! – Jahrzehntelang hat Karl Auer seinen Beruf ausgeübt: Büro oder Handwerker, vielleicht Schreiner. Oder Bademeister. Die letzten zwei Jahre hat er nur noch auf den Ruhestand gewartet. Sich auf das Nichtstun gefreut. Aber geht das überhaupt – nichts tun?


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