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archiv » Theater 89 (2)
Theater 89

Im Grunde genommen kaputt

von Esther Slevogt

Berlin, 11. März 2012. Sie sehen ein bisschen wie Untote aus, diese Männer und Frauen mit den weiß geschminkten Gesichtern, den hervorgehobenen Gesichtsfalten und Augenringen. So, als geisterten sie in ihren grauen Anzügen regelmäßig durch diesen Saal, um die Geschichte wieder und wieder zu spielen. Hier, im Europasaal des Auswärtigen Amtes in Berlin, einem Gebäude, das mit einer Menge Geistern umgehen muss: 1934 als erster Staatsbau des Naziregimes für die Reichsbank fertiggestellt, wurde es von 1959-1989 vom ZK der SED genutzt, das in diesem Saal seine Beratungen abhielt.


Theater 89

Kleiner Mann, das nun

von Hartmut Krug

 

Berlin, 1. Februar 2009. Dieser Einzelhändler ist keiner, der den herrschenden Ansichten widerspricht, sondern ein Einverstandener. Doch obwohl er, "nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, inzwischen eingeführter Demokratie vorurteilslos gegenübergetreten" war und, "da sie sich wenig später auch geschäftlich bewährt hatte, zu ihren Befürwortern" zählte, verliert er nach 21 Jahren sein Drogeriegeschäft. Der tüchtige Drogist aus Egon Monks auch verfilmter Erzählung "Industrielandschaft mit Einzelhändlern" aus dem Jahr 1970 scheitert gerade deshalb, weil er sich ganz an die Regeln eines Wirtschaftssystems hält, das ihm Wohlstand durch Selbständigkeit verspricht.


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