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archiv » Landestheater Detmold (5)
Landestheater Detmold

Auf dem Leichentuch von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit

von Sascha Westphal

Detmold, 6. Mai 2016. Ein Vorhang in den Farben der französischen Nationalflagge hängt von Bühnenhimmel herab und bedeckt auch gleich noch die gesamte Vorderbühne. Seine besten Tage hat er allerdings schon hinter sich. Die Farben leuchten längst nicht mehr, und nicht nur auf dem weißen Streifen zeichnen sich deutlich Flecken ab. Das Banner der französischen Revolution war nun einmal von Anfang an ein riesiges Leichentuch. Das wissen natürlich auch Georg Danton, seine Frau Julie und seine engsten Vertrauten Camille Desmoulins, Philippeau und Herault-Séchelles, und sie ahnen ebenso, dass ihre Zeit sich mehr und mehr dem Ende zuneigt.


Landestheater Detmold

Zerplatzte Hoffnungen

von Sascha Westphal

Detmold, 15. Januar 2016. Am Ende ihres Textes "für drei Spielerinnen und einen Männerchor von drei Stimmen" stellt Henriette Dushe den Regisseur vor die Wahl. Er kann dieses sechsstimmige Klagelied mit dem Chorsatz "Vollendet ist das große Werk" aus Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" ausklingen lassen. Wenn ihm das zu pathetisch erscheinen sollte, schlägt die Autorin alternativ vor, dass "der Männerchor vielleicht Schuberts 'Die Nacht'" anstimmt: "Wie schön bist du, / Freundliche Stille, himmlische Ruh'!" Malte Kreutzfeldt hat sich bei seiner Uraufführungsinszenierung für diese sehnsuchtsvollen Zeilen entschieden, und sie erklingen nicht nur am Ende, sondern auch schon gleich zu Beginn.


Landestheater Detmold

Morden als natürlicher Zustand

von Stefan Keim

Detmold, 16. Januar 2015. Herzog Theodor hat seinen Bruder umgebracht. Wenig später erkennt er, dass der Mord ungerechtfertigt war. Es ist ihm egal. Er hat nun schon so viel getötet, jetzt kann er auch einfach weitermachen. Der junge Christian Dietrich Grabbe hat 1822 ein ungewöhnlich bitteres und zynisches Theaterstück geschrieben. Seine Zeitgenossen konnten nichts damit anfangen, wenn sie denn überhaupt Kenntnis davon nahmen. Uraufgeführt wurde es erst 70 Jahre später. In den vergangenen Jahren wird es gelegentlich wieder inszeniert, in Karlsruhe, München und in der Bochumer Rottstraße 5 – nun auch in Grabbes Heimatstadt Detmold.


Landestheater Detmold

Gnadenlos, aber genüsslich

von Ulrich Schmidt

Detmold, 15. September 2010. Zur Saisoneröffnung begann das Landestheater Detmold in seiner zweiten Spielstätte, dem Grabbe-Haus, mit Werner Schwabs "Die Präsidentinnen". Das wirklich kleine Haus ist für dieses Kammerspiel wie geschaffen. Die Präsidentinnen Erna, Grete und Mariedl kennen eigentlich nur die Kehrseite des Lebens, die Abgründe mit Männern, ihre Lüste und Gelüste und vor allem ihre Perversionen. Vom Leben im wahrsten Sinne des Wortes beschissen, reden sie vor allem von Scheiße, von hartem und weichem Stuhl. Geistig tut sich die Enge zwischen Kinder, Küche, Kirche auf.


Landestheater Detmold

Teutsche Recken im Schlamm

von Michael Laages

Detmold, 5. Februar 2009. Sie haben sich wirklich viel vorgenommen – zum einen dieses sonderbare, wie aus der Zeit gefallene Stück zu retten, es kenntlich bleiben zu lassen gegenüber dem offensichtlichen Missbrauch, der mit ihm getrieben wurde: "Die Hermannschlacht" von Christian Dietrich Grabbe, diesem Verlorenen im literarischen Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts.

 


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