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archiv » Theater Kiel (12)
Theater Kiel

Die Gewissensmaske der Eselin

von Michael Laages

Kiel, 15. April 2016. Der Heimspiel-Bonus gilt für diesen Autor immer – im allerhöchsten Norden schlug der türkischstämmige Feridun Zaimoglu ja Wurzeln, und das Kieler Publikum hat sich nicht nur gewöhnt an den smarten Grobian, seit er mit "Kanak Sprak" vor vielen Jahren den Sound seiner Generation beschwor. Gemeinsam mit Ko-Autor Günter Senkel übertrug Zaimoglu in der Folge einige Shakespeare-Klassiker in zeitgenössische Sprache. Die beiden gingen dabei gern recht ruppig zu Werke, fanden aber den eigenen Ton – und speziell daheim in Kiel können sie sich des Zuspruchs immer sicher sein.


Theater Kiel

Die traurige Fabel vom toten Kind

von Michael Laages

Kiel, 15. Januar 2016. Wie herrlich herzlich er sich freuen kann ... und weil das so ist, enden deutschsprachige Erstaufführungen der Stücke von Simon Stephens (und überhaupt Premieren, zu denen er immer wieder sehr gern nach Deutschland kommt) mit dem immer gleichen Ritual: wenn der Autor praktisch allen im Premierenbeifall um die Hälse fällt, sie herzt und küsst und im Grunde am liebsten immer gleich das ganze Theater mit hochleben lassen würde. Er weiß halt, wie viel vom eigenen Erfolg er der Bereitschaft deutscher Dramaturgien, Regisseurinnen und Regisseure verdankt, seine Arbeiten richtig ernst zu nehmen. Das ist jetzt in Kiel nicht anders.


Theater Kiel

Vom Untergang der Apfelmenschen

von Michael Laages

Kiel, 9. Januar 2015. Wer wohl nicht an diesen Punkt gekommen ist, irgendwann, eines Tages, in höherem Alter, manchmal auch schon früh: an den Heimat-Punkt … wer hätte sich dann nicht gefragt nach dem Zuhause. Der Dichter Peter Handke bekannte, dass ihn die Geschichten, die er in seinem zuletzt uraufgeführten Theatertext "Immer noch Sturm“ erzählt, schon lange umgetrieben hätten; herum geträumt habe er immer wieder an der Beschwörung dessen, was Erinnerung und Heimat war und blieb für ihn.


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Gigolo auf Identitäts-Shoppingtour

von Jens Fischer

Kiel, 5. April 2012. Der Mensch findet sich selbst nur, indem er sich erfindet. Mal ganz existenzialistisch gedacht. So wird aus Thomas Manns Tausendsassa Felix Krull, der in einer geschickten Mischung aus Lebenslust und Kalkül sein Blenderkunsthandwerk mit dem edlen Parfüm des Charmes darbietet, ein vergötterter Held unserer Zeit. Denn der Schein, die Fantasie, das Schauspiel sind der Stoff, aus dem die Wirklichkeit gemacht ist. Ein Spielfeld unserer Wunschfantasien. Darauf agieren begnadete Betrüger als Entertainer menschlicher Sehnsüchte, werden zu idealen Verkäufern.


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altKrachende Beziehungskisten

von Hartmut Krug

Kiel, 26. Februar 2012. Ein Paar streitet sich. Der Erregungslevel ist aus dem Stand hoch, – bei der Frau. Sie ist empört, er hilflos. Sie macht ihm heftige Vorwürfe, dem Wichser, der sich ficken soll, und er versteht die Beziehungswelt nicht mehr. Dabei soll er doch nur die Wahrheit sagen. Allerdings, das hilft wenig. Denn die Wahrheit ist ein kleines Adjektiv, das jeder anders interpretiert. Und so steckt Greg mit seinen Erklärungs- und Beschwichtigungsversuchen, mit seinen Liebesbeteuerungen, mit all seiner Ernsthaftigkeit in der Falle. Denn was er auch sagt, nimmt ihm die furienhaft jähzornige Steph übel. Greg hat mit seinem Freund und Arbeitskollegen über Frauen geredet, wie man das manchmal so unter Männern tut. Es gibt eine neue, junge Kollegin in ihrer Firma, und deren Gesicht finden sie schön, und nicht nur das. Stephs Gesicht aber, hat Greg seinem Kollegen Kent gesagt, sei normal. Davon ist Steph in ihrem Selbstbewußtsein tief getroffen, denn sie übersetzt "normal" mit "hässlich".


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Mit Dante über letzte Dinge gesprochen

von Katrin Ullmann

Kiel, 25. November 2011. "Ich hasse Museen. Da hängt ein Bild an der Wand. Starr. Du stehst da. Reglos. Du glotzt." Der "Schwermütige" aus Feridun Zaimoglus und Günter Senkels jüngstem Stück scheint es nicht auszuhalten in diesen Räumen der Kieler Kunsthalle – "Kopfschmerzen. Die Luft. Das Feierliche. Totenkammer." – und doch wird er knappe eineinhalb Stunden darin bleiben. Er wird eine Reise machen durch seine jüngste Vergangenheit, er wird Fragen über das Leben stellen und von seiner Liebe zu Thea erzählen. Er wird immer tiefer eintauchen in diese Museumswelt und ihre (Erinnerungs)bilder, und schon bald ist klar: Für ihn und seinen Begleiter den "Züchtiger" sind diese Räume eine Art Zwischenwelt. Irgendwo zwischen Diesseits und Jenseits.


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Ganz in Eis

von Michael Laages

Kiel, 9. Oktober 2011. Die Begeisterung des Dichters über sich selbst ist recht gut verständlich – "Kein bisschen Dichtung!", mit diesem Jubelruf (so zitiert das Programmheft eine Biographie über Federico Garcia Lorca) sei der während der Niederschrift des postum berühmtesten Lorca-Stückes im Sommer 1936 Szene um Szene zum Nachbarn hinüber gerannt; reiner Realismus sei ihm stattdessen gelungen mit der Geschichte um "Bernarda Albas Haus".


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Du hast mich umgebracht!

von Matthias Weigel

Kiel, 1. Oktober 2011. Wie alte Leute nerven können! Voller Macken und irrationaler Angewohnheiten, aus denen sie keinen Hehl mehr machen. Wenn sie den Absprung nicht schaffen, ihren Kindern die Verantwortung zu übertragen, obwohl sie längst (von sich selbst unbemerkt) untragbar werden. Also: Sorgen Sie früh vor! Rufen Sie früh genug Ihre Kinder zusammen und fragen Sie, welches Kind Sie eigentlich am meisten liebt.


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Die Marx Brothers in Rom

von Michael Laages

Kiel, 9./10. April 2011. Gut – am Schreibtisch in der Dramaturgie und selbst noch in den Ankündigungen des Theaters nahm sich die Idee ja verlockend aus: eines der seltener gespielten Dramen aus Shakespeares reichem Fundus nicht nur neu (und natürlich auch ganz toll jung, frisch und superfrech undsoweiter) interpretieren, sondern es quasi auch "überschreiben" zu lassen, der neuen Les-Art obendrein noch eine neue Schreib-Art hinzuzufügen. Und weil ja der mit derlei Shakespeare-Überschreibungen seit geraumer Zeit recht erfolgreiche Autor Feridun Zaimoglu in Kiel zu Hause ist, hat ihn das sonst eher selten auffällige Theater der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt für den doppelten Cäsar mit ins Boot geholt. Der "Julius Cäsar"-Inszenierung von Marc Lunghuß fügten also Zaimoglu und Ko-Autor Günter Senkel "ihr" Kaisermörderdrama hinzu.


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Nie die Härte des Atlantiks gespürt

von Herdis Hiller

Kiel, 9. Juli 2010. Was macht der Überlebenskampf aus uns? Und was ist der Urgrund unserer Existenz? Diese Fragen stellt Herman Melville mit seinem weltbekannten Roman "Moby Dick". Darin erzählt er von Ungeheuern, von der Hölle auf dem Grund des Meeres und der Absurdität des Daseins. Mystisch, dunkel und tief. Das Buch entführt seine Leser auf ein Walfangschiff im rauen Atlantik. Die Bühnenfassung hingegen – uraufgeführt in der Kieler Fischereihafen-Halle – führt das Publikum auf einen Ausflugsdampfer.


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Ach, dieses kalte Seelengefängnis

von Jens Wellhöner

Kiel, 22. Mai 2010. Ellida Wangel lebt in einem kleinen norwegischen Dorf als Frau eines Arztes. Sie träumt davon, frei im Meer zu leben, wie eine Robbe. Täglich schwimmt sie im Fjord, aber ihre Sehnsucht nach dem Meer kann dadurch nicht gestillt werden. Aufgewachsen ist sie in einem Leuchtturm, wild und frei. Nach dem Tod ihrer Eltern suchte sie Schutz und Geborgenheit bei einem Man, der sie mit in seine enge Welt aus Konventionen nahm: in ein enges Dorf, zu zwei Stieftöchtern, die die Neue im Haus schnell hassen. Der Schutzraum Ehe, den sie suchte, wird für Ellida zum Gefängnis. Da trifft sie ihre alte Liebe wieder: Einen Seemann, der sie vor zehn Jahren verließ. Jetzt will er sie auf seinem Schiff mitnehmen.


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Andere Sicht auf ein Politdrama

von Jens Wellhöner

Kiel, 19. April 2009. Es ist der September 1987: Der schleswig-holsteinische Minsterpräsident Uwe Barschel wird beschuldigt, seinen Gegenkandidaten von der SPD, Björn Engholm, ausspioniert zu haben. Im Laufe der Affäre kommen immer mehr unappetitliche Einzelheiten ans Tageslicht. Schließlich tritt Barschel zurück und wird wenige Wochen später tot aufgefunden.

 


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