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archiv » Metropol Theater München (5)
Metropol Theater München

Träume ohne Gnade

von Sabine Leucht

München, 2. Juni 2016. Den Schlussapplaus holen sich die Schauspieler in neuen Rollen ab. Eine raue Coverversion von Simon & Garfunkels "Sound of Silence" beschwert die Stille. Und durch den bühnenbreiten Vorhang auf der Bühne des Metropoltheaters schimmern zehn gesichtslose bunte Schemen. Es ist ein Überraschungsmoment, wenn auf einen Schlag zehn Menschen hinter ihnen hervortreten, um dann sehr ernst und in starren Posen die ersten Klatscher zu provozieren. Ihre sanft folklorisierten Gewänder haben sie mittlerweile gegen schwarze Alltagskleidung getauscht, in der sie wirken wie Puppenspieler, die gerne unsichtbar bleiben.


Metropol Theater München

Lumpiges Liebesquartett

von Cornelia Fiedler

München, 10. Juli 2014. "Die Menschen mögen nicht, dass man träumt, deswegen stoßen sie einen, damit man aufwacht." Das ist einer dieser schönen, traurigklugen Sätze, die den französischen Film "Kinder des Olymp" (1945) trotz flackerndem Schwarzweiß, schlechter Tonqualität und überspannter Spielweise so seltsam berührend machen. Versucht man, all diese Sätze zu Menschen aus Fleisch und Blut zusammen zu setzen, entwischen sie einem allerdings, ein unverbindliches Schaustellerlächeln auf den Lippen.


Metropol Theater München

Bechertelefon und Börsencrash

von Sabine Leucht

München, 4. Juli 2013. Dieses Stück beschreitet neue Wege. Erstens besitzt es eine eigene Website oder hält sie bis auf Weiteres besetzt. Zudem hat es sich selbst auf den Markt geworfen und zwar auf einen, der bislang nicht auf Theaterstücke eingestellt ist. Also kamen die Uraufführungsrechte an "Schuld und Schein" bei ebay für kauzige 55 Euro unter den Hammer. Und weil den glücklichen Zuschlag das Freimanner Metropoltheater erhielt, muss man sich um den Unterhaltungswert seiner szenischen Umsetzung nicht sorgen. Denn längst weiß man schon über die Grenzen Münchens hinaus, dass Jochen Schölch im Norden der Stadt noch jedem Stoff mit sparsamen Mitteln das Tanzen lehrt.


Metropol Theater München
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Der Zauber der Selbstzerstörung

von Steffen Becker

München, 17. Juni 2011. Der Teufel ist auch nur ein Mensch. Das Universum des Stückes "Merlin oder Das wüste Land" betritt er als Zauberer, der die Tafelrunde gründet, um die Welt zu verbessern. In der Inszenierung von "Merlin oder Das wüste Land" am Metropol-Theater München erscheint dieser Merlin, Sohn des Teufels, als Wave-Gothic-Frau in Plateau-Stiefeln, Grufti-Mantel und weißer Schminke (Maria Weidner). Viel tun muss er/sie gar nicht – einen runden Tisch organisieren reicht schon, um den Rittern um König Artus all die schönen Ideen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit in den Kopf zu setzen.


Metropol Theater München

Ein Wunder mal wieder

von Sabine Leucht

München, 18. Juni 2009. Je später die Saison, desto hübscher die Überraschungen. Obwohl es sich in diesem Fall um gar keine handelt, ist der Regisseur Jochen Schölch doch seit elf Jahren als Wunderheiler für Theatermüde bekannt. Jedenfalls in München, in dessen kulturell eher verschnarchtem Norden Schölchs Metropol-Theater seit Oktober 1998 residiert und mit Inszenierungen wie "The Black Rider" und "Clockwork Orange" vom Start weg Sterne, Musenküsse und Rosensträuße von der örtlichen Presse erntete. Wer an Theater als eine eigene, wundersame und handfeste Art des Erzählens glaubt, pilgert seitdem zum "Wunder von Freimann" (Radio Bayern 2) und bekommt Lust auf mehr.

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