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archiv » Orient-Express Stuttgart (4)
Orient-Express Stuttgart

Die Welt als Illusion und Verstellung

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 17. Juli 2009. Wenn ein Zauberer eine Frau zersägt, ist das in unseren unzauberischen Zeiten höchstens langweilig. Wenn aber ein Illusionist sich selbst zum Verschwinden bringt, ist das mindestens philosophisch. Dramaturgisch betrachtet steuert der slowenische Theaterwaggon beim Orient-Express punktgenau auf das Verschwinden ohne Wiederkehr zu. Und das befreiende Gefühl, man würde sich gerade in diesem Augenblick seine eigene Existenz lediglich vorstellen.

 


Orient-Express Stuttgart

Vom Glück des Obersts, einen Zug zu berühren

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, 16. Juli 2009. Sie sehen grauenhaft folkloristisch kostümiert aus, sitzen reglos da und warten aufs Zeichen des Regisseurs. Auf dessen Kommando kommt plötzlich Leben in die Szene – ein paar Schauspieler markieren unter dem Motto "Willkommen auf dem Balkan" eine "Zigeunerhochzeit". Geheuchelte balkanische Lebensfreude auf Abruf. Der Regisseur mäkelt herum, die Schauspieler sind sauer. Niemand hat Lust auf blöde Folklore-Klischees. Man probiert mehrfach, es endet im Zoff. Knapp bevor sich alle gegenseitig verprügeln, bricht der Regisseur ab und verordnet eine Pause.


Orient-Express Stuttgart

Repräsentanten eines Alptraums

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 10. Juli 2009. Spätestens so um die dreißig beginnt die eigene Welt zu hinken. Die Menschen, vielleicht fünf Zagreber, sehnen sich nach einer Hilfestellung, die sie wieder geschmeidig gehen lässt. Eine Krücke. Eine Lebensprothese. Oder besser: eine Lüge.


Orient-Express Stuttgart

Irrfahrt der Kuscheltiere

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, 9. Juli 2009. Was für ein Auftritt! Vor großer Kulisse – mit Blick auf den Neckarhafen und die Abendsonne, auf Riesenkräne, Industrieanlagen und ferne Weinberge – rollt irgendwo von links der "Orient-Express" vor der Zuschauertribüne ein. Aber wie! Sehr langsam, im Schritt-Tempo. Mit Würde sozusagen. Mit Grandezza. Der Zugführer der Lok lässt's nochmal kräftig pfeifen. Bis der Bühnenwaggon direkt vor dem Publikum zu stehen kommt. Dann öffnet sich die Seitenwand des Wagens wie eine Klappe – und das Theater aus dem Zug heraus kann beginnen.


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