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archiv » Stiftung Schloss Neuhardenberg (3)
Stiftung Schloss Neuhardenberg

Porträt des Künstlers als Dummer August

von Wolfgang Behrens

Neuhardenberg, 15. März 2013. Wer in den letzten Wochen in Berlin öffentliche Verkehrsmittel nutzte, der musste nahezu unweigerlich darauf stoßen: auf ein Plakat, das Klaus Maria Brandauer mit wirrer Haarmähne und einer Knollennase zeigt, die ihre Herkunft aus der Theatermaske erst gar nicht zu verschleiern versucht. Ich assoziierte bei diesem Plakat spontan das großartig frührealistische Renaissance-Bildnis eines alten Mannes (samt Enkel) von Domenico Ghirlandaio und stellte mich innerlich auf eine Brandauer-Studie über das Alter ein. Freunde, mit denen ich über das Plakat sprach, reagierten anders: "Was soll denn diese dämliche Clownsnase?" fragten sie und blickten mich mitleidig an, wenn ich ihnen erzählte, dass ich zu dieser Knollennase, genauer: zu Peter Steins Inszenierung von "Das letzte Band" fahren würde.


Stiftung Schloss Neuhardenberg

Von Fröschen und Schweinchen

von Georg Kasch

Neuhardenberg, 14. August 2010. Wo sind eigentlich die gespreizten Schenkel hin? Nachmittags waren sie doch noch da, skizzenhaft auf ein Bühnenelement gepinselt. Abends dann steht nur noch wie ein Menetekel Å NÖFF NÖFF vertikal auf dem nicht minder rätselhaften Gebilde, das sich neben ein paar weiteren Elementen (eine Bank in Gestalt eines Fisches, eine Art Hochsitz aus Leiter und lila errötetem Phallus-Symbol, eine aufgemalte Fliederdolde) vor der Gartenfront von Schloss Neuhardenberg herumdrückt. Aber die so schlicht eingefangenen Schenkel, die in eine durch einen minimalistischen Strich angedeutete Vulva gipfelten (keines Rumpfes bedurfte es, keines Kopfs), war zu Premierenbeginn einfach weg.


Stiftung Schloss Neuhardenberg

Die Neuhardenbergpredigt

von Christian Rakow

Neuhardenberg, 14. August 2009. Aus Wolkenlücken fallen die letzten Strahlen der Abendsonne über die weißen klassizistischen Fassaden von Schloss Neuhardenberg. Eher bedeckte Anzugfarben bevorzugt die erlesene Schar Sommertheaterfreunde, die sich gemütlichen Schritts paarweise oder in kleinen Grüppchen durch den Schlosspark bewegt. Es ist die Haute-Volée der Berliner Kultur und Kulturpolitik. Ihr Ziel ist ein flaches Open-Air-Podest von den Ausmaßen einer Kammerbühne mit kaum fünfzehn Stuhlreihen davor.


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