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archiv » Schauspielhaus Salzburg (4)
Schauspielhaus Salzburg

"Auf dera Welt is all’s verdraht"

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 3. Februar 2013. "Auf dera Welt is all's verdraht" singen die Musiker – die Avantgarde-Folk-Gruppe "Die Strottern" – in ihrer österreichischen Mundart, während die Schauspieler in ihren schäbigen, wie aus einem Altkleiderdepot geklaubten Gewändern langsam aus dem Orchestergraben hochfahren. An einen antiken Chor muss man denken, wenn wir gleich in der ersten Szene erfahren, wie das damals zugegangen (oder eben nicht zugegangen) ist mit den Aktenbewegungen zwischen Dorfvorsteher und den Ämtern A und B in der Causa "Landvermesser". Einen solchen braucht's gar nicht im Dorf, aber mach das mal der Bürokratie klar!


Schauspielhaus Salzburg

Glaubensfragen

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 24. September 2010. Ein Pfarrer, der vielleicht ein Kind missbraucht hat, fliegt auf, weil eine alte Klosterschwester die Augen zum rechten Zeitpunkt offen gehabt hat. Für sein Stück "Doubt" (Zweifel) hat der 1950 in der New Yorker Bronx geborene John Patrick Shanley 2005 prompt den Pulitzerpreis bekommen und einen Tony für das beste Theaterstück. Für seine eigene Verfilmung des Stoffes - "Glaubensfrage" - drei Jahre später gab es Nominierungen für den Golden Globe und für den Oscar. Das Stück zur Stunde, möchte man meinen. Aber dann ertappt man sich im Laufe eines Theaterabends dabei, dass man als Zuschauer plötzlich mit der vermeintlich falschen Seite sympathisiert.


Schauspielhaus Salzburg

Im Whirlpool unseres Unbehagens

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 21. April 2010. "Siebzehn Prozent weniger Witze" habe der Mann erzählt gegenüber dem Vormonat, gleich "21 Prozent weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres." Mit so einem Sauertopf gibt es wahrlich nichts zu lachen. "Du fällst zurück, arbeitest nicht mehr mit Freude", weiß die Frau über den Mann, der auf ihre Vorhaltungen hin ein Gesicht macht wie der sprichwörtliche begossene Pudel.


Schauspielhaus Salzburg

Es braucht eine neutrale Sicht auf die Dinge

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 3. November 2009. Es ist nicht so leicht, Isabelle Huppert nachzuspielen. Die war in Claude Chabrols Geheimen Staatsaffären jene Untersuchungsrichterin, die rot, blutrot sieht, wenn sie den korrupten, Schmiergeld zahlenden und sich selbst bereichernden Wirtschaftsbossen gegenüber steht.


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