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archiv » Rottstr5-Theater Bochum (5)
Rottstr5-Theater Bochum

Yuppies Rutschpartie

von Sascha Westphal

Bochum, 12. August 2015. Zunächst ist es nur ein schickes Bild, eine extrem körperbetonte und dabei zugleich noch angemessen satirische Spielerei. In der Mitte der kleinen, grottenartigen Bühne des Theaters in der Rottstr. 5 liegt eine durchsichtige Plastikplane, die mit Wasser und Duschgel übergossen wurde. Auf ihr absolviert der von Felix Lampert gespielte Patrick Bateman erst einmal sein morgendliches Fitness- und Schönheitsprogramm. Es bleibt zwar bei einer eher angedeuteten Übung. Aber dann gleitet der nur mit Boxershorts bekleidete Lampert bäuchlings von der einen Seite der Bühne zur anderen und wieder zurück. Währenddessen zählt er all die Kosmetikprodukte auf, mit deren Hilfe sich der 26-jährige Investment-Banker sein jugendliches Aussehen bewahren will. Eine perfekte Einstimmung auf die Oberflächen-Welt eines Mannes, der alles hat und dem nichts etwas bedeutet außer seinem Aussehen, seiner eigenen Oberfläche.


Rottstr5-Theater Bochum

Was ist das Wert?

von Sascha Westphal

Bochum, 8. Juli 2015. Nach der Vorstellung, wenn alle die kleine Halle unter den S-Bahn-Schienen verlassen, steht ein grüner Schuhkarton auf einem Holzschemel neben dem Ausgang. Nun kann jeder selbst entscheiden, wie viel er der Bochumer Theatergruppe "Freie Radikale" für diesen Abend spenden möchte. Der Eintritt zu Beginn war frei. Dafür kommt dann am Ende für jeden im Publikum ein ganz privater Moment der Wahrheit. Dabei geht es nicht nur um den Betrag, den sie oder er schließlich in den Karton wie in eine Spardose gleiten lässt. Ebenso bedeutend ist in diesem Augenblick die Reflexion über den Wert von Kunst im Kapitalismus. Mit einmal ist etwas offen, verhandelbar. Das Verhältnis zwischen dem Zuschauer und den Künstlern verändert sich. Plötzlich scheint eine andere Ökonomie auf, in der es vor allem um Solidarität geht statt nur um Produktion und Konsum.


Rottstr5-Theater Bochum

Das große Massakerspiel

von Sascha Westphal

Bochum, 4. Dezember 2014. Die Repräsentanten der mysteriösen Firma RSSS sind abgetreten. Der große, der ewige Krieg, den Rainald Goetz' erstes, 1987 uraufgeführtes Theaterstück schon im Titel beschwört, ist natürlich nicht vorbei. Aber eine Schlacht ist geschlagen. "Die Erde ist blutüberströmt", heißt es zuletzt noch. In dem kleinen Bochumer Katakomben-Theater in der Rottstr. 5 müsste es allerdings eher heißen: Die Erde ist bierüberströmt. Aber eigentlich ist das schon bei Goetz ein und dasselbe. Die in Bier getränkte Bühne versinkt im Dunkel. Nur links vorne taucht ein einziger Scheinwerfer einen Plattenspieler in fast schon geisterhaftes Licht. Die Musik ist verstummt, nur der Plattenteller dreht sich unaufhörlich weiter. Auf ihm stehen drei Flaschen Bier und werfen riesige Schatten an die hintere Wand.


Rottstr5-Theater Bochum
alt

Grillfleisch eines intellektuellen Skeptikers

von Sarah Heppekausen

Bochum, 16. Juli 2011. Die große Werkschau der Freien Szene ist mit dem Theaterfestival Impulse in Nordrhein-Westfalen gerade zu Ende gegangen. Zu sehen gab es da ausschließlich Performances und Projekte. Klassisches Texttheater ist es also nicht, was die Szene außerhalb der Staats- und Stadttheater umtreibt, folgt man der Juryauswahl. Dieser "Großinquisitor" nach Dostojewski wäre glatt durchs Impulse-Raster gefallen. Dabei hat es durchaus seinen Reiz, ein Stück große Literatur so konzentriert und pur präsentiert zu bekommen.


Rottstr5-Theater Bochum

Eine sabbernde Riesenkatze namens Realität

von Sarah Heppekausen

Bochum, 9. Februar 2010. In diesem charmanten Einraum-Theater dürfen die Zuschauer die Getränke mit zu ihren Plätzen nehmen, sie sitzen auf zusammengesammelten Stühlen, von ausgedienten Kinosesseln bis zur Eichenholz-Esszimmergarnitur, und beim Lichtwechsel ist der Schalter nicht zu überhören. Im Juni 2009 eröffnete das Bochumer Rottstr 5 Theater offiziell, in einer alten Fabrikhalle mit runden Dächern. Angrenzend an das Viktoriaviertel, das im Zuge der Kulturhauptstadt als Kreativquartier entwickelt werden soll. Ansonsten gibt es in der Umgebung vor allem Erotik-Läden und das abrissbereite Hotel Eden. Und über die Halle fährt die Bahn, die hieß mal Nokia-Bahn als es das dazugehörige Werk in Bochum noch gab.


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