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archiv » Hamburger Kammerspiele (3)
Hamburger Kammerspiele

Auf der Suche nach den vergessenen Abgründen

von Katrin Ullmann

Hamburg, 7. September 2014. Zorn war immer ihr Antrieb, sagt Alice Harper (Jacqueline Macaulay) gleich zu Beginn. "Zorn", so lautet auch der Stücktitel von Joanna Murray Smiths jüngstem Werk "The Fury". Und der Name der radikalen Protestbewegung "The Fury", der sich Alice während ihrer Studentenzeit angeschlossen hat. Was am Anfang gesagt wird, deutet auf das spätere Verhängnis hin. Oder: Wenn in einer Geschichte eine Pistole auftaucht, muss sie auch abgefeuert werden.


Hamburger Kammerspiele

Die Proseccohölle

von Falk Schreiber

Hamburg, 26. Januar 2014. "Es geht darum, anerkannt zu werden. Wir wissen nur noch nicht genau, für was." Das kann sie, die Sibylle Berg: Punchlines raushauen, die in aller gebotenen Härte ins Mark treffen. Noch eine? "Mein Haus befindet sich in einer Sackgasse ... Das klingt jetzt fast wie ein Sozialdrama auf Arte!" Und noch eine: "Und dann sind die Reize weg, mit 40, sagen wir. Und dann beklagen sich die unterfickten Damen, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen." Obwohl, Moment, das ist gar keine Punchline, das sind echte Sätze, die eine echte Figur spricht in Bergs "Die Damen warten". Sätze, aus dem Mund des einzigen Manns, der in den Hamburger Kammerspielen auf der Bühne steht: Masseur Horst, der den wartenden Damen erst einen schönen Entspannungsnachmittag bereitet, sie dann mit einem Schwall Misogynie überschüttet und ihnen schließlich den Weg in die Proseccohölle weist.


Hamburger Kammerspiele

Moralpredigt aus dem Jenseits

von Daniela Barth

Hamburg, 9. Januar 2010. Karg ist die Bühne, ein dunkelgrauer und schwarzer Guckkasten, der sich nach hinten verjüngt. Und karg ist das Stück. Das Drumherum der Uraufführung ist es nicht: Schon am Eingang blendet überfallartig grelles Kameralicht mitten hinein ins dichte Zuschauergedränge: Marie Bäumer hat ihr eigenhändig verfasstes Stück "Abschied" in den Hamburger Kammerspielen inszeniert und gibt damit ihr Autoren- wie auch Regiedebüt. Sie machte sich bisher als Schauspielerin mit Filmen wie "Der alte Affe Angst", "Der Schuh des Manitu" oder unlängst mit dem TV-Mehrteiler "Im Angesicht des Verbrechens" von Dominik Graf einen Namen. Das Theater hatte sie in der legendären Rolle der Buhlschaft im Salzburger "Jedermann" erobert.


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