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archiv » Theater Rudolstadt (6)
Theater Rudolstadt

Bruder Franz' bessere Gründe

von Henryk Goldberg

Rudolstadt, 19. März 2016. Da oben sitzen zwei Männer, es sind Brüder. Sie begleiten den Gesang der Frau. Sie heißt Amalia, die unten sitzt und traumschön, traumverloren des Geliebten gedenkt im traurigen Lied. Da kommt ein alter Mann, dem träumte von seinem Sohn. So träumen sie alle, die beiden Brüder, die junge Frau, der alte Mann: Wie es sein könnte, das Leben.


Theater Rudolstadt

Ein Tango als Totentanz

von Frauke Adrians

Rudolstadt, 30. November 2013. Man ist jung, man will rebellieren, aufbegehren, alle Werte umwerten. Aber die eigenen Eltern haben sämtliche Revolutionen schon aus- und totgefochten. Es ist keine Form mehr übrig, die nicht längst zertrümmert wäre. Und es ist unmöglich, solche Eltern aus der Fassung zu bringen: Vater Stomil (Christian Klischat) lebt – barbäuchig und mit offenem Hosenstall – für seine Auffassung von Kunst und zelebriert dämliche Theater-Experimente. Mutter Eleonore (Carola Sigg) pflegt ihre Erinnerungen an die eigene rebellische Jugend, die niemals enden will, und schläft ab und an mit dem undurchsichtigen, aber höchst virilen Hausfreund Edek (Johannes Arpe).


Theater Rudolstadt

Grundeigentum oder Volkseigentum?

von Christian Baron

Rudolstadt, 16. Februar 2013. Dereinst musste man die Menschen in die Fabriken hineinprügeln. Karl Marx schuf für diesen, den Kapitalismus wesentlich begründenden Gewaltakt den putzig-analytischen Begriff "ursprüngliche Akkumulation". Heute muss man sie aus den Fabriken hinausprügeln. So sehr haben die Leute ihre Erwerbsarbeit naturalisiert, dass sie ohne sie nicht mehr leben zu können glauben – ein Umstand, der auch und vor allem in der DDR verbreitet war, mochte sie sich in ihrer Parteipropaganda noch so sehr vom akkumulierenden Kapitalismus abgrenzen. Da nimmt es kaum Wunder, dass die Ostdeutschen an der eiskalten Abwicklung ihrer teilweise beachtlich florierenden Industrie durch die Treuhandanstalt schwer zu leiden hatten.


Theater Rudolstadt

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Europäisches Fleisch und Blut

von Christian Baron

Rudolstadt, 28. Januar 2012. Nein, mit dem Vorwurf des Rassismus will man auf gar keinen Fall konfrontiert werden. Wie sehr die künstlerische Leitung der Rudolstädter "Othello"-Inszenierung die Angst vor dieser Vorhaltung im Nacken sitzt (gerade in Thüringen, der Keimzelle des neuen Rechtsterrorismus) zeigt der vor politischer Korrektheit triefende Prolog. Hauptdarsteller Benjamin Griebel tritt mit schwarz bemaltem Antlitz auf und gibt den ebenso lustigen wie stupiden "böses N-Wort", bevor er ein Taschentuch zückt, damit die Farbe im Gesicht verwischt und zu einer moralinsauren Rede über den in Europa salonfähigen "rassistischen Humanismus" wütet. All das mag eine Reminiszenz sein an das im Januar unter Einsatz der rassistischen Blackface-Maskerade im Berliner Schlosspark-Theater zur Aufführung gelangte und teilweise heftig kritisierte Stück "Ich bin nicht Rappaport".


Theater Rudolstadt

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Hello Again!

von Christian Baron

Rudolstadt, 26. November 2011. Dass wir alle der Funktionsweise des kapitalistischen Systems bei Strafe des eigenen Untergangs gnadenlos ausgeliefert sind, ist keine neue Erkenntnis. Dass es in Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" genau darum, also ums große Ganze und nicht nur um die eiskalte Rache einer verbitterten alten Frau geht, hat Grażyna Kania in ihrer Inszenierung am Landestheater Rudolstadt durchaus erkannt.


Theater Rudolstadt
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Die schwere Stunde der leichten Muse

von Kai Agthe

Rudolstadt, 30. April 2011. Die Satiren und Komödien, die den Nationalsozialismus aufs Korn nehmen, sind so alt wie dieses Phänomen selbst. Es ist keine Frage, ob man sich dieser verbrecherischen Weltanschauung mit solchen Mitteln zuwenden darf oder nicht, sondern nur, wie das gelingt. Charles Chaplins "Der große Diktator" (1940) war ein früher und gelungener Versuch, Hitler durch Verlachen vorzuführen. Daran kann ein Spielfilm wie die russische Komödie "Hitler geht kaputt" (2008) freilich kaum anknüpfen. Sich dieses Themas anzunehmen, ist eine Gratwanderung. In Rudolstadt ist sie gelungen.


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