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archiv » Berichte (5)
Berichte

Misstrauen gegen den Text

von Esther Slevogt

Berlin, 24. Mai 2010. Wie antwortet Kunst auf die Krise? Hat das Theater noch Antworten auf die Fragen dieser Zeit, auf die selbst Politiker keine Antworten mehr geben können? Die Schlussdebatte des Theatertreffens war schnell bei den letzten Dingen angelangt. Bei der Frage, inwieweit das Theater den Zeitgenossen Zuflucht, Trost zubieten hat, ob es die klaffenden Sinnlöcher schließen, den zerrupften, vom Kapitalismus verdinglichten Subjekten wieder neues Leben oder gar eine Seele einhauchen, oder sie am Ende gar von dem Schicksal zu erlösen vermag, als zersplittertes Subjekt nur noch im Kollektiv zu einem Restindividuum sich aufrappeln zu können.


Berichte

Die Welt ist Dreck

von Elena Philipp

Berlin, 21. Mai 2010. Es ist gewählt. Doch dazu später, denn bevor die Preise des Stückemarkts beim Theatertreffen 2010 verliehen werden, wird auf der Seitenbühne im Haus der Berliner Festspiele als letzter Stückemarkt-Beitrag zunächst noch Claudia Grehns "Ernte" gezeigt, szenisch eingerichtet von Lisa Nielebock.


Berichte

Nur die Seegurke ist unsterblich

von Georg Kasch

Berlin, 17. Mai 2010. Die Hölle, das sind immer wir selbst - und der Fernseher. Schwarz, elegant und ausladend steht er in der Kassenhalle des Hauses der Berliner Festspiele, überträgt irgendwann die Bilder vom Nebenschauplatz Toilette in "Ewig gärt". Und nimmt am Ende die zappelnden Seelen der zersplatterten Kleinfamilie in sich auf. Eine Geschlossene Gesellschaft - mit Big-Brother-Standleitung zu den Prime-Time-Bildschirmen.


Berichte

Wunschlos unglücklich und finster funkelnd

von Esther Slevogt

Berlin, 12. Mai 2010. Auf dem enormen Plastikballen, der in der Kassenhalle wie eine Rettungsinsel aus dem flächendeckend verteilten Schotter ragt, macht sich bald brachenübliche Jungdramatik-Tristesse breit: eine Handvoll junger Leute mit Problemen - einer hat einen schlaganfallgelähmten Vater im Rollstuhl zu versorgen, eine andere viel zu früh ein Kind gekriegt, das sie nun nicht lieben kann. Wieder eine andere lässt junge Männer zusammenschlagen, wenn sie von ihnen nicht die geforderte Aufmerksamkeit (und den dazugehörigen Sex) bekommt. Eines ihrer Opfer kommt dabei ums Leben.


Berichte

Theaterschafe im Wolfspelz

von Elena Philipp

Berlin, 7. Mai 2010. Das Theatertreffen feiert die Krise. 2009 war schließlich das erste Jahr, in dem das träge Medium Theater auf die kapitalistische Misere reagieren konnte und dies auch weidlich tat. "Verteufelt oft geht es um Armut und ein aus dem Ökonomischen ins Moralische führendes Elend", bringt Juror Wolfgang Höbel die zehn eingeladenen Inszenierungen im Programmbuch auf einen Nenner. Nur gut, dass "die Lust am Spiel und am Weitermachen die Menschen antreibt. Und ihnen den Aufbruch ermöglicht aus dem Schmodder von Verfall und Depression". Der Jury ist dies Grund für eine frohe Botschaft: "Fürchtet euch nicht!"


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