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archiv » Hessisches Landestheater Marburg (4)
Hessisches Landestheater Marburg

Mit Wellenschlag und Pipapo

von Marcus Hladek

Marburg, 18. April 2015. Na also, geht doch: völlige Dunkelheit im Theater. Ohne Restglimmen verdeckter Notausgangsleuchten am Bühnenrand, ohne vergessene LED-Lämpchen an der Hinterseite von Scheinwerfern. Dass sich das oft gegebene, nie gehaltene Versprechen völligen Dunkels eben doch verwirklichen lässt, wenn, dank kleiner Zuschauerzahl, Sicherheits-Vorschriften ausnahmsweise ausgehebelt sind, ist die erste Erfahrung mit der jüngsten Produktion der Marburger Reihe "Theater in der Finsternis".


Hessisches Landestheater Marburg

Fußnotenhimmel im Jenseits

von Grete Götze

Marburg, 20. April 2013. Die rechte Bühnenhälfte, auf der Purl Schweitzke und Lum leben, sieht überschaubar aus: Purl steckt mit den Beinen bis zum Knie in Heimwerker-Rindenmulch, er kann nur senkrecht knien oder nach vorne gekippt auf dem Bauch liegen. Und Lum kommt durch seine mit einem Gürtel zusammengeschnürten Beine auch nicht recht voran mit seiner Gartenarbeit. Die Beiden sind zwei verkrüppelte Figuren in Wolfram Lotz' zweitem Stück "Einige Nachrichten an das All", wie sie auf einem Zettel lesen müssen, der ihnen auch nicht erklärt, warum sie da sind. Damit sie sich keine Sinnfragen mehr stellen müssen, wollen sie zusammen ein Kind bekommen – eine genauso lustige wie tragische Vorstellung.


Hessisches Landestheater Marburg

altDer Traum der Eisenmänner

von Andreas Wicke

Marburg, 25. Februar 2012. Am Anfang steht der Lexikonartikel, die Bühnenfiguren versuchen die Handlung der Nibelungensage zwischen Edda, mittelalterlichem Heldenepos und Hebbel'schem Trauerspiel zu verorten und das Geflecht der Personen zu entwirren. Der Schluss steigert dann die theatralen Mittel der Inszenierung zum großen Showdown: Die Video-Projektionen erhöhen das Tempo und tauchen die Bühne in Flammen, die verzerrten E-Gitarren-Klänge werden aggressiver und übertönen die Worte der Schauspieler, Blut färbt Bühne und Kostüme, wenn eine der brutalsten und monströsesten Geschichten der Weltliteratur sich nach knapp zwei Stunden dem Ende zuneigt. Doch die Katastrophe ist von Anfang an absehbar, der Pakt, den Gunther und Siegfried zu Beginn schließen, um die Gunst Kriemhilds und Brunhilds zu erlangen, kann kein gutes Ende nehmen.

Hessisches Landestheater Marburg
alt

Vollpfosten im Vollholz

von Marcus Hladek

Marburg, 5. November 2011. Helles Holz beherrscht Petra Straß' Guckkastenbühne bis ins Waschbecken links vorne, gar nicht zu reden von den Holzstufen an der linken Wand und dem hölzernen Kamin hinten, der später, rollbar, zur wilden Liebesjagd dient. Boden und Wände sind, na was?, aus Holz. Ebenso die riesige Weltkarte aus Holzkontinenten hinten, die wie das Foto des Stadthauptmanns neben einem Wallebart alle paar Minuten von der Wand purzeln werden, damit sich der Slapstick-Rhythmus so steigert, dass es die Inszenierung immer tiefer ins Chaos treibt. Man ist in der tiefsten Provinz: Alles ist schlechte Ordnung und Datscha.


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