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Landestheater Schleswig-Holstein

Die Frau mit Mehr

von Matthias Weigel

Rendsburg, 13. Februar 2012. Der Rendsburger Merkwürdigkeiten gibt es einige zu berichten. Nicht nur, dass hier der Theaterraum als sporadische Spielstätte des Landestheaters Schleswig-Holstein immer leicht leblosen Stadthallen-Charakter ausstrahlt. Mit Hjalmar Söderbergs Drama "Gertrud" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Text von Einar Schleef) hat Regisseur Reinhard Göber auch ein äußerst selten gespieltes Stück eines Autors ausgegraben, der eine Art schwedischer Arthur Schnitzler ist. Ein Stück, welches er mit durchaus modernen Mitteln auf die Bühne bringt – die allerdings etwas planlos eingesetzt werden. Vor einem Publikum, das – der Aussage meiner älteren Sitznachbarin zufolge – zwar eigentlich lieber "einen Don Carlos sieht", sich aber dann von nackter Haut und Vergewaltigung nicht aus der Ruhe bringen lässt. Da fängt ein Zuschauer, der eine der Requisiten-Zeitungen auffängt, auch schon mal an, in Seelenruhe die Saturn-Anzeigen durchzublättern. Heiner Müllers "Hamletmaschine" kommt auch noch vor. Und schließlich nicht enden wollender Applaus.


Landestheater Schleswig-Holstein
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Auf dem Ponyhof der Leistungsgesellschaft

von Eva Biringer

Rendsburg, 17. Dezember 2011. Wenige markante Attribute genügen, um das Vater-Mutter-Kind-Spiel als bittere Farce zu entlarven: Mit spitzen, plastikbehandschuhten Fingern zupft die Mutter an der quietschrosa Rosenblüte herum, die Pumps hat sie gegen Lackgummistiefel getauscht, die Haare zum akkuraten Chignon gebunden. Wenn sie das Wort an ihr Kind richtet, dann immer im hysterischen Stakkato, selbst wenn die Botschaft "Alles aus Liebe" lautet. Der Vater arbeitet derweil an seinem Handicap, wenn er nicht gerade dem Wein beim Atmen zuhört. Eine Kleinfamilie mit viel Geld, wenig Liebe und dem unbedingten Willen, ihr Kind auf höchstmögliche kapitalistische Verwertbarkeit hinzubiegen. Der Regisseur und Autor Markus Bauer, Jahrgang 1973, findet in seiner Inszenierung von "A Clockwork Orange" am Stadttheater Rendsburg in solch desaströsen Elternhäusern den Grund für eine symptomatische Gewaltspirale. Frei nach dem Motto: Das Leben ist kein Ponyhof.


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