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archiv » Opernhaus Zürich (3)
Opernhaus Zürich

Späßchen statt Sehnsucht

von Charles Linsmayer

Zürich, 9. März 2013. Siebzehn Mal wurde sie seit der Lyoner Uraufführung von 1998 bereits inszeniert, die Oper, die Peter Eötvös nach der Vorlage von Tschechows "Drei Schwestern" komponiert hat. Ein Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters, der offen ist für alle möglichen Lesarten. So hat er denn auch von der am japanischen No-Theater orientierten Uraufführung mit rein männlicher Besetzung über die ebenfalls mit Countertenören besetzten monoton-asketischen Fassung der Hamburgischen Staatsoper von 2000 bis zu den psychologisierenden, mit Frauen besetzten Deutungen von Gerd Heinz in Freiburg (2000) und Bern (2005) ganz verschiedene Inszenierungen hervorgebracht.


Opernhaus Zürich

Vom Stilbruch nie genug bekommen

von Thomas Rothschild

Basel, 8. März 2013. Ein Schlafzimmer, vielleicht in einem Hotel, mit blaugeblümter Tapete, türkisfarbenen Schleiflackschränken mit weit oben eingebautem Kühlschrank, ein Schminktisch mit Spiegel, Telefon und Blumenstrauß. Da könnte eine Boulevardkomödie passieren oder auch ein Stück von René Pollesch. Aber im Doppelbett sitzen ein Mann und eine Frau, er in der Uniform eines Hotelpagen, sie im Habit eines Stubenmädchens. Sie sitzen nicht nur da, sie singen. Da stakst durch das Zimmer eine bieder aussehende untersetzte Frau mit Handtasche und verlässt es wieder. Später wird sie mit einem Rückenkratzer Spaghetti aus der Handtasche holen und verspeisen. Nein, das ist keine Boulevardkomödie und auch kein Stück von René Pollesch. Wir befinden uns unverkennbar in der Welt von Christoph Marthaler.


Opernhaus Zürich

Highway zur Transzendenz

von Andreas Klaeui

Zürich, 4. November 2012. "Geschenkartikel und Industrieware" gibt es hier, Produkte "für den Kenner" à 2.95, bald auch schon rot durchgestrichen und bloß noch 0.90 wert; Wühltische mit Dreierpackungen Socken und türkisen Unterhosen zu Schleuderpreisen. Anna Viebrock hat ein heruntergewirtschaftetes Ladenlokal ins Opernhaus gebaut, halb leere Regale, eine einst luxuriöse Rolltreppe, Mannequins, die schon keine Kleider mehr haben.


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