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archiv » Landestheater Coburg (4)
Landestheater Coburg

Nicht der Gewalt erliegen

von Andreas Thamm

Coburg, 3. Dezember 2016. Das Wort "Versuch" ist wichtig an diesem Abend in Coburg, als Zustiegshilfe in das Stück, in diese Inszenierung. "Wut" ist unterteilt in zehn Versuche. Nummer eins: "Messe der Experten". Nummer zwei: "Orientierung. Zehn: "Heimatliebe". Die Bühne der Coburger Reithalle ist keine Bühne, auf der etwas vorgeführt, sondern ein "Labor", in dem etwas angerührt wird.


Landestheater Coburg

Die Gewissheiten von gestern

von Christian Muggenthaler

Coburg, 20. Dezember 2014. Erich Kästners Roman "Der Gang vor die Hunde", im Jahr 1931 in leicht entschärfter Form unter dem Titel "Fabian" erschienen, ist das Portrait eines Intellektuellen im Berlin zur Zeit der sich dem Ende zuneigenden Weimarer Republik. Ein Ende, das sich zwar erst in der historischen Rückschau tatsächlich verifizieren lässt, in dem Buch aber Kapitel für Kapitel eigentümlich prophetisch durchscheint: Kästner gestattet den Blick auf eine ruinierte Gesellschaft, in der der Mensch auf seinen ökonomischen Wert reduziert, Liebe hübsch handlich in käufliche Quäntchen Libido verpackt und intellektueller Überbau auf seine sofortige Verwendbarkeit in Medien und Warenwelt oder zu ideologischem Zunder zurückgestutzt wird.


Landestheater Coburg

Vertreibung aus der Weihnachts-Puppenstube

von Elisabeth Michelbach

Coburg, 22. Dezember 2013. Als Weihnachtsgeschichte für Erwachsene wird Ibsens "Nora oder Ein Puppenheim" gerne tituliert, also für Realisten, Atheisten und andere Weihnachtsskeptiker: Das Stück spielt an Weihnachten, wurde am 21. Dezember 1879 uraufgeführt und feiert in diesem Jahr fast auf den Tag genau 134 Jahre später am Landestheater Coburg Premiere. Wichtiger noch ist der familiäre Super-GAU: Zu keinem anderen Zeitpunkt sieht man so viele private Puppenstuben-Träume vor die Wand fahren wie über die Feiertage. So verspricht uns "Nora" einen Theaterabend, der die Weihnachtssehnsucht nach der geborgenen und geordneten Welt des Puppenhauses mit der Enge und Totalität desselben kollidieren lässt.


Landestheater Coburg

Einsame Frauen

von Elisabeth Michelbach

Coburg, 19. Mai 2013. Leere Reihen bei einer Premiere? Gehen wir zu Gunsten des Coburger Publikums davon aus, dass das Gewitter, welches sich am frühen Abend zusammengebraut hat, es vom Theaterbesuch abhielt. Anders scheint es kaum zu erklären, dass die Coburger den jungen Regisseur Michael Götz, der sich mit Inszenierungen im Hofbräuhaus, dem Landgericht und der Reithalle einen Namen gemacht hat, nun ausgerechnet bei seinem Einzug ins große Haus im Stich lassen. Kurz vor seinem Abschied als festes Ensemblemitglied inszenierte Götz dort Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen".


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