zurück zur Übersicht

archiv » ImPulsTanz Wien (5)
ImPulsTanz Wien

Just a little bit lockerer

von Veronika Krenn

Wien, 27. Juli 2016. Ganz ohne Audience-Training geht die Chose offenbar nicht ab. Das weiterbildungsaffine Publikum macht sich schon ein paar Stunden vor Vorstellungsbeginn auf ins Leopold Museum, um sich von den Künstlern versprochene Tipps und Tricks für seine eigene Performance abzuholen. Doch von den Künstlern keine Spur, "the artist is absent" – nur ein großer Plastikpenis mit Gleitgel-Flasche hängt wie ein Fingerzeig von der Decke. In einem selbstgebastelten Alufolien-Bilder-Rahmen läuft ein Trailer seine Endlos-Wiederholungsschleife, und ein Schriftband des "Body+Freedom"-Teams lässt grüßen. Man sei nur zwischen 2 und 3 Uhr anwesend statt zwischen 10 und 18 Uhr, lautet die lapidare Aussage.


ImPulsTanz Wien

Welcome to Ecstasy!

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 11. August 2015. "Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase", so der Titel einer Tanzproduktion von Anita Berber und Sebastian Droste aus dem Jahr 1922. Er, der mit bürgerlichem Namen Willy Knobloch hieß, schrieb in der dazugehörigen Buchproduktion vom "Verströmen, Verbluten und Zerfließen". Eine große Verschwendung und Verausgabung, im Privaten wie in der Kunstproduktion, die hat auch Vaslav Nijinsky betrieben. Und es in der Ballets Russes-Version von "Shéhérazade" von 1910 zur Musik von Nikolai Rimski-Korsakow mit Ida Rubinstein auf der Bühne wild getrieben. Das Ballett bestehe "im Grunde aus einer 20-minütigen Orgie gefolgt von einem brutalen Massaker", so beschreibt es Joachim Kapuy, der Pressemensch von ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival.


ImPulsTanz Wien

Intimität als Arbeitsweise

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 5. August 2014. Entgegen aller Gewohnheit ging es heute Abend wirklich pünktlich los. Bei ImPulsTanz sind fünfzehnminütige Verspätungen sonst keine Seltenheit. Heute warnten Hinweistafeln vor dem akkuraten Schließen der Türen um 21 Uhr. Lloyd Newson und DV8 Physical Theatre bestehen darauf. Eine Viertelstunde nach Beginn des Stücks öffnet sich doch noch einmal eine Tür. Es gibt nirgendwo Gemurre.


ImPulsTanz Wien

Fallhöhe des realen Grauens

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 4. August 2014. Vor der Vorstellung hat einer gesagt, dieses Mal werde es nicht so schlimm. Nach der Vorstellung sagen viele, es wäre sehr schlimm gewesen. Die Rede ist von der Uraufführung von "ICURE" im Kasino am Schwarzenbergplatz im Rahmen von ImPulsTanz. Warum es dieses Mal nicht so schlimm hätte werden sollen? Weil der Pressetext vor allem Heilung verspricht. Heilung von allem, für alle, jetzt. Die große Genesung. Warum auch sollten wir weiterhin ins Theater gehen, um uns zu bilden, wo wir uns doch heilen könnten? Katharsis auf kapitalistisch: "Vergeuden Sie Ihre Zeit nicht im Theater – machen Sie davon Gebrauch!"


ImPulsTanz Wien

Vor dem Sündenfall

von Martin Pesl

Wien, 5. August 2013. Angenehm, dass hier mal kein Theaterzuschauer angesichts nackter Haut empört die Saaltür zuknallen wird. Allen ist von vornherein klar: 21 splitternackte Männer und Frauen werden auf der Bühne sein. Doris Uhlich wird mit ihnen die Fetttanztechnik demonstrieren, die sie im Zuge ihrer ImPulsTanz-Workshops mit dem Titel "more than naked" in den letzten zwei Sommern erfunden hat. Die Frage, ob das mit den Nackten denn wirklich sein müsse, steht also nicht zur Debatte, aber natürlich verkaufen sie sich gut – noch vor der Premiere hat das Festival eine Zusatzvorstellung eingeschoben.


zurück zur Übersicht