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archiv » Shorties (9)
Shorties

Carte Blanche mit Hufen

von Anne Peter

Berlin, 17. Mai 2014. Zum Feierabend des Theatertreffens gibt's sozusagen #Catcontent. Tiere und Kinder auf der Bühne, das geht immer. Schon nach Castorfs Reise ans Ende der Nacht war auf den Sozialkanälen auffallend viel von einem gewissen Huhn die Rede. Alvis Hermanis stellt bei seiner zweiten Theatertreffen-Einladung für Die Geschichte von Kaspar Hauser neben greisenpuppenhaften Kindern als Klein(!)bürger-Personal ein Pony ins Rampenlicht. Weißes Fell, scheinwerferbeschienen. Hach.


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Der Mensch knarzt in den Angeln

von Simone Kaempf

Berlin, 14. Mai 2014. Welche Fülle an Augenrollen, Münder verdrehen, mechanisches Gliederschlottern! Eine Schauspielerin kreist minutenlang Augen und Zunge wie von einem Schlangenbeschwörer animiert. Ein Anblick, bei dem einem die Gesichtsmuskeln fast selbst zu schmerzen beginnen. Oder zwölf Spieler quetschen sich wie Däumlinge auf ein übergroßes Sofa, murmeln in einer unverständlichen Kunstsprache, pieksen sich in die Seite. Too much eigentlich, und das ist dann doch einer der Momente, bei dem man denkt, dass es auch langsam gut ist mit den grotesken Verstellungen, dieser Mischung aus Stummfilmgesten, mit musikalischen Scheppern unterlegten Bewegungen, Plastikperücken und überschminkten Gesichtern.


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Lebensleistungsbewegt

von Wolfgang Behrens

Berlin, 13. Mai 2014. Ich will ehrlich sein: Ich hätte diesen Abend lieber in einem anderen Rahmen erlebt. Nicht in dem des Theatertreffens. Denn natürlich ertappe ich mich dabei, wie ich hier – bei einem Festival, das noch immer als die Leistungsschau des Theaters im deutschsprachigen Raum gilt – nach den ästhetischen Qualitäten der Inszenierung suche, die ja zu den zehn bemerkenswertesten der Saison gehören soll. Doch Matthias Hartmann hat mit vier Schauspielern des Burgtheaters nicht viel mehr als eine Lesung mit Dias eingerichtet, eine Lesung in Anwesenheit derer, um deren Erinnerungen es hier geht. Sehr schlicht und kunstlos ist das. Und da, wo die Inszenierung doch ein wenig auf sich aufmerksam macht – wenn etwa eine in der Mitte der Bühne platzierte Frau in Großaufnahme Sätze aus den Erinnerungen auf einer Endlospapierrolle mitkalligraphiert –, da streift sie sogar schnell das Geschmäcklerische.


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Wilde Flugbahnen

von Mounia Meiborg

Berlin, 10. Mai 2014. Sollen wir mit dem Sex anfangen oder mit den Standing Ovations? Beginnen wir mit dem Ende. Nachdem allen klar war, dass das Stück aus ist – die Tänzer und Schauspieler standen reglos auf der Bühne und reagierten nicht auf zaghafte Applausversuche – ging es los. Jubel, die ersten standen auf, dann immer mehr, eine Welle ging durchs Parkett.


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Heimaturlaub

von Christian Rakow

Berlin, 8. Mai 2014. Also die größte Schwierigkeit war ja, nicht vollautomatisiert zur Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz zu trotten, sondern ins Haus der Berliner Festspiele, wohin das Theatertreffen Volksbühnen-Chef Frank Castorf mit seinem Münchner Céline-Abend "Reise ans Ende der Nacht" (Nachtkritik) verpflanzt hatte. Dort, im alten West-Berlin, kam gleichwohl schnell ein Heimatgefühl auf: Vier Stunden plus/minus waren avisiert (drunter wär's was für Laschzocker, nicht für Castorfianer). Auf der geräumigen Bühne: eine herrlich schäbige Piratenzuflucht mit Holzhütten und altem Ford Transitbus, von Bert Neumann, nee pardon, Aleksandar Deníc. À la bonheur, die Stilettos von Kathie Angerer! Und die tropenfiebrige Aufgekratztheit von Martin Wuttke! Und natürlich der bewegliche Furor von Marc Hosemann. Ach Quatsch, es waren Britta Hammelstein, Bibiana Beglau und Franz Pätzold aus dem Ensemble des Residenztheaters München.


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Das falsche Leben der anderen

von Esther Slevogt

Berlin, 7. Mai 2014. Das verunsichert natürlich schon. Einer sympathischen, jungen Regisseurin wird ein Preis verliehen, ihre Inszenierung bejubelt und beim Sektempfang gefeiert. Die Kollegen strahlen, und man möchte eigentlich gerne mitstrahlen. Geht aber nicht. Denn die Kunstanstrengung der vorangegangenen hundert Minuten, Susanne Kennedys an den Münchner Kammerspielen entstandene Inszenierung "Fegefeuer in Ingolstadt", für die sie nach der Theatertreffen-Premiere gestern im Hebbel Theater auch den 3sat-Preis bekam, hat Spuren hinterlassen.


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Warten auf andere Galaxien

von Georg Kasch

Berlin, 5. Mai 2014. Manchmal zahlt sich Treue aus. Wie im Fall von Armin Petras und Robert Borgmann. Borgmanns Macbeth-Inszenierung war die letzte große Premiere in Petras' Intendanz am Berliner Maxim-Gorki-Theater, und sie war eine Katastrophe: eine nicht enden wollende spannungslose Wirrnis, ein Abend der intellektuellen Nebelkerzen.


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Ich ist ein Anachronismus

von Nikolaus Merck

Berlin, 3. Mai 2014. "Wir leben in der Morgendämmerung eines neuen Zeitalters", sagte der oberste Berliner Festspieler Thomas Oberender zur Eröffnung des diesjährigen Theatertreffens, "und das alte Theater wird sein Leitmedium werden." Schon am zweiten Tag legt das Theater Spuren aus, die in die Zukunft führen. In "Amphitryon" von Heinrich von Kleist, inszeniert von Karin Henkel am Schauspielhaus Zürich (Nachtkritik), entdecken wir Schichten unserer Epoche.


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Krieg ich nicht auch noch 'n Nagel?

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 2. Mai 2014. (Ai) Weiwei reimt sich nur fast auf Freiheit. Trotzdem hält sich der chinesische Künstler, Politaktivist und Architekt, in dessen Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau sich gerade die Massen vor mit Autolack besprühten alten chinesischen Vasen drängen, hartnäckig als oberster, universell einsetzbarer Symbolträger des deutschen Kulturbetriebs.


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