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archiv » bremer shakespeare company (6)
bremer shakespeare company

Der Monarch als Bürgerrechtler

von Jens Fischer

Bremen, 20. Januar 2017. Keine Chance für das mit einem Kaltgetränk garnierte Pausengespräch. Die Kakophonie des Volkszorns schwappt aus Lautsprecherboxen über den mit Plastikblumen geschmückten Sarg Elisabeths II. und die Schauspieler stürmen das Foyer. Einige tragen Vendetta-Masken und schwingen Baseballschläger, andere singen die britische Nationalhymne, brüllen traditionsselig "lang lebe der König" oder revolutionsselig "an die Laterne mit ihm". Auf herumflatternden Flugblättern steht: "Die Monarchie hält uns klein". Und die druckfrisch verteilte Nacktausgabe der hauseigenen Boulevardzeitung "Blick" macht mit den Brüsten und dem Breitmaulgrinsen der neuen Freundin eines gewissen Prinz Harry auf. Während sich dieser ihr im allgemeinen Tohuwabohu als Liebesbettler live und in Farbe zu Füßen wirft.


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Richard and The Henrys

von Andreas Schnell

Bremen, 30. Januar 2014. Bei der Premiere von Richard III an gleicher Stelle vor knapp einem Jahr versuchte sich Christian Bergmann recht vergnüglich darin, etwas Klarheit in die reichlich komplexen Verwandtschaftsverhältnisse des britischen Königshauses im ausgehenden Mittelalter zu bringen. Als eine Fortsetzung dieses Bestrebens lässt sich nun die neue Produktion der Bremer Shakespeare Company verstehen: In "Shakespeares Könige" fassen Johanna Schall und Grit van Dyk Shakespeares Historien über Richard den Zweiten und die Heinrichs IV bis VI in einem Stück zusammen.


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König im Nebel auf moosgrünem Grund

von Andreas Schnell

Bremen, 1. März 2013. Man hätte sich's kaum schöner ausdenken können: In dem Jahr, in dem die Bremer Shakespeare Company ihr 30. Jubiläum feiert, darf sie ihre alte Heimat neu beziehen: gründlich saniert und umgebaut, bezahlt aus Mitteln des chronisch klammen Bremen. Die Eröffnung des neuen Theaters am Leibnizplatz wurde gestern mit "Richard III" gefeiert, dem einzigen Shakespeare-Stück, das die Truppe noch nie gespielt hat. Und das nur wenige Wochen, nachdem Archäologen die jahrhundertelang als verschollen gegoltenen Gebeine des echten Richard III identifiziert hatten.


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Shakespeares neue Welt

von Andreas Schnell

Bremen, 21. April 2011. Dass die ersten Vorstellungen der neuen Produktion der Bremer Shakespeare Company schon vor der Premiere ausverkauft waren, mag nicht zuletzt an der Örtlichkeit liegen, an der die Bremer Shakespeare Company den zweiten Teil von Lee Beagleys "Sturm"-Bearbeitungen zeigt: Der alte Wasserturm auf der Werderhalbinsel, vom Bremer Volksmund liebevoll die "umgedrehte Kommode" getauft, war bislang schließlich höchstens am Tag des Offenen Denkmals zu besichtigen. Nun also Theater. Und das beginnt schon vor dem Stück, denn den Spielraum betritt man über ein Gerüst. Das soll Assoziationen wecken an die Treppen, die zur Kabine einer Weltraumrakete führen.


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Etwas ist faul im Plastik-Rund

von Andreas Schnell

Bremen, 28. Januar 2010. Es stimmt schon, dass die Bremer Shakespeare Company oft eher in den Komödien (nicht nur denen ihres Namenspatrons) überzeugte. Der "Kaufmann von Venedig", den Nora Somaini vor zweieinhalb Jahren dortselbst inszenierte, überraschte dann allerdings mit einem für die Company ganz unerwarteten Stil: Mit Videoprojektionen, einem kühlen Bühnenbild und dem Verzicht auf die gelegentlich klamaukigen Exkurse, die manche Inszenierung der Company würzen, brachte sie frischen Wind ins Haus.


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Leicht und doch psychologisch klug – das wär's!

von Alexander Schnackenburg 

Bremen, 12. April 2007. Die beste Szene, den stärksten Moment erlebt die Aufführung, lange bevor das Gemetzel beginnt. Es ist jener zaghafte Versuch Macbeths, sich selbst, vor allem aber seine Frau von den wilden Meuchelmord-Plänen abzubringen. Da spricht Macbeth (Erik Roßbander) mit (zunächst) fester Stimme zu seiner Frau: "Wir unternehmen in der Sache nichts mehr." (Übersetzung: Rainer Iwersen) – und verkriecht sich sodann im Auditorium zwischen den Zuschauern, als wünsche er, dass das Stück an dieser Stelle zu Ende sein möge. Die zarte Lady Macbeth muss ihren Mann in ihrer wilden Entschlossenheit (Janina Zamani) förmlich wieder auf die Bühne ziehen, damit es weiter gehen kann.


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