Mauer-Stücke?

30. August 2016. Heute setzen wir die Rubrik. Leser*innen fragen - Leser*innen antworten" fort. Die Redaktion kann unmöglich alles selbst machen. Deshalb müssen die Leserinnen mit ran. Es gibt hier also die Gelegenheit Fragen zu stellen auch Debatten selbst in Gang zu setzen, was Ihnen eben am Herzen dranliegt. Wer kann H. weiterhelfen? 

liebe nachtkritik, gibts oder gabs eigentlich ein theater stück, welches dezidiert die Berliner Mauer im Zentrum des Dramas stehen hat?

Gruss, H.

 

#7 2016-08-30 15:31

Die nachtkritik-Redaktion wundert sich auch ein bissel, denn bisher haben wir nur "Mauerstücke" von Manfred Karge, Peter Dehlers Theaterfassung von Thomas Brussigs Roman "Helden wie wir" und Marcus Lobbes dokumentarische Stückentwicklung "Berlin Friedrichstraße 20.53 Uhr" im Berliner Theater an der Parkaue zusammenbekommen.
Wer weiß mehr?
Wer hilft weiter?

Gruß
nikolaus merck

 

#8 2016-08-30 15:56
Leser*innen fragen - Leser*innen antworten: Warum?Copyshopping
Warum muss es ein Theaterstück geben, das dezidiert die Berliner Mauer im Zentrum des Dramas haben muss, wenn man ein Stück über die Berliner Mauer machen oder die Zerissenheit der Stadt Berlin durch eine Mauer mit Hilfe von Schauspielkunst darstellen will?? - Für dezidiert gibt es da nicht ein Udo Lindenberg Musical??? Vielleicht, sehr geehrter Nikolaus Merck, wartet H. einfach noch einige Wochen nach dieser Frage und dann kann er zwischen mehreren dezidierten Mauer-Stücken wählen!
 
 
#9 2016-08-30 16:49
Leser*innen fragen - Leser*innen antworten: SenftenbergKonrad Kögler
zu #7:

Von Christian Schwochows Fernseh-Film "Bornholmer Straße" gibt es eine Theaterfassung von Jörg Steinberg, die im November 2015 in Halle uraufgeführt wurde. Nachtkritik hat darüber berichtet.

Außerdem ist für den 24. September ist eine Premiere dieses Stücks in Senftenberg angekündigt.

 

#10 2016-08-30 17:49
Leser*innen fragen - Leser*innen antworten: BerlinBerlinerin
# 7
1987 schrieb Sewan Latchinian das damals sehr mutige Stück BERLIN. Es gewann den Förderpreis des Verlags der Autoren Frankfurt/Main. So viel ich erinnere, wollten Thomas Langhoff, Wolfgang, Engel, oder Christoph Schroth es inszenieren, duften das aber wegen der DDR - Kulturpolitik nicht. Uraufgeführt wurde es dann 1990 - in gewisser, wenn auch erfreulicher Weise, zu spät - am Deutschen Theater Berlin durch Friedo Solter mit Dieter Mann, Christine Schorn, Gudrun Ritter, Daniel Morgenroth, u. a. Die Aufführungsrechte müßten bei henschelSCHAUSPIEL liegen ...
 
 
#11 2016-08-30 19:44
Leser*innen fragen - Leser*innen antworten: Hinweismauerblümchen
Für Herrn H.:

morgenpost.de/.../...

 

#12 2016-08-31 10:26
Leser*innen fragen - Leser*innen antworten: dramaturgisch uninteressantD. Rust
(???hmmm, hmm, hm-) Liebe(r) H.! Eine Mauer an sich ist ja ein völlig undramatischer, weil zeitlich unverückbarer Gegenstand, der deshalb – dezidiert oder nicht – für Theater gar nicht taugt. Sie schreiben nicht, ob Sie dezidiert etwas über die Zeit vor, während oder nach dem Bau der Mauer oder die Zeit vor, während oder nach dem sogenannten Fall der Mauer suchen. (?)
Weil eine Mauer an sich so undramatisch ist, eignet sie sich auch innerhalb der literarischen Gattungen nicht besonders gut für Dramatik. Sie wird erst dadurch interessant, dass es dies- wie jenseits der Mauer Menschen gibt. Die durch die Sicht- und Begegnungssperre bedingt, nicht genaues voneinander wissen. Und deshalb typische Gefühle, d.h. spezifisch massenhaft verbreitete Gefühle ausbilden. Zum Beispiel bilden sie reale Neugier und Sehnsucht nach Gewissheiten, nach Bestätigung oder Korrektur ihrer spekulativen Gefühle aus. Zum einen. Und zum anderen bilden sie typischerweise eine Wut gegen die Mauer aus als stummem, Materie gewordenen Ausdruck von Willkür. Entweder der Willkür von Mauer-Errichtern oder von tatsächlichen oder vermeintlichen Mauererrichtungs-Provokateuren aus. Da diese Dinge sich sehr subtil zu etwas Typischem heranbilden und über längere Zeiträume in veränderbaren Intensitäten, eignen sich zur Vergeistigung, also zur allgemeinverständlichen Vorstellung der Mauer die literarischen Formen der Prosa und Epik wesentlich besser. Weshalb es mich gar nicht wundert, dass die Inszenierungen, die es zum Mauer-Thema gibt, Bearbeitungen von Romanen sind. Und mehr Möglichkeiten fielen mir da auch nicht unbedingt ein. Auch andere scheinen diesbezüglich keine anderen Einfälle zu haben, wenn ich an Petras Inszenierung nach „Der geteilte Himmel“ an der Schaubühne letztes Jahr denke.
Deshalb schlage ich Ihnen vor, um zu einem wirklich dezidierten Mauerstück zu kommen, sich für Ihr Haus einen Regietheater-Regisseur zu suchen, der aus „Pyramus und Thisbe“ ein Mauer-Stück macht. Er könnte auf den heruntergegangenen Eisernen die Mauer projizieren, während Pyramus davor auf dem schmalen Grat zwischen Zuschauerraum erste Reihe und Bühnenbegrenzung Eiserner agiert und die himmelschreiend spannenden Handlungen von Thisbe nur von Ferne und dumpf durch den Eisernen zu hören sind. Eventuell auch zu sehen durch von einer, über dem vom Zuschauerraum abgegrenzten Bühnenraum schwebende Drohnenkamera an die Saal-Decke (oder Hangardecke z.B.) übertragenen Bilder. – Dem Regisseur wird da schon was einfallen, der Text hat ja unantastbare Autorität seit ewigen Zeiten…
Alternativ dazu schlage ich Ihnen vor, es statt mit nach „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf oder dergleichen, es mit dem weit weniger ideologisch motivierten und dafür konfliktreicheren „Zwei Ansichten“ nach Uwe Johnson zu versuchen. Es ist auch, trotz des gleichen Mauer-Themas!, erfreulich kürzer als ein Roman, weil nur eine Erzählung. Etwas länger als Kurze Prosa und etwas kürzer als eine Romanerzählung oder eine Novelle: literarisch ganz klassisch eine Erzählung.
Wenn Sie es wünschen und mich dafür bezahlen, mach ich Ihnen daraus eine Bühnenfassung. Sobald ich nach einem Vertragsschluss den Text wieder hier habe, brauche ich dafür 3 Tage, dann 4 Tage für die Reinschrift in Maschine, dann 1 Tag Korrektur, dann 3 Tage Abstand zum Text, dann 2 Tage für die Korrektur der Endfertigung. Sie könnten also gegen Bezahlung eine Bühnenfassung für ein gertenschlankes ca. 75 minütiges Mauer-Stück innerhalb von 14 Tagen von mir haben. Natürlich müssten Sie dann noch suhrkamp wegen des Aufführungsrechtes fragen. Das brauche ich zum Glück nicht, denn privat kann man mit dem Kulturerbe der Welt machen was immer man will.
#10 - Auch gut. Einfach für jetzt ausprobieren.
Freundlichst grüßt d.o.

 

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